Post in Leinfelden-Echterdingen Ist die Filiale in Musberg bald Geschichte?

Noch bis Ende Oktober steht Wolfgang Strobel hinter den Tresen der Musberger Postfiliale. Foto: Natalie Kanter

Wolfgang Strobel führt seit 15 Jahren die Postfiliale an der Filderstraße 54. Im Herbst geht er im Ruhestand. Die Frage, ob es im Ort eine Nachfolge geben wird, wird bis jetzt unterschiedlich beantwortet.

Filderzeitung: Natalie Kanter (nak)

Wer in Musberg Briefmarken benötigt, einen wichtiges Schreiben aufgeben oder ein Geburtstagsgeschenk verschicken will, ist bei Wolfgang Strobel an der richtigen Adresse. Der Mann führt seit 15 Jahren gemeinsam mit seiner Frau Petra den Laden WS Druck an der Filderstraße 54. Das Ladengeschäft liegt direkt unter dem Musberger Bürgersaal und neben einer Bäckereifiliale. Wer den Laden betritt wird sofort von Tobi, einem siebenjährigen, schmusebedürftigen Border Collie, begrüßt. Während Krümel, der zweite Hund des Ehepaars, nur kurz aufblickt. Das 14-jährige Tier ruht sich lieber aus, als dass es herumtollt.

 

An diesem Dienstagmorgen will ein Mann ein Paket abholen, eine Mutter mit Kind möchte zwei abgeben. Wenig später balanciert ein Kunde einen hohen Stapel schmaler Kartons in den Laden. „Ich habe keine Pizza bestellt“, scherzt Wolfgang Strobel hinterm Schalter und fragt dann höflich nach, ob das alles schon frankiert ist.

Wer nicht mehr gut zu Fuß ist, insbesondere keine Treppen mehr steigen kann, einen Kinderwagen oder Rollator mit dabei hat, darf über die Terrasse der Bäckerei gehen, um in die Postfiliale zu gelangen. Das ist so abgesprochen. Denn genau genommen ist der Laden nicht barrierefrei, betont der Geschäftsmann. Was aus seiner Sicht durchaus ein Problem darstellt. „Eine feste Rampe mit Geländer, das wäre die einfachste Lösung“, sagt er.

„Die Hauptsache des Postgeschäfts sind Retouren“, berichtet Strobel. Also Kleidung, Schuhe oder andere Dinge, die Menschen im Internet bestellt haben – und dann doch wieder zurückschicken wollen. Aber „dafür bekommen wir nur ein paar Cent“, erklärt der 65-Jährige. Und: „Von der Post allein kann man nicht leben.“ Da brauche man schon ein weiteres Erwerbsmodell – Schreibwaren beispielsweise – oder eben eine Textildruckerei und Stickerei, wozu sich die Strobels vor vielen Jahren entschieden haben.

Druckerei und Stickerei ist eine Marktlücke

Sie fertigen in ihrem Laden individuelle Einzelstücke an. Tassen, T-Shirts, Trikots und Kostüme werden auf Kundenwunsch mit Sprüchen oder Namen bedruckt, Kissen oder auch Stofftiere mit einer Stickerei versehen. So verwandelt das Ehepaar normale Dinge in Unikate: Eine Marktnische. „Das bieten die großen Druckereien nicht an“, sagt Wolfgang Strobel. Sportvereine, die Siebenmühlental-Hexen oder Leute, die einen Junggesellenabschied vorbereiten, gehören zur Kundschaft.

Ende Oktober aber ist Schluss mit WS Druck – zumindest in dem 120 Quadratmeter großen Laden an der Filderstraße in Musberg. Wolfgang Strobel geht in den Ruhestand, seine Frau will im Wohnhaus an der Fontanestraße die Druckerei und Stickerei im Kleinstgewerbe noch weiter führen. Die Postfiliale aber gibt das Ehepaar ab.

Wird es künftig noch möglich sein, Briefe und Päckchen in Musberg aufzugeben oder abzuholen? Erst im September vergangenen Jahres hatte es für Postkunden in Echterdingen eine böse Überraschung gegeben. Der bisherige Kooperationspartner der Deutschen Post hatte die Zusammenarbeit gekündigt. Weil DHL dazu verpflichtet ist, die Versorgung mit Postdienstleistungen sicherzustellen, hatte das Unternehmen einen neuen Kooperationspartner gesucht – und auch gefunden. Allerdings hatte es zunächst keine passenden Räume in Echterdingen gegeben. „Laut dem neuen DHL-Gebietsleiter soll Musberg wieder eine Filiale bekommen“, sagt Wolfgang Strobel. Musberg habe dafür ausreichend Einwohner, die nächste Filiale sei zu weit weg, um die Kundinnen und Kunden dorthin zu schicken. Die Pressestelle der Deutschen Post gibt sich dazu allerdings zugeknöpft. Ein Sprecher teilt auf Nachfrage nur mit: „Derzeit kann ich zum Standort noch nichts vermelden.“ Die Stadt als Eigentümerin der Immobilie ist da schon auskunftsfreudiger. „Ein Betreiber weiterer Postfilialen in Leinfelden-Echterdingen strebt gegenüber der Post eine Übernahme dieser Filiale an. Das wäre aus Sicht der Stadt zu begrüßen“, schreibt der Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell.

„Musberg braucht eine Post“, sagt Sabine Onayli, Stadträtin der L. E. Bürger. „Der Einzugsbereich reicht locker, um eine Post zu rechtfertigen.“ Die Ladenfläche unter dem Bürgersaal sei aber auch geeignet, die Musberger Bücherei unterzubringen. „Ein Umzug in die Dorfmitte wäre für die Bücherei sinnvoll“, sagt Uwe Janssen, Vorsitzender des Fördervereins der Stadtbüchereien in Leinfelden-Echterdingen, immer wieder. Dazu teilt der Bürgermeister mit: „Derzeit stellt sich diese Frage nicht, da die ehrenamtliche Bücherei an der Eichbergschule und am Schlossbergkinderhaus zielgruppenorientiert gut untergebracht ist.“ Es bestehe derzeit auch keine Notwendigkeit die Räume der Schule, in der die Bücherei untergebracht ist, zum Zwecke der Schulkindbetreuung umzuwidmen.

Die Musberger Bücherei

Angebot
Die ehrenamtlich betriebene Bücherei in Musberg ist derzeit in Räumen der Eichbergschule und damit etwas außerhalb der Musberger Ortsmitte untergebracht. Das Angebot ist auf Grundschulkinder, Kindergartenkinder und deren Eltern ausgerichtet. Mädchen und Jungs der Grundschule können teils schon während der Unterrichtszeit in dem Medienangebot schmökern, sich Bücher oder Hörspiele ausleihen. Sie kommen mit ihrer Lehrkraft vorbei, oder eben später mit ihren Eltern.

Öffnungszeiten
An dieser Schule gibt es dienstags und donnerstags nachmittags – wenn die Bücherei geöffnet hat – allerdings keinen Unterricht mehr. Es gibt in der Bücherei zudem auch für Erwachsene ein Medienangebot, welches das ehrenamtliche Team im örtlichen Buchhandel einkauft. Für ältere Menschen – die vielleicht nicht mehr so mobil sind – wäre ein solches Angebot in der Ortsmitte eine Erleichterung.

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