Präsidentschaftswahl in den USA So lief das erste TV-Duell Trump gegen Biden

Von red/dpa/ap 

Die Kandidaten der Präsidentschaftswahl überziehen sich bei der ersten von drei Fernsehdebatten mit persönlichen Attacken und Vorwürfen. Im Mittelpunkt stehen die Corona-Krise und der Konflikt nach dem Tod von George Floyd. Hier ein Überblick zu den wichtigsten Punkten der Debatte.

Donald Trump (links), Präsident der USA, und Joe Biden (rechts), Präsidentschaftskandidat der Demokraten, sowie Moderator Chris Wallace von Fox News während der ersten Präsidentschaftsdebatte Foto: AP/Patrick Semansky 8 Bilder
Donald Trump (links), Präsident der USA, und Joe Biden (rechts), Präsidentschaftskandidat der Demokraten, sowie Moderator Chris Wallace von Fox News während der ersten Präsidentschaftsdebatte Foto: AP/Patrick Semansky

Cleveland - Gut einen Monat vor der US-Präsidentschaftswahl haben sich Amtsinhaber Donald Trump und Herausforderer Joe Biden in der ersten von drei Fernsehdebatten einen harten Schlagabtausch geliefert.

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Die Themen der Diskussion und die oft weit auseinander liegenden Positionen machten die Gräben in Gesellschaft und Politik der USA deutlich. Hier ein Überblick zu den wichtigsten Punkten der Debatte.

Verbaler Faustkampf

Für Trump ist Angriff kein Fremdwort, aber sein faustkämpferischer Ansatz ließ den demokratischen Gegner darum kämpfen, seine Sätze zu beenden. Der in öffentlich-rechtlichen und privaten Umfragen auf dem zweiten Platz liegende Trump versuchte, die Debatte zu bestimmen, indem er Biden verbal immer wieder ein Bein stellte, ihn unterbrach und sogar beleidigte. Er machte die Debatte mehr über sich selbst und wurde seinem Ruf als Rüpel gerecht. „Da ist nichts intelligentes an Ihnen“, sagte Trump Biden. „47 Jahre lang haben Sie nichts gemacht.“

Trump konnte vermutlich die schlimmsten Gegenangriffe Bidens entschärfen, indem er einfach mit lauter Stimme weiterredete. Seine Mitarbeiter glaubten vor der Debatte, dass Biden nicht in der Lage sein würde, Trumps offensiver Art etwas zu entgegnen, doch auch Biden brachte einige Konter unter, nannte Trump einen „Clown“ und sagte: „Würden Sie die Klappe halten, Mann?“

Trumps Unterstützer freuten sich möglicherweise über den Frontalangriff. Ob unentschlossene Wähler, die sich erhofft hatten, etwas über die beiden Kandidaten zu lernen, davon beeindruckt waren, ist eine andere Frage.

Moderator Chris Wallace war nicht sonderlich erfreut. „Offen gesagt, haben Sie mehr unterbrochen“, sagte Wallace zum Präsidenten, als er ihn bat, Biden aussprechen zu lassen.

Trump kann dem Virus nicht entkommen

Trump erhoffte sich, dass die Wahl sich an allen anderen Themen außer der Coronavirus-Pandemie entscheidet, doch der Realität konnte er auf der Bühne nicht entkommen. „Es ist wie es ist, weil Sie sind wer Sie sind“, sagte Biden Trump mit Bezug auf dessen Herunterspielen der Gefahren durch das Virus. Trump hatte im Privaten gesagt, er verstehe, wie tödlich es sei.

Trump reagierte mit einer Mischung aus Verteidigung und Gegenangriff. Anstelle der mehr als 200 000 Toten durch die Pandemie in den USA hätte es unter Biden „Millionen“ gegeben, behauptete Trump. Eine schwierige Wirtschaftslage? Unter Biden wäre es schlimmer, behauptete Trump ohne überzeugende Belege oder Hinweise. Biden hätte nicht genügend Masken oder Beatmungsgeräte herstellen lassen, lautete eine weitere Behauptung Trumps.

„Es wird sehr bald einen Impfstoff geben“, erklärte Trump. Biden tat das als Zukunftsmusik ab: „Viele Menschen sind gestorben und viele mehr werden sterben, es sei denn, er wird deutlich schlauer“, sagte er über Trump.

Abrechnung mit dem Rassismus

Trump sagte, Biden habe geholfen, Millionen schwarzer Amerikaner mit einem Gesetz von 1994 ins Gefängnis zu bringen, Biden nannte Trump den „Rassisten“ im Oval Office. Für eine Nation, die im vergangenen Sommer landesweit Proteste gegen Rassismus erlebt hat, war die Debatte der jüngste Unruheherd.

