Prävention in Fellbach Auf der heißen Spur von Trickbetrügern

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Das Theater „Hallo Oma, ich brauch’ Geld!“ macht in Schmiden Station und stößt auf große Resonanz.

Die Spielarten des Betrugs am Telefon sind vielfältig. Bei Anrufern, die Geld fordern, ist stets Vorsicht geboten. Foto: Patricia Sigerist
Die Spielarten des Betrugs am Telefon sind vielfältig. Bei Anrufern, die Geld fordern, ist stets Vorsicht geboten. Foto: Patricia Sigerist

Schmiden - Ob Enkel-Trick, Rohrreiniger-Trick oder Falscher-Polizist-Trick: Die Maschen von Betrügern, an das Geld von Senioren zu kommen, werden immer wieder neu kombiniert und sind leider häufig von Erfolg gekrönt. Die Täter nutzen Notsituationen aus und knöpfen ihren Opfern zum Teil Tausende von Euro ab. Auch aktuell warnte die Polizei, dass zurzeit Telefonbetrüger verstärkt versuchen, das Geld von Bürgern in der Region Stuttgart zu ergaunern.

Die beiden Schauspieler Michael Neumaier und Yasmin Röckel führten anschaulich vor Augen, wie die Betrüger vorgehen

Das Theater „Hallo Oma, ich brauch’ Geld!“, das über verschiedene Formen der Abzocke informiert, machte vor Kurzem in Schmiden Station. Seit Herbst vergangnen Jahres gastierte das Ensemble im ganzen Rems-Murr-Kreis, im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Schmiden war der Abschluss dieser Tour. Eingeladen hatte der Stadtseniorenrat Fellbach. Der stellvertretende Vorsitzende, Karl-Heinz Häußermann, konnte viele Gäste begrüßen – der Saal war voll besetzt.

Die beiden Schauspieler Michael Neumaier und Yasmin Röckel führten anschaulich vor Augen, wie die Betrüger vorgehen. Und deren Zielgruppe ist groß. Allein 83 000 Menschen im Rems-Murr-Kreis sind über 60 Jahre alt. Michael Neumaier – der wegen einer Verletzung mit Krücken spielte – tischte zusammen mit Yasmin Röckel auf der Bühne die Geschichten auf, mit denen es die Täter bei den Senioren versuchen. Zur Vorgehensweise gehört: Unter Druck setzen und Zeitknappheit vorgeben. In einer Szene wird die Masche dargestellt, wenn sich der Täter als Polizist ausgibt. „Ich bin Hauptkommissar Bär vom Bundeskriminalamt, stellen Sie keine Fragen. Wir haben Ihr Haus in Beschattung, da Sie auf einer Liste von Verbrechern stehen“, spielt Michael Neumaier vor. „Wir schicken einen Beamten vorbei, der Ihre Wertsachen zur Sicherung abholt.“

Und da das Theaterprojekt interaktiv ist, werden Besucher auch auf die Bühne gebeten

Der „echte“ Kriminalhauptkommissar Paul Mejzlik, der auch im Anschluss für Fragen bereit stand, machte klar. „Es gibt keinen Service der Polizei, Geld im amtliche Verwahrung zu geben.“ Durch Manipulationen gelinge es den Tätern, die Nummer 110 auf das Telefondisplay zu schicken. Sein Tipp: Auflegen und dann die 110 wählen.“

In einer Szene wird im Telefonbuch geblättert, um nach Vornamen zu suchen, die älter klingen – wie etwa Gottfried oder Brunhilde. Die Täter gehen gezielt vor. Die Grundmuster der Vorgehensweisen von Tricktätern kommen zur Sprache: Das Vortäuschen einer Notlage, das Vortäuschen einer offiziellen Funktion und das Vortäuschen einer persönlichen Beziehung zum Opfer. Und da das Theaterprojekt interaktiv ist, werden Besucher auch auf die Bühne gebeten, die dann zeigen, wie sie auf die Lügengeschichten reagieren können. Auch das ganze Publikum ist an dem Nachmittag immer wieder gefragt, wenn es darum geht, wie denn die richtige Strategie in der Situation wäre.

Hört man sich bei den Besuchern um, so zeigt es, dass vielen bewusst ist, dass Aufmerksamkeit Not tut, wenn das Telefon klingelt. „Es ist ganz wichtig, keinen Namen von Verwandten zu nennen“, sagt Elisabeth Klimt. Eine andere Besucherin hatte keine Erfahrung mit Trickbetrug, aber mit einem Einbruchsversuch in der Einliegerwohnung. Inge Esenwein meint: „Ich nehme die Gespräche gar nicht an, deren Nummer ich nicht kenne, und schütze mich auf diese Weise.“ Eine andere Besucherin geht so vor: „Wenn sich jemand komisch meldet und sagt, Sie haben gewonnen, dann lege ich sofort auf.“