Postareal in Stuttgart-Untertürkheim Neue Ortsmitte mit Markthalle

Von Mathias Kuhn 

Der städtebauliche Wettbewerb zum Postareal ergab einen eindeutigen Sieger. Die Jury aus Experten und Bürgern sprach sich für das Konzept des Büros Harris + Kurrle mit Landschaftsarchitekt Koeber aus.

So  sollen  die Neubauten am Storchenbrunnen aussehen. . Foto: Harris und Kurrle
So sollen die Neubauten am Storchenbrunnen aussehen. . Foto: Harris und Kurrle

Untertürkheim - Der städtebauliche Wettbewerb zum Postareal ergab einen eindeutigen Sieger. „Die Jury aus Experten und Bürgern sprach sich einstimmig für das Konzept des Büros Harris + Kurrle mit Landschaftsarchitekt Koeber aus. Es nimmt die Kleinteiligkeit im Ortskern auf, bringt Urbanität mit ein und schafft eine neue Ortsmitte“, erklärte Städtebau-Bürgermeister Peter Pätzold. Sechs Büros wurden mit der Aufgabe betraut.

Es sei eine harte Nuss gewesen, alle Vorgaben zu erfüllen, gestand Architekt Volker Kurrle. Auf dem Post- und AOK-Areal soll ein inklusives Quartier unter dem Motto „Wohnen, Leben und Arbeiten im Stadtviertel“ entwickelt werden. Ein Discounter- und ein Drogeriemarkt, kleine Fachgeschäfte, eine Kita, möglicherweise Arztpraxen und ein Boardinghaus sollen im Ensemble integriert werden. Am preisgekrönten Entwurf lobte Jury-Vorsitzende Professorin Jorúnn Ragnasdottir, dass die Arbeit „ein ausgesprochen gutes und auch robustes Konzept darstellt, das auf die unterschiedlichen Anforderungen reagieren kann“.

Was fehlt, ist eine echte Ortsmitte

Entstehen sollen auf dem heutigen Postareal drei Baukörper mit unterschiedlichen Höhen. Die Architekten haben sich für rechteckige Gebäude mit Flachdächern entschieden. „Sie bilden eine eigenständige, urbane Struktur“, so Kurrle. Schließlich treffe an dieser Schnittstelle die kleinteilige Struktur der Häuser im Ortskern auf großzügige Infrastruktur durch die Bahn- und Straßenverbindung sowie dem Mercedes-Benz-Werksgelände in unmittelbarer Nachbarschaft aufeinander. „Was Untertürkheim fehlt ist allerdings eine eindeutige Ortsmitte“, meint Kurrle. Diese könnte mit dem neuen Konzept geschaffen werden: Der öffentliche Raum entwickelt sich vom Bahnhof über die Raumaufweitung gegenüber dem Kirchplatz bis zum baumbestandenen Abschluss am Haus des Optikers als multifunktional nutzbare Freifläche. Der in Rotenberg lebende Architekt könnte sich zudem vorstellen, dass der Bereich zwischen Großglocknerstraße und Leonhard-Schmidt-Platz autofrei wird. Begleitet wird dieser Fußgängerbereich von den attraktiven Nutzungen der Märkte und Ladeneinheiten, der Post und der AOK. In einem als Markthalle bezeichneten Bereich im Erdgeschoss kommen die Discounter und Einzelhandelsgeschäfte unter. Gegenüber der Treppe zur Stadtkirche entsteht ein weiterer Platz mit Zugang zur zur neuen Kita, einem Café und dem Pflegebereich.

Bebauungsplan muss aufgestellt werden

Bezirksvorsteherin Dagmar Wenzel hob ebenfalls die Öffnung des Discounters zum Leonhard-Schmidt-Platz sowie die ökologisch sinnvoll nutzbaren Flachdächer hervor. Unter dem Postareal sind Tiefgaragenparkplätze vorgesehen, die An- und Ausfahrt erfolgt über den Kreisverkehr. Ziel sei es, dass die Menschen im Ortskern bleiben und ihn beleben, betonte Pätzold. „Insgesamt ein schöner Beitrag zur Entstehung eines inklusiven Quartiers und zur nachhaltigen Aufwertung des Stadtteils“, lautet das Fazit der Jury. Bürgermeister Pätzold ist allerdings bewusst, dass es „jetzt um die Konkretisierung und Umsetzung“ gehe. Er bat um Geduld. Es müssten erst Gespräche mit den Investoren geführt und ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden.

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