Was für eine perfekte Symbiose ist doch dieses Kunstwerk, zusammengesetzt aus dem zu Herzen gehenden Lied „Da ben i dahoim“ der aus dem Raum Murrhardt stammenden Gruppe Wendrsonn, und einem Video, das die Verse der Band wunderbar untermalt. Oder ist es vielleicht eher andersherum: Die Songzeilen passen ideal zu den Filmaufnahmen? Wie auch immer, wer diesen knapp vier Minuten langen musikunterlegten Film gesehen hat, kann seine heimat- und naturverbundenen Gefühle gar nicht unterdrücken. Und dafür muss man keineswegs in jenem Landstrich geboren oder aufgewachsen sein, der in seiner ganzen Schönheit zu sehen ist.
Das Video zu „Da ben i dahoim“ ist knapp vier Minuten lang
Die Begeisterung kannte keine Grenzen auch bei den professionellen Begutachtern des 46. Bundesfilmfestivals Natur, das Ende April in Blieskastel im Saarland stattfand. „Als ich dieses Video gesehen habe, ist mir das Herz aufgegangen“, erklärte Jurymitglied Brigitte Adamek-Rinderle bei der Preisverleihung: „Die Zerbrechlichkeit unserer Natur darzustellen ist durch die emotionale Verbindung zwischen der Musik und den Bildern ganz besonders gut gelungen.“ Mit dieser Begründung hat das gut 3:40 Minuten lange Video einen „Silbernen Schmetterling“ und den Sonderpreis der Stadt Blieskastel gewonnen.
Markus Stricker hat das Lied bereits vor 15 Jahren geschrieben
Die beiden Hauptbestandteile des Werks sind keineswegs brandneu. Vielmehr hat Wendrsonn-Bandleader Markus Stricker Text und Melodie vor 15 Jahren verfasst, der Song wurde bereits auf Hunderten von Konzerten gespielt. Und Frank Lauter filmt seit Jahrzehnten den Schwäbischen Wald und hat aus seinem Material auch schon längere Produktionen erstellt. Ausgangspunkt für diese gelungene Kombination aus Akustik und Optik war die Idee von Karl-Dieter Diemer, dem Geschäftsführer des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald, das Wendrsonn-Lied „Da ben i dahoim“ – ursprünglich als Hymne der sieben Naturparke Baden-Württembergs gedacht – eben mit den Bildern des Naturfilmers Lauter zu verbinden.
Beim Filmemacher rannte er offene Türen ein. „Als Karl-Dieter Diemer mir die Aufnahme des Liedes und seine Idee dazu schickte, forderte mich meine Partnerin auf: das musst du machen, das passt zu dir“, erläutert Lauter. Diemer beschreibt die Anfänge: „Schon bei unserem ersten Treffen fingen Frank Lauter und Bandleader Markus Stricker Feuer bei der Idee, und es war mir gleich klar, dass ich die richtigen Leute zusammengebracht habe. Das Projekt war da für mich schon in trockenen Tüchern.“
Musik und Bilder harmonieren perfekt
Und so durchforstete Lauter seinen Fundus, arbeitete Ausschnitte aus der dreiviertelstündigen Dokumentation „Naturschätze im Schwäbisch-Fränkischen Wald“ als Sequenzen zum Lied ein, fügte noch weitere aktuelle Aufnahmen hinzu. Markus Stricker ergänzt: „Unser Lied ,Da ben i dahoim’ in seiner aktuellen Fassung mit den tollen Bildern von Frank Lauter zu unterlegen, das geht so gut, da braucht die Band gar nicht im Bild erscheinen“, sagt der 60-Jährige, „Musik und Bilder harmonieren auch so perfekt.“
Der für manche bestimmt eher rätselhaft anmutende Bandname Wendrsonn ist der schwäbische Ausdruck für „Wintersonne“ – entstanden bei einer Winterwanderung in Großhöchberg. Stricker: „Es war saukalt, unten im Tal hing der Nebel, und eine bleiche Wintersonne spiegelte sich in den gefrorenen Pfützen und tauchte die Landschaft in ein mystisches Licht.“ Wendrsonn, dieser Name „passt zu den rauen Bergen des Schwäbischen Waldes, zum Dialekt und natürlich zur Musik“, so Stricker.
Die sechsköpfige Formation hatte zuletzt ein paar personelle Wechsel zu verzeichnen: statt der weithin bekannten Biggi Bender ist nun Anke Hagner die Sängerin und Frontfrau. Die Murrhardter Zeitung konstatierte Anfang November nach dem Konzert in der dortigen Festhalle „rockigere Töne“ als bisher von dieser „erfolgreichsten Dialektband im Süden“ zu hören waren.
In der Sulzbacher Kultdisco Belinda fing alles an
Stricker lebt in Sulzbach, war dort einst 18 Jahre Discjockey in der Kultdisco Belinda, wo bei einem Benefizkonzert für die Tsunami-Opfer die Idee für Wendrsonn entstand. Mehrere CDs hat Wendrsonn auf den Markt gebracht, mit Titeln wie „Woisch no“ oder „S’Läba isch koin Schlotzer“, eine neue Scheibe ist derzeit ebenfalls in der Mache. Der Song „Da ben i dahoim“ hat sich über die Jahre gehalten, landet regelmäßig im Herbst unter den Top 50 bei der SWR-Hitparade. Stricker: „Schwäbisch ist meine Sprach, so schwätz ich, so denke ich, so träume ich, so kann ich mich am besten ausdrücken – und die Leute können sich damit identifizieren.“
Frank Lauter wurde 1969 in Stuttgart geboren
Frank Lauter, der im Hauptberuf selbstständiger Bankkaufmann mit einer Fachagentur Vermögen ist, ist gebürtiger Stuttgarter und kam als Sechsjähriger mit seiner Familie – die Eltern waren beide Lehrer – nach Schwäbisch Hall. Seit 25 Jahren ist er leidenschaftlicher Filmemacher und Fotograf; angefangen hat alles 1999 mit dem Auftrag, einen Film über das damals neue Globe Theater in Schwäbisch Hall zu drehen. Seiner kleinen Firma hat der 55-Jährige den originellen Namen „Lauter Filme“ gegeben. Natürlich ist er immer wieder im Schwäbischen Wald unterwegs. Diese Aufnahmen sind auch im Wendrsonn-Video zu sehen, sei’s von der Hörschbachschlucht in Murrhardt, von Sulzbach, aus den Berglen oder aus dem Mainhardter Wald. Weitere Filmprojekte waren etwa der Neubau des Kocher-Quartiers oder die Deutsche Grillmeisterschaft – und nicht zu vergessen aufwendige Produktionen über Tiere wie den Feuersalamander oder den Laubfrosch.
Film Das Video ist auf der Homepage des Naturparks ( www.naturpark-sfw.de ) unter „Neuigkeiten“ zu finden, außerdem auf der Seite www.wendrsonn.de und im YouTube-Kanal von Frank Lauter.