Das Post-VoBa-Areal mit dem Stadthaus (links), in der Mitte oben das KuB und davor die Grünfläche mit Bäumen. Foto: Hähnig | Gemmeke Architekten und Stadtplaner
Mehr Grün, kein Hochhaus – die Pläne für das Post-VoBa-Areal und den „Grünen Platz“wurden erheblich verändert. Was denken Bürger über dieses Sindelfinger Millionenprojekt?
Im Dreieck zwischen Marktplatz, Busbahnhof und Wettbachplatz gelegen, befindet sich das Post-VoBa-Areal. Aktuell kennen die meisten Sindelfinger das Gelände wohl als „Grünen Platz“. Zwar bietet dieser bis heute kein Grün, wie es der Name verspricht, dafür aber durch Foodtrucks, Gastroaußenbereiche sowie Freizeitangebote und Kulturveranstaltungen reichlich Aufenthaltsqualität.
Auch wenn das Areal gut angenommen wird, soll es künftig ein anderes Gesicht bekommen. Schließlich handelt es sich um Sindelfingens „zentralste und größte freie Fläche“, wie Michael Paak, Leiter des Amts für Stadtentwicklung, bei einer Bürgerinfoveranstaltung am Mittwochabend im Rathaus formulierte.
Im Winter wird der Grüne Platz zum Eislaufparadies. Foto: Stefanie Schlecht
Dabei werden die ursprünglichen Pläne, auf dem Gelände neben einem Kultur- und Bürgerzentrum (KuB) ein deutlich sichtbares Hochhaus und eine kleine Grünfläche („Schwippeplatz“) zu errichten, so nicht umgesetzt. Die Stadtverwaltung hat eine Kursänderung veranlasst.
Der neue Entwurf des Architekturbüros zeigt: Das umstrittene 13-stöckige Hochhaus fällt weg. Stattdessen soll ein maximal siebenstöckiges Stadthaus mit Überbau und einem offen zugänglichen Balkon die Südgrenze des Platzes Richtung Busbahnhof bilden. Im Westen steht das KuB. Und: Der Anteil der Grünfläche würde mehr als doppelt so groß ausfallen.
Offener, luftiger und grüner
Oberbürgermeister Markus Kleemann (CDU), der schon im Wahlkampf 2025 mit dem Dauerthema „Post-VoBa-Areal“ konfrontiert war, lobt am Mittwochabend im Rathaus den Kurswechsel: „Ich habe auch kurz gebraucht, um mit dem neuen Entwurf warm zu werden. Je länger ich ihn studiert habe, umso gelungener finde ich ihn aber.“
Nach Meinung des OB sei es den Architekten gelungen, den Wünschen von Stadtverwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft Rechnung zu tragen: „Es wurde immer wieder angemahnt, dass der Platz zu schattig, das Hochhaus zu markant und die Grünfläche zu klein ist. Mit dem Wegfall des Hochpunktes und der Vergrößerung des Grüns ist es aber gelungen, den Platz offener und grüner zu gestalten.“
Doch nicht nur optisch seien die Anpassungen zu begrüßen, auch aus einem weiteren, nicht unerheblichen Grund bewertet Kleemann den Kurswechsel positiv: „Auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist der neue Entwurf sinnvoll. Die Suche nach Investoren gestaltet sich schwierig. Die Baukosten sind extrem hochgegangen.“ Ob die angespannte Haushaltslage die ambitionierten Umgestaltungspläne des Platzes noch einen Strich durch die Rechnung machen könnte, dazu sagt OB Kleemann: „Die Finanzen sind immer mitzudenken und sie können Projekten auch immer in die Quere kommen. Wir wollen die Flinte aber nicht ins Korn werfen, sondern vorankommen und alles tun, um Investoren zu finden.“ Das Projekt, so der ehemalige Oberstenfelder Bürgermeister, sei ohnehin schon erstaunlich lange in der Planung und Diskussion.
Die Zufriedenheit von Architekt Mathias Hähnig und der Stadtverwaltung teilen aber nicht alle der rund 70 interessierten Bürger an jenem Abend. Allen voran Klaus Philippscheck, stadtbekannter Künstler und Hobby-Stadthistoriker, kritisiert die Pläne: „Das ist keine Leuchtturm-Architektur. Das wissen wir alle. Attraktivität kann nur entstehen, wenn der Inhalt dieser Gebäude Leuchtturmcharakter hat. Bislang sehe ich hier aber nichts. Wenn das tragen soll, müsste technologisch stärker investiert werden. Und wo sind die Anknüpfungspunkte an die Sindelfinger Historie?“
Architekt Hähnig zusammen mit OB Kleemann, Baubürgermeisterin Clemens und Amtsleiter Paak. Foto: Stefanie Schlecht
Ein weiterer Bürger hält den Entwurf für „städtebaulich mutig“: „Ich finde es krass, zwei solche Klötze hinzusetzen. Wir haben bereits zwei Klötze: In einem sitzen wir gerade, der andere ist das Domo. Das wird nicht funktionieren.“
Die Stadtverwaltung nimmt die kritischen Stimmen auf, entgegnet aber denjenigen, die sich repräsentativere Bauten gewünscht hätten: „Wir müssen pragmatische Lösungen finden. Wir brauchen Konzepte, die funktionieren und wirtschaftlich sind“, sagt Michael Paak. Baubürgermeisterin Corinna Clemens betont: „Ja, wir werden hier keine Hundertwasser-Architektur haben und auch keine Schlösser bauen. Wir wollen aber auch in keine Architekturzeitschrift.“
Anerkennung für den neuen Entwurf
Mit dem aktuellen Entwurf ernten Stadt und das Tübinger Architekturbüro allerdings auch Zustimmung: „Ich halte das für einen gelungenen Plan“, sagt ein Bürger. Ein weiterer meint: „Ich finde den verbesserten Entwurf deutlich besser.“ Besonders positiv bewertet auch dieser Sindelfinger, dass der Hochpunkt nun wegfällt und die Grünfläche ausgedehnt wird.
Er hoffe nun, dass bis zur möglichen Fertigstellung des neuen Post-VoBa-Areals keine dauerhafte Brachfläche entstehe, die das Stadtbild verschandele und die Belebung der Innenstadt wieder ausbremse. Damit trifft der Rentner einen Nerv: „Das verstehe ich“, so Corinna Clemens, „wir müssen aber nun erst einmal mit dem Abriss des Postgebäudes beginnen, und dann können wir im Gemeinderat Ideen zur Zwischennutzung entwickeln“, wirft die Baubürgermeisterin den Blick nach vorne.
Post-VoBa-Areal – ein Sindelfinger Dauerthema
Zeitplan Sanierungsgebiete werden vom Bund gefördert – bis 2031. Das Post-VoBa-Areal gehört auch dazu. Ob der Platz bis dahin fertiggestellt ist, ist unklar. Die Stadt äußert aber die Absicht, bis in fünf Jahren weit fortgeschritten zu sein.
Historie 2019 wurde das alte Volksbank-Gebäude an der Kreuzung Gartenstraße/Mercedesstraße abgerissen, nachdem die Bank in ein neues Haus auf der anderen Straßenseite gezogen war. Seitdem befindet sich dort der „Grüne Platz“. Die benachbarte Post wurde 2023 aufgegeben und soll noch dieses Jahr abgerissen werden.