InterviewPräsident Claus Vogt vom VfB Stuttgart „Der neue Trainer kann nicht zaubern“

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Der neue Präsident Claus Vogt besucht das Team des Fußball-Zweitligisten VfB Stuttgart im Trainingslager in Spanien und spricht nicht nur über die hohen Erwartungen.

Auf Stippvisite in Marbella:  VfB-Präsident Claus Vogt Claus Vogt wünscht sich mehr Kontinuität beim VfB. Foto: Baumann
Auf Stippvisite in Marbella: VfB-Präsident Claus Vogt Claus Vogt wünscht sich mehr Kontinuität beim VfB. Foto: Baumann

Marbella - Claus Vogt ist guter Laune. Er befindet sich auf Stippvisite im Trainingslager des VfB Stuttgart, wie der Präsident des Fußball-Zweitligisten selbst lächelnd sagt. Zwei Tage nimmt sich der 50-Jährige Zeit, um sich in Marbella ein eigenes Bild davon zu machen, wie der ebenfalls neue Trainer Pellegrino Matarazzo und die Mannschaft zusammenarbeiten. Dazu führt der Unternehmer viele Gespräche – mit dem Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger ebenso wie mit den Fans vor Ort. Ein Überblick über die Themen und Einschätzungen aus Spanien – Claus Vogt spricht über . . .

. . . Marbella „Ich freue mich, hier zu sein und der Mannschaft näher zu kommen. Es gab am Sonntagabend im Hotel eine Vorstellung und auch einzelne Gespräche mit Spielern. Ich habe den Eindruck, dass die Atmosphäre in Marbella sehr gut ist. Mir begegnen viele lachende Gesichter. Für mich ist der Aufenthalt in Spanien nach dem Spiel in Hannover die zweite offizielle Dienstreise als VfB-Präsident. Persönliche sehe ich es als Stippvisite. Am Dienstag nehme ich bereits am Neujahrsempfang der Deutschen Fußball-Liga in Frankfurt teil und fliege deshalb früh zurück. Am Donnerstag beginnt dann meine wirkliche Arbeit in Stuttgart.“

. . . die ersten Präsidentenaufgaben „Ich bin noch dabei, die Menschen im Verein kennenzulernen und diverse Unterlagen zu sichten. Das wird auch noch einige Zeit beanspruchen. Deshalb bitte ich um etwas Geduld, ehe ich sagen kann, was wir inhaltlich wann konkret angehen. Nach meiner Wahl am 15. Dezember und ersten Sitzungen bin ich mit dem Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger durch die Büros der Vereinsangestellten gegangen, und wir haben sie gemeinsam in den Weihnachtsurlaub geschickt. Ich glaube, so eine Aktion gab es in der langen Clubgeschichte des VfB noch nicht.“

. . . die Zusammenarbeit mit Thomas Hitzlsperger „Wir verstehen uns auf der zwischenmenschlichen Ebene sehr gut. Ich bin überzeugt, dass es mit uns beiden eine gute Mischung für den VfB ergeben kann: Thomas Hitzlsperger mit seiner absoluten Sportkompetenz und ich mit meinem unternehmerischen Wissen. Das ergänzt sich, und wir sollten sowohl nach innen als auch nach außen klarmachen, dass es zwei unterschiedliche Ämter und Aufgaben sind, wir aber an einem Strang ziehen. Ich hoffe, dass diese Konstellation langfristig besteht und so die gewünschte Kontinuität beim VfB Einzug hält.“

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. . . den Trainerwechsel am 23. Dezember „Es war auch für mich kurz vor Weihnachten eine bewegte Zeit. Ich dachte eigentlich, dass nach einem TV-Auftritt Ruhe einkehren würde. Thomas Hitzlsperger hat mich dann in seiner Funktion als Vorstandschef über die bestehenden Möglichkeiten und Entscheidungen stets unterrichtet. Im Präsidial- und Aufsichtsrat haben wir anschließend über die Sachlage diskutiert. Wir stehen voll hinter der Entscheidung, sich von Tim Walter zu trennen und mit Pellegrino Matarazzo weiterzuarbeiten.“

. . . den neuen Stuttgarter Coach Pellegrino Matarazzo „Natürlich habe ich den neuen Trainer bereits kennengelernt. Für ein intensives Gespräch bestand aber noch keine Gelegenheit. Einen längeren Gedankenaustausch wird es auch nicht in Marbella geben, da hier die Trainingsarbeit im Mittelpunkt steht. Insgesamt benötigen wir Geduld und Demut. Der neue Trainer kann in der kurzen Zeit bis zum Auftakt am 29. Januar nicht zaubern.“

. . . die Erwartungen „Es ist toll zu erleben, dass hier in Spanien mehr als 30 Fans sind und ihren Urlaub für den VfB opfern. Wir haben uns mit ihnen auch gerne einen Abend zusammengesetzt, um zu hören, was sie bewegt. Grundsätzlich wollen wir alle gemeinsam Erfolg haben und wieder zurück in die Erste Bundesliga. Ich warne aber davor, das erste Pflichtspiel des Jahres gegen den 1. FC Heidenheim überzubewerten. Davon hängt nicht das ganze Wohl und Wehe des VfB ab. Ebenso wenig von den nächsten fünf Monaten. Es wäre traurig für den VfB, der seit 125 Jahren besteht, wenn diese kurze Zeit allein über die Zukunft des Vereins entscheiden würde. Der VfB bleibt der VfB.“