Biden war überwiegend ruhig, als Trump in als Werkzeug der „radikalen Linken“ darstellte, und als schwache Figur, die gegen „Recht und Ordnung“ sei. Er forderte von Biden wiederholt, eine Polizeigewerkschaft zu nennen, die ihn unterstütze, und behauptete erneut fälschlicherweise, Biden wolle der Polizei die Mittel entziehen.

Biden vergab Chancen, als Trump sich weigerte, bewaffnete Gruppen und weiße Rassisten zu verurteilen, und entgegen der Worte seines eigenen FBI-Direktors über die Gewalt sagte: „Das ist kein rechtes Problem. Das ist ein linkes Problem.“

Der frühere Vizepräsident versuchte, sich zu wehren, doch kam die Verteidigung spät, nachdem Trump bereits seine Argumente vorgebracht und falsche Behauptungen aufgestellt hatte. Er gewann wieder etwas an Boden, als er sich über Trumps Warnungen vor Vororten lustig machte: „Er kennt keinen Vorort, es sei denn, er nimmt die falsche Abzweigung.“ Und er machte seine Haltung deutlich, Trump zeitweise rhetorisch die Oberhand zu überlassen: „All diese Hundepfeifen und der Rassismus funktionieren nicht mehr.“

Fragen nach dem Obersten Gericht

Trump verteidigte seine Entscheidung, nur wenige Wochen vor der Wahl Amy Coney Barrett zur Nachfolgerin von Ruth Bader Ginsburg am Supreme Court zu nominieren: „Wahlen haben Konsequenzen.“ Biden machte klar, dass er nicht gegen Barrett, jedoch der Ansicht sei, „das amerikanische Volk hat das Recht, bei der Nominierung für den Supreme Court mitzuentscheiden“.

Doch anstatt auf die Blockade der Republikaner 2016 bei der Nominierung von Richter Merrick Garland zu verweisen, ging er auf zwei Themen ein, die vermutlich stärker sind: Gesundheitsversorgung und Abtreibung.

Barrett würde, so Biden, wenn sie Richterin am Supreme Court wäre, mit ihrer Stimme dafür sorgen, die als Obamacare bezeichnete Krankenversicherung für Millionen von Amerikanern mit Vorerkrankungen zu kippen und legale Abtreibungen zu gefährden. Trumps Verteidigungsversuche waren nicht sehr überzeugend.

Unsichtbarer Moderator Wallace

Fox-News-Moderator Chris Wallace hatte am Dienstagabend keine leichte Aufgabe. Es sei nicht sein Job, in Echtzeit Fakten zu checken, sagte er im Vorfeld. Aber letztendlich hatte er Probleme, Trump zu stoppen, der Biden immer wieder unterbrach, und er schien zeitweise auch die Kontrolle verloren zu haben.

„Ich bin der Moderator und ich möchte, dass Sie mich meine Frage stellen lassen“, sagte Wallace zu Trump. Minuten später: „Ich habe Ihnen in etwa gleich viel Zeit gegeben. Bitte lassen Sie den Vizepräsidenten sprechen.“

Als Wallace darauf hinwies, dass Trump in beinahe vier Jahren keinen Plan für eine Krankenversicherung vorgelegt hat, versuchte Trump, Wallace anzugehen: „Zunächst debattiere ich mit Ihnen und nicht mit ihm“, sagte Trump zu Wallace. „Das ist in Ordnung. Ich bin nicht überrascht.“

Wallace hatte gesagt, er wolle „unsichtbar“ sein - das war unmöglich.

Das Familiengeschäft

Wie erwartet schaffte es Trump, Bidens Sohn Hunter unterzubringen, und brachte alte Vorwürfe auf, in denen er Hunters Handhabe bei internationalen Geschäften kritisierte. Biden nannte die Litanei „diffamierend“ und feuerte zurück: „Seine Familie - da könnten wir die ganze Nacht reden.“ Doch dann wandte Biden sich stattdessen direkt an das Publikum, blickte in die Kamera und sagte: „Es geht nicht um meine Familie oder seine Familie. Es geht um Ihre Familie.“

Die Blitzumfrage

Die erste Fernsehdebatte vor der Präsidentschaftswahl in den USA hat eine große Mehrheit der Amerikaner vor allem als anstrengend empfunden - 69 Prozent nannten als vorrangiges Gefühl, dass sie verärgert seien. In einer Blitzumfrage des Senders CBS sah eine knappe Mehrheit von 48 Prozent den Herausforderer Joe Bilden als Sieger im Schlagabtausch mit Präsident Donald Trump (41 Prozent).

Am 15. und am 22. Oktober sind noch zwei weitere Fernsehdebatten zwischen Trump und Biden geplant.




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