Prägendes Gebäude in Heimerdingen Wie eine Bürgerinitiative das Sängerheim retten will

Das Gebäude prägt Heimerdingen an markanter Stelle. Foto: Simon Granville

Was passiert mit dem Heimerdinger Sängerheim? Die Stadt Ditzingen bietet das Gebäude zum Verkauf an. Jetzt bringt eine Bürgerinitiative eine Lösung ins Gespräch.

Ludwigsburg: Franziska Kleiner (fk)

Es ist ein markantes Gebäude, prägt den Ort seit Jahrzehnten, weil es Feuerwehrhaus, Vereinsheim und Gaststätte war. Selbst sonst ortsfremde Autofahrer kennen das Sängerheim in der Hausgasse, weil die Ausweichstrecke bei Stau rund um das Leonberger Dreieck direkt an diesem Fachwerkbau vorbeiführt. Nachdem sich die Stadt von dem Gebäude trennen will, macht sich jetzt eine Bürgerinitiative für dessen Erhaltung stark.

 

Sie hat sich mit einem offenen Brief an Oberbürgermeister Michael Makurath gewandt. Darin heißt es: „Wir glauben fest daran, dass das Sängerheim als genossenschaftlich getragenes Bürgerprojekt ein Leuchtturmbeispiel für soziale, ökologische und gemeinschaftliche Stadtentwicklung in Ditzingen werden kann.“ Unterzeichnet ist das Schreiben unter anderem von Gemeindepfarrer Thorben Haase.

Zuletzt gehörte das markante Gebäude dem Liederkranz

Zuletzt war das Sängerheim der Ort des Heimerdinger Liederkranzes. Der hat 2019 sein 125-jähriges Bestehen gefeiert. Drei Jahre später, 2022, beschlossen die verbliebenen Mitglieder die Vereinsauflösung – dem Chor fehlten die Mitglieder. Der Liederkranz erlebte, was auch manch anderer Verein erlebt, bei dem der Nachwuchs ausbleibt. Verwalter des Nachlasses ist seitdem die Stadt Ditzingen. Ihr fiel das Vermögen zu – darunter das Sängerheim – mit der Maßgabe, dieses ausschließlich für gemeinnützige Zwecke zu verwenden. Im vergangenen Jahr befasste sich dann der Gemeinderat mit dem ortsbildprägenden Gebäude.

Er wählte ein Konzeptvergabeverfahren: Das Gebäude sollte demnach nicht gegen einen Höchstpreis veräußert werden. Vielmehr wollte die Stadt Einfluss auf Art und Maß der Nutzung nehmen, ohne dabei selbst als Investor oder auch Bauherr aufzutreten.

Ehemaliges Sängerheim in Heimerdingen vor neuer Nutzung?

Die Bürgerinitiative verweist nun darauf, dass im Rahmen einer Zwischennutzung das Gebäude seit April 2025 „Woche für Woche mit neuem Leben“ gefüllt werde. Bereits jetzt kämen zwischen 50 und 80 Menschen im Haus zusammen. „Das zeigt: Der Bedarf nach einem offenen, niedrigschwelligen Ort für Begegnung, Austausch und Gemeinschaft ist real und wachsend.“

Die Bürgerinitiative hat erste Ideen für ein Nutzungskonzept vorgelegt. Ihr Zeitplan sieht vor, noch in diesem Jahr eine Genossenschaft zu gründen und parallel den Testbetrieb im Bestand auszudehnen. Oberbürgermeister Michael Makurath sprach anlässlich der Bekanntgabe der Pläne im Gemeinderat von einer „interessanten Idee“. Er verwies zugleich darauf, dass es sich um ein „komplexes Projekt“ handle.

Das Nutzungskonzept sieht unter anderem eine „offene Gaststube mit Bistroküche“ im Erdgeschoss vor. Das dreigeschossige Gebäude – zuzüglich des zweigeschossigen Dachgeschosse – war früher im Erdgeschoss Vereinsheim und im Obergeschoss Gaststätte gewesen.

Dehoga erkennt „Renovierungs- und Instandhaltungsstau“

Die Stadt hatte, nachdem ihr das Gebäude zugefallen war, den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) eingebunden und um eine Einschätzung gebeten. Dieser war laut der Stadt zum Ergebnis gekommen, „dass am kompletten Objekt ein massiver jahrzehntelanger Renovierungs- und Instandhaltungsstau zu erkennen ist“. Das Gebäude müsse für einen Pächter so aufbereitet sein, dass er sein Geschäft erfolgreich betreiben könne.

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