Post-Porn „Wir wollen eigene Bilder schaffen“

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Echte Darsteller haben echten Sex: „Häppchenweise“ ist ein Pornofilm, in dem nichts gespielt ist. Die Macherin Maike Brochhaus will damit klischeehaften Pornofilmen etwas entgegen setzen.

Maike Brochhaus hat einen alternativen Pornofilm gedreht. Foto: Alena Schmick
Maike Brochhaus hat einen alternativen Pornofilm gedreht. Foto: Alena Schmick

Stuttgart Die Kunsthistorikerin Maike Brochhaus promoviert und forscht an der Universität Siegen über Pornografie. Jetzt hat die 28-Jährige einen Film gedreht, bei dem echte Darsteller echten Sex haben. Damit will sie klischeehaften Pornofilmen etwas entgegen setzen.
Frau Brochhaus, was steckt hinter dem Projekt „Häppchenweise“? Der Slogan lautet ja: „Ein Abend, sechs Körper, wie weit würdest du gehen?“
Ja, die Idee war: sechs junge Leute treffen sich, sind eine Nacht lang zusammen in einem Zimmer. Sie spielen eine Form von Flaschendrehen, reden über Sex. Das sind alles keine professionellen Schauspieler, sie hatten einfach nur Lust auf das Projekt und kannten sich untereinander nicht. Das Wohnzimmer hatte verspiegelte Wände, damit sie sich nicht durch die Kameras gehemmt fühlten, denn wir haben natürlich alles gefilmt.

Woher wussten Sie, dass in dieser Nacht überhaupt etwas Interessantes zwischen den Darstellern geschehen würde?
Das wussten wir nicht. Es gab kein Skript oder so etwas. Aber es wurde schnell relativ viel über Sex gesprochen. Die Fragen und Aufgaben beim Flaschendrehen, die wir vorbereitet hatten, gingen schon in diese Richtung, denn das war es ja, was uns interessiert hat. Insgesamt haben wird dann elf Stunden lang gedreht.

Am Ende ist ein Porno daraus geworden?
Nein, es ist ein Film über Sexualität. Es gibt nur eine explizite Szene, die pornografisch ist - aber ohne Penetration. Letztlich zeigt der Film interessanterweise auch, dass man Kopf und Körper nicht so richtig trennen kann, wenn es um Sex geht.

Wie sind Sie darauf gekommen, so einen Film zu machen?
Ich forsche ja im Bereich Post-Porn und schreibe meine Doktorarbeit über das Pornografische im Kunstkontext – wobei das Projekt nichts mit meiner ­Doktorarbeit zu tun hat. Wir wollten ­mit dem Film einfach eine Alternative ­bieten zu dem Klischeeporno. Dass das mit dem Crowdfunding so gut geklappt hat, zeigt, dass es an solchen Alternativen auch ein großes Interesse gibt. Außerdem ­kann man Pornofilme ja auch nicht nur als Triebstimulation sehen. Sie sind prinzipiell ­einfach eine Darstellungsform, eine sehr ­explizite.

Was ist denn Post-Porn?
Das kommt aus der Gender- und Queer-Forschung. Man kann sagen, dass dabei Geschlechterstereotype aufgebrochen und ganz neue Gegenbilder geschaffen werden.

Was heißt das?
Man will Filme machen, die einen anderen Blick auf Menschen beim Sex richten als bisher. In unserem Porno haben es beispielsweise alle Darsteller geschafft, sie selbst zu bleiben, es wirkt nicht aufgesetzt oder gespielt. Inspiriert wurden wir schon von einigen anderen Projekten. Im Bereich Post-Porn tut sich in letzter Zeit einiges. Man kann das jedes Jahr sehr schön auf dem Porn Film Festival in Berlin sehen. Es gibt viele alternative Pornoprojekte.

Und was würde Alice Schwarzer dazu sagen?
Die Feministinnen haben früher immer versucht, Pornos schlecht zu reden oder sie gar zu verbieten. Heute sehen das Feministinnen längst nicht mehr so. Wir wollen das produktiver angehen und eigene Bilder schaffen.