Posse um Aufzug in Leinfelden Kein Anschluss unter dieser Notrufnummer

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Seit Monaten steht der Aufzug am Bahnhof Leinfelden still. Grund ist auch eine wirre Zuständigkeit. Wer ist denn nun verantwortlich? Die Bahn, die SSB, die Stadt oder etwa doch die Telekom?

Ein simpler Defekt beschäftigt die   Bahn,  die SSB,   die Stadt und die   Telekom nun schon seit geraumer Zeit. Foto: Rüdiger Ott
Ein simpler Defekt beschäftigt die Bahn, die SSB, die Stadt und die Telekom nun schon seit geraumer Zeit. Foto: Rüdiger Ott

Leinfelden-Echterdingen - Manchmal muss Susanne Kottmann eine halbe Stunde vor der Treppe warten. Die rüstige Dame aus Stuttgart-West, die gern mit dem Pedelec durch das Siebenmühental stromert, steigt am Bahnhof Leinfelden aus der S-Bahn aus und wieder ein. Doch einer der Aufzüge ist seit Monaten defekt, weshalb sie auf helfende Hände angewiesen ist, die ihr das Rad über die Stufen tragen. Seit Wochen beschwert sie sich bei verschiedenen Stellen. Mehrere Anrufe verliefen im Sand. „Und was ist dann erst mit Rollstuhlfahrern oder Müttern mit Kinderwagen“, sagt sie und redet sich in Rage. „Das regt mich granatenmäßig auf.“ Sie will sogar schon einen Brief an den Verkehrsminister Winfried Hermann schreiben.

Nun, die gute Nachricht ist, dass Susanne Kottmann schon bald nicht mehr auf nette Fahrgäste warten muss. Die schlechte Nachricht ist, dass sie und andere betroffene Fahrgäste Opfer einer wirren Zuständigkeit geworden sind, die selbst Insider den Kopf schütteln lässt. Schon allein der Umstand, dass auf den Aufzügen verschiedene Telefonnummern von Störstellen stehen, lässt aufhorchen.

Die Jahresendabrechnung offenbart das Durcheinander

Erster Anruf unter der Nummer, die auf dem Aufzug an Gleis 1 steht, dem Gleis der S-Bahn aus Richtung Stuttgart: Eine Dame der Bahn meldet sich, erkundigt sich nach Ort und Defekt. Helfen kann sie nicht, aber einen Hinweis geben. „Einer der Aufzüge gehört der SSB, der landet oft bei uns“, sagt sie. Die Pressestelle der Bahn wiederum sieht das anders. „Der Aufzug fällt in die Zuständigkeit der Stadt“, heißt es in einer dürren Antwort.

Zweiter Anruf unter der Nummer, die auf dem Aufzug an Gleis 2 steht, also dem tatsächlich kaputten Aufzug zwischen der S-Bahn und der U-Bahn: Ein Herr von der Otis-Hotline meldet sich. Otis ist ein Hersteller von Aufzügen. „Wir haben dort keinen Wartungsvertrag“, sagt der Mitarbeiter nach einer kurzen Recherche am Rechner. Man befreie am Bahnhof Leinfelden lediglich Personen, die feststecken.

Dritter Anruf unter der Nummer der SSB: Da an dem Bahnhof nicht nur die S-Bahnen der Linie S 2 und S 3 halten, sondern auch die Stadtbahnen der Linie U 5, liegt die Vermutung nahe, dass die Stuttgarter Straßenbahnen AG zuständig sein könnte. Dem ist aber nicht so. „Wir haben keine Aufzüge an dieser Haltestelle, nur Rampen“, sagt die SSB-Sprecherin Birte Schaper. „Wir vermuten, dass die Stadt zuständig ist.“

Vierter Anruf unter der Nummer der Stadtverwaltung von Leinfelden-Echterdingen. Talat Quandas braucht kaum länger als Kottmann, die Dame mit dem Pedelec, um sich in Rage zu reden. Und dafür reicht schon, dass der Mann vom Hochbauamt aufzählt, wer für welchen Aufzug zuständig ist. Die Anlage am Gleis 1 also gehört der Bahn, die Anlage am Gleis 2 der Stadt, und einen weiteren Aufzug einige Meter weiter teilen sich die Stadt und die SSB. „Das ist ein Kuddelmuddel“, sagt er, und das spürt er mindestens einmal im Jahr, wenn er die Jahresendabrechnung erstellt.

Künftig wird der Notruf eben gefunkt

Als ob das nicht schon kompliziert genug wäre, kommt nun auch noch die Telekom ins Spiel. Denn in besagtem Aufzug am Gleis 2 ist ein Notrufknopf angebracht, der eine direkte Verbindung zu den Otis-Leuten aufbaut, die ja feststeckende Personen befreien sollen. Eben jener Notruf dringt nicht durch, und für die Leitung zeichnet der ehemalige Staatskonzern in Magenta verantwortlich. Otis wiederum verweigert die Inbetriebnahme, wenn der Notruf nicht funktioniert. „Der Aufzug selbst ist technisch in Ordnung“, sagt Quandas.

Wo genau der Defekt liegt, weiß Quandas auch nach drei Monaten Detektivarbeit und frustrierenden Terminvereinbarungen mit Telekom-Technikern nicht. Hoch gehandelt wird derzeit eine Leitung, die unter den Gleisen verläuft. Bis die Stelle gefunden und dann auch tatsächlich repariert sei, würden wohl weiterer Wochen oder Monate vergehen, meint der Mann vom Hochbauamt.

Deshalb wird der Notruf des Aufzugs künftig über Funk betrieben. Ein Otis-Techniker baute jedenfalls am Dienstag ein sogenanntes GSM-Modul ein, das nicht unähnlich eines Handys ist, „mit einer Antenne auf dem Dach, die wir selber reparieren können“, sagt Quandas. Der Einbau verlief problemlos. Am Mittwoch oder Donnerstag soll noch die Software angepasst werden. „Dann sind wir unabhängig von der Telekom.“




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