Sillenbuch - Beim SV Sillenbuch sind 50 Prozent der etwa 2180 Mitglieder minderjährig. Erwachsene Trainer müssen sie bei Übungen anfassen. Doch was ist okay, was nicht? Der Vorstand will jetzt Leitlinien festlegen und Übungsleiter schulen. Am Samstag, 16. Februar, gibt es dazu eine öffentliche Infoveranstaltung. Dirk Hauswirth, einer der Vorsitzenden, und der Geschäftsführer Jochen Weiß erklären die Hintergründe.
Wie kommt es zu der Initiative, das Thema Jugendschutz aufzurollen?
Jochen Weiß: Ganz ursprünglich kam der Ansatz von der Stadt Stuttgart. Das Jugendamt hat vor Jahren einmal die Vereine angeschrieben, um eine Art Leitlinie in die Vereine zu integrieren. Die Vereine sollten unterzeichnen, dass sie sich auch dem Thema Kinder- und Jugendschutz widmen und darauf achten. Daraufhin hat der Vorstand des SVS beschlossen, dass das nicht ausreicht. Dass wir nicht nur etwas unterschreiben wollen, sondern die Übungsleiter, Trainer und sonstige Personen um den SVS mitnehmen wollen, ein Präventionskonzept zu entwickeln.
Wo lauern im sportlichen Alltag Fallen?
Dirk Hauswirth: Wir sind gerade dabei, dass jede Abteilung für sich ein Konzept aufstellt, das aufzeigt, wo Schwachstellen sind. Wo können Missbrauchsfälle vorkommen? Sei es in der Kabine, in der Dusche oder auf dem Weg zur Toilette, auf dem Nachhauseweg auch. Wann sind die Kinder nicht betreut oder vielleicht auch nur von einer Person, sodass die Gefahr höher sein könnte?
Aber im Sport geht es nun mal körperlich zu. Man berührt sich.
Dirk Hauswirth: Ja. Ich denke, beim Turnen ist es am gravierendsten, weil der Trainer Hilfestellung gibt und geben muss. So was kann man nicht vermeiden. Das ist ein Sicherheitsaspekt, und die Kinder müssen vieles auch erst mal lernen, man kann ja nicht gleich einen Handstandüberschlag ohne Hilfestellung. Da ist bestimmt die Gefahr am größten, dass es zu Missverständnissen kommt. Oder aber dass Leute solche Situationen ausnutzen.
Haben Übungsleiter des SV Sillenbuch auch schon Sorgen geäußert, dass sie unberechtigt in die Kritik geraten könnten?
Jochen Weiß: Mir ist kein direkter Fall bekannt. Das ist eher ein präventiver Ansatz. Wir wollen diese Situationen verhindern. Die Übungsleiter sollen wissen: Wie gehe ich künftig in der Vermittlung meiner Sportart, von Technik und Bewegungen auf Kinder und Jugendliche zu, wie kann ich Problemsituationen souverän meistern, wie drücke ich mich aus, wenn ich Hilfestellungen gebe? Es ist auch ganz wichtig, dass man die Kinder verbal informiert, was auf sie zukommt, und nicht vor vollendete Tatsachen stellt.
Gibt es schon intern Statuten? Etwa, dass Männer nicht in Mädchenumkleiden gehen?
Jochen Weiß: Leitlinien, wie man etwa mit zweigeschlechtlichen Gruppen umgeht, gibt es nicht. Wir haben auch vollstes Vertrauen in unsere Übungsleiter und Trainer, dass ihre Erfahrung aus dem privaten Umfeld reinspielt – viele sind selbst Eltern –, aber auch der gesunde Menschenverstand. Wir haben keine Befürchtungen, dass es in der Vergangenheit zu Problemen kam.
Dirk Hauswirth: Aber es sollen Regeln aufgestellt werden. Wir sind jetzt dabei, stehen aber noch am Anfang. Das Ziel ist, bis Herbst einen Leitgedanken zu formulieren.
Was ist mit der Beziehung der Kinder und Jugendlichen untereinander?
Dirk Hauswirth: Es gibt Statistiken, dass ein Drittel der Missbrauchsfälle unter Gleichaltrigen passiert. Deshalb wird auch das ein großes Thema sein.
Jochen Weiß: Das ist auf jeden Fall ein Punkt. Man muss nicht nur die Übungsleiter auf ihre Verhaltensweisen hin sensibilisieren, sondern sie sollen auch geschult sein zu erkennen, wenn es innerhalb der Sportgruppen solche Vorfälle gibt.
Dirk Hauswirth: Wichtig ist aber auch: Rituale sollen erhalten bleiben. Zum Beispiel beim Fußball einen Kreis zu bilden und „SVS“ zu schreien, ein Klaps auf den Rücken. Wir werfen nicht alles über den Haufen. So was gehört zum Teamgeist.
Infoveranstaltung am 16. Februar
Die Infoveranstaltung „Aktiver Kinder- und Jugendschutz“ findet am Samstag, 16. Februar, von 10 bis 12 Uhr im SVS-Vereinslokal, Spitalwald 1 in Stuttgart-Sillenbuch, statt. Sie steht für jedermann kostenfrei offen. Referieren wird Matthias Reinmann vom Württembergischen Landessportbund. Für eine bessere Planung erbittet der Sportverein eine Anmeldung per E-Mail an veranstaltung@sv-sillenbuch.de.