Präsidentschaftswahl beim VfB Stuttgart Claus Vogt und Pierre-Enric Steiger schalten in den Wahlkampfmodus
Die beiden Kandidaten ums Präsidentenamt beim VfB Stuttgart begegnen sich erstmals auf offener Bühne. Und sparen nicht an Seitenhieben.
Die beiden Kandidaten ums Präsidentenamt beim VfB Stuttgart begegnen sich erstmals auf offener Bühne. Und sparen nicht an Seitenhieben.
Stuttgart - Kein Wahlkampf sollte es werden, stattdessen sprachen Claus Vogt und Pierre-Enric Steiger lieber von einer Wahlphase. Nach all den vereinspolitischen Turbulenzen der vergangenen Monate sollten sich nicht schon wieder die nächsten Grabenkämpfe eröffnen. Mit dem Frieden ist es aber nicht weit her, wie der erste gemeinsame öffentliche Auftritt der beiden Präsidentschaftskandidaten offenbarte.
Am 18. Juli wählen die Mitglieder des VfB Stuttgart bekanntlich einen neuen Präsidenten. Am Donnerstagabend veranstaltete der Verein dazu einen „dunkelroten Tisch“. Eine Diskussion mit Fans und Mitgliedern auf offener Bühne, die nichts anderes war als lupenreiner Wahlkampf. Dabei wurden nicht nur inhaltliche Unterschiede zwischen Amtsinhaber Vogt und seinem Herausforderer Steiger deutlich. Sondern auch, dass sich die beiden nicht sonderlich grün sind.
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Vor allem Vogt („Ich bin gekommen, um zu bleiben“) ließ immer wieder erkennen, was er von seinem Herausforderer hält. Seine Mimik sprach Bände, etwa als Steiger, der Präsident der gleichnamigen Stiftung auf das Thema Geld zu sprechen kam. Es ging um die geplante Entlohnung des künftigen Präsidiums. 50 000 Euro im Jahr sind für den Präsidenten vorgesehen, je 25 000 Euro für die beiden anderen Präsidiumsmitglieder. Steiger lehnt das zumindest zum jetzigen Zeitpunkt ab. Seine Begründung: „Dann wäre das Einkommen des Präsidenten höher als das Budget jeder einzelnen Abteilung.“ Auch auf einen Dienstwagen kann Steiger nach eigener Aussage gut verzichten. Er habe gar keinen Stellplatz. Was Vogt zu folgender Retourkutsche verleitete. „Wenn Sie keinen Stellplatz haben: Ich habe genügend Stellplätze.“ Die Entlohnung von 50 000 sei angesichts der Fülle an Aufgaben mehr als angemessen, führte der 2019 erstmals gewählte Unternehmer aus. „Wenn ich den gesamten Aufwand zusammenrechne, dann liege ich damit unter dem Mindestlohn.“
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Das liebe Geld war zentraler Streitpunkt der rund einstündigen Auseinandersetzung in einer Lounge der Stuttgarter Arena. Vogt möchte bekanntlich die Mitgliedsbeiträge von 48 auf 60 Euro im Jahr erhöhen, die Mitglieder können am 18. Juli selbst darüber abstimmen. So sollen die einzelnen Abteilungen – von Tischtennis bis zur neu gegründeten Frauenfußballabteilung – künftig besser aufgestellt werden. Steiger will stattdessen die Mitgliederzahl erhöhen – von derzeit 72 000 auf über 100 000. Vogt hält das für populistisch. „Ich möchte Mitglieder über Vertrauen gewinnen, nicht über PR“, verteilte er einen weiteren Seitenhieb in Richtung Steiger.
Auch der 49-Jährige war um keine Spitze gegenüber seinem Kontrahenten verlegen. So versuchte er, Vogt das Interesse an den Anliegen des gemeinnützigen e.V. abzusprechen. „Ich will mich nicht nur an den großartigen Leistungen der Profimannschaf erfreuen, mir liegen alle Abteilungen am Herzen,“ sagt er. Woraufhin Vogt entgegnete, im Moment sei das Loch von über 40 Millionen Euro, welches die Coronakrise in die Kassen der Fußball-AG gerissen habe, das drängendere Problem „als 8000 Euro mehr für die Tischtennisabteilung“.
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Als Steiger sein Konzept der Vertreterversammlung ausbreitete, konterte der amtierende Präsident: „Ich habe das Konzept ehrlich gesagt nicht verstanden.“ Und legte nach: „Wir haben schon einen Vereinsbeirat. Und sicher andere Probleme im e.V.“
So ging der muntere Schlagabtausch über knapp eine Stunde und überlagerte letztlich auch die Vorstellung der Kandidaten für das Präsidium. Hier probten Rainer Adrion und Markus Scheurer sowie Christian Riethmüller und Hubert Deutsch für ihren Wahlauftritt bei der Mitgliederversammlung. Das Quartett gab sich weit sanftmütiger als anschließend die beiden Präsidentschaftskandidaten. Der Wahlkampf ums Präsidentenamt beim VfB, er dürfte noch unterhaltsam werden.