Prävention im Stuttgarter-Norden Polizei warnt vor dreisten Abzock-Methoden

Von Georg Friedel 

Trickbetrüger suchen oft ganz gezielt Senioren für ihre Beutezüge aus. Neuerdings geben sie sich auch als falsche Polizisten oder angebliche Krankenkassen-Mitarbeiter aus, um an das Ersparte und die Wertsachen ihrer Opfer zu kommen.

Mit  der Frage „Rate mal, wer hier spricht?“, melden sich oft Betrüger und geben sich anschließend als Verwandte oder Bekannte aus. Foto: dpa
Mit der Frage „Rate mal, wer hier spricht?“, melden sich oft Betrüger und geben sich anschließend als Verwandte oder Bekannte aus. Foto: dpa

Stuttgarter Norden - Einige der älteren Damen, die am Montag ins Haus der Begegnung an der Giebelstraße 14 zu der Informationsveranstaltung „Vorsicht Abzocke“ gekommen sind, haben schon einschlägige Erfahrung mit Trickbetrügern gemacht. „Es ist schon etliche Zeit her, als sich ein Mann am Telefon meldete und als mein Enkel ausgab“, berichtet eine 91-jährige Seniorin aus Giebel am Rande. Sie habe gleich gemerkt, dass etwas nicht stimme und habe nur gesagt: „Du sprichst so komisch.“ Das Gegenüber antwortete: „Ich habe etwas Kaltes getrunken.“ Als sie auch noch eine fremde Frauenstimme im Hintergrund vernimmt, war ihr endgültig klar, dass es sich bei dem vermeintlichen Verwandten offensichtlich um einen Betrüger handeln musste. Deren Geschichten werden immer dreister und ausgefeilter. Mal geben sie sich als Enkel oder Handwerker aus und immer öfter melden sie sich auch als falsche Polizisten und wollen mit diesem fiesen Trick Senioren um ihr Erspartes und ihre Wertsachen bringen.

Ein Drittel der Einbrüche werden abgebrochen, wenn es zu lange dauert

Vor rund 50 Zuhörern berichtete Thomas Schembera vom Polizeirevier in Feuerbach von gängigen Maschen der Betrüger, Diebe und Einbrecher. Zu dem Vortrag hatte der Sozialverband VdK Giebel und das Team vom Haus der Begegnung eingeladen. Einbrecher sind keineswegs nur in der Nacht aktiv, wenngleich sie die dunkle Jahreszeit und die Abendstunden für ihre Einbruchstouren bevorzugen, berichtet der Präventionsbeamte. „Dann sehen sie, in welchem Haus Licht brennt und wo es dunkel ist.“ Zeit ist auch in anderer Hinsicht ein wichtiger Faktor: „Etwa ein Drittel aller Einbrüche wird abgebrochen, und zwar meist dann, wenn es zu lange dauert“, sagt Schembera. Wichtig sei deshalb, Türen und Fenster vor Einbruch zu schützen. „Lassen Sie sich von der Polizei beraten.“ Ebenso wichtig sei ein aufmerksames Umfeld, eine intakte Hausgemeinschaft und gute Nachbarschaft. Ein Einbruch in die eigenen vier Wände sei immer auch ein Einbruch in die Intimsphäre, betont der Polizist: „Viele fühlen sich danach nicht mehr sicher und nicht mehr wohl in der Wohnung.“

Falsche Stromableser und der Glas-Wasser-Trick

Ähnliches gilt für Diebe und Betrüger, die an der Haustür klingeln und in die Privatsphäre einzudringen versuchen. Ob dies nun das „neue Hausmeisterehepaar“ ist, das sich „nur“ kurz vorstellen will, oder der angebliche Mitarbeiter der Elektrizitätswerke, der Strom ablesen möchte – hier heißt es: Obacht geben!

Andere versuchen es mit dem „Glas-Wasser-Trick“, berichtet Schembera. Oft schleicht in solchen Fällen ein zweiter Täter in die Wohnung, um sie nach Wertsachen zu durchsuchen. In solchen Fällen ist eines wichtig: „Die Tür bleibt zu“, sagte Schembera. Oft werde eine Notlage nämlich nur vorgetäuscht: „Ich will es nicht schlechtreden, wenn man sich gegenseitig hilft, aber es gibt Einzelne, die so etwas ausnutzen.“ Auch bei Kaufangeboten an der Tür ist Vorsicht geboten: „Hat jemand von Ihnen schon einmal ein Schnäppchen an der Tür gemacht?“, fragte der Präventionsbeamte in die Runde. Verneinendes Kopfschütteln im Raum: „Dann kaufen Sie auch nichts an der Haustür“, rät Schembera.

Achtung auch, wenn sich ein angeblicher Polizist am Telefonapparat meldet. Auf dem Display tauche neuerdings auch die Notrufnummer 110 auf: „Aber das ist ein Trick, die Telefonanzeige ist gefälscht“, warnt Schembera und berichtet, dass die Betrüger sich sogar unter der falsch angezeigten örtlichen Polizeireviernummer zurückrufen lassen, was auch funktioniere. Meist würde das Gegenüber am Telefon vor einem geplanten Einbruch im Haus warnen: „Es wird aber nur suggeriert, man sei bei der Polizei und wolle helfen“, so Schembera. In Wirklichkeit bieten die Täter dann an, Bargeld oder Wertsachen von einem angeblichen Kriminalbeamten in Zivil aus der Wohnung abholen und an einen „sicheren Ort“ bringen zu lassen. Und schon schnappt die Falle zu.

Schockanrufe aus dem Ausland

Erst im Januar habe es einen Fall in Stuttgart gegeben, bei dem am Ende Schmuck in Höhe von 300 000 Euro weg war. Gleichermaßen infam: Ein Anrufer gibt sich bei einer älteren Frau aus Weilimdorf als Mitarbeiter einer Krankenkasse aus und kündigt an, er wolle wegen einer Beratung vorbeikommen, es gehe um die „Änderung der Pflegeordnung“ und die daraus resultierenden Folgen. Bei sogenannten „Schockanrufen“ behaupten die Täter, dass ein Enkel oder anderer Verwandter in einen schweren Verkehrsunfall im Ausland verwickelt sei und dort eine Kaution hinterlegen müsse. „Legen Sie auf und wenden Sie sich an die Polizei“, rät der Hauptkommissar. Wichtige Tipps seien zudem: Sich keinesfalls unter Druck setzen lassen, nicht am Telefon über die eigenen finanziellen Verhältnisse sprechen, niemals Geld oder Wertsachen an unbekannte Personen geben.

Sonderthemen