Präventionsprojekt „bunt statt blau“ Mit Kunst gegen das Komasaufen

Die 17-jährige Lilli Meyer mit dem Gewinner-Aquarell des Wettbewerbs „bunt statt blau“ Foto: DAK/privat
Die 17-jährige Lilli Meyer mit dem Gewinner-Aquarell des Wettbewerbs „bunt statt blau“ Foto: DAK/privat

Eine Schülerin aus Ludwigsburg hat sich künstlerisch mit dem Thema Alkoholmissbrauch auseinandergesetzt. Mit ihrem Aquarell hat die 17-Jährige einen Preis gewonnen.

Ludwigsburg - Ein wenig scheint sich Lilli Meyer über den Teil ihrer Mitschüler, der sich regelmäßig so betrinkt, dass überhaupt nichts mehr mit ihm anzufangen ist, zu schämen. Detaillierte Geschichten will die Gymnasiastin „lieber nicht“ erzählen. Aber es gibt sie – und Meyer findet es wichtig, auf die Probleme, die regelmäßiger und übermäßiger Alkoholkonsum mit sich bringt, aufmerksam zu machen.

Freunde oder Mitschüler, die womöglich zu viel trinken, darauf anzusprechen, koste Überwindung, sagt die 17-Jährige, „und oft hat man auch das Gefühl, dass es sowieso nichts bringt“. Denn viele, die gern trinken würden, interessierten die Appelle nicht.

Meyer hat sich deshalb auch auf eine künstlerische Art mit dem Komasaufen auseinandergesetzt. Über die Bilderplattform Instagram war die 17-Jährige auf den Plakatwettbewerb „bunt statt blau“ der Krankenkasse DAK aufmerksam geworden. Meyer reichte ein Aquarell ein – und gewann den Sonderpreis. Wichtig sei ihr gewesen, dass ihr Bild nicht belehrend daher komme, sagt Meyer. Deshalb hat die Schülerin, die auf das Ludwigsburger Mörike-Gymnasium geht, auch bewusst auf Symbolik, wie zum Beispiel leere Flaschen, verzichtet.

Ein „Nein“ wird oft nicht akzeptiert

Natürlich hat der Teenager auch schon selbst einmal zur Flasche gegriffen. Geschmeckt hat Meyer der Alkohol nicht, deshalb lässt sie die Finger davon. Damit gehört sie, zumindest die Erfahrung hat sie gemacht, eher zur Minderheit. „Vor allem finde ich es schade, dass ein ‚Nein’ oft nicht akzeptiert wird und dann Gruppenzwang herrscht“, sagt Lilli Meyer. Wer Bier, Wein oder Schnaps ablehne, ernte bisweilen schräge Blicke. Wenn die 17-Jährige weiß, dass sich Freunde und Bekannte abends nur zum Saufen treffen, bleibt sie deshalb lieber daheim. Und auch sonst weiß sie sich anderweitig zu beschäftigen. Neben ihrem Interesse für das Zeichnen, ist sie auch sportbegeistert, spielt Fußball im Verein und klettert.

Wann genau es angefangen hat, dass sich die Gleichaltrigen um sie herum betrinken, kann Meyer nicht mehr genau sagen. „Vielleicht in der zehnten Klasse“, vermutet sie. Aktuelle Zahlen von Krankenkassen zeigen, dass Jugendliche teilweise schon viel früher mit dem Komatrinken anfangen. Bei den Zehn- bis 15-Jährigen stieg die Zahl der Alkoholvergiftungen zuletzt um 8,4 Prozent an. Insgesamt sind die Zahlen jedoch rückläufig.

Lesen Sie hier: Experten warnen vor Schmerzmittelabhängigkeit bei Jugendlichen

In der aktuellsten Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die regelmäßig den Alkoholkonsum der Gruppe der Zwölf- bis 25-jährigen in ganz Deutschland untersucht, zeigt sich, dass etwa neun Prozent der Jugendlichen im Alter von zwölf bis 17 Jahren regelmäßig – also mindestens einmal wöchentlich – Alkohol trinken. Das sei ein historisch niedriger Stand, heißt es in der Studie. Im Jahr 2004 lag der Wert in dieser Altersgruppe noch bei mehr als 21 Prozent. Die Zahl der Minderjährigen, die regelmäßig exzessiv trinkt, ist hingegen in etwa konstant. Die Bundeszentrale gibt an, dass der Anteil der Jugendlichen, der sich mindestens einmal im Monat in einen Rausch trinkt, bei 14 Prozent liegt.

Schüler befassen sich mit dem Thema und gestalten dann Plakate

In Anbetracht solcher Zahlen hält die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU), Präventionsprojekte wie das der DAK für wichtig. Prävention funktioniere dann besonders gut, wenn Kinder nicht von oben herab belehrt würden. Die meisten Schüler, die am Wettbewerb teilnehmen, beschäftigen sich erst im Unterricht mit dem Thema Alkoholmissbrauch und gestalten dann Plakate. Lilli Meyer hat hingegen aus eigenem Antrieb teilgenommen. Sie findet, dass in der Schule noch mehr Präventionsarbeit geleistet werden könnte.

Ihr Aquarell wird künftig zwar nicht an Bushaltestellen und Bahnhöfen hängen, aber vielleicht in Verwaltungen, Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen. Gemeinsam mit den 16 anderen Siegern von „bunt statt blau“ – in jedem Bundesland gibt es einen – wird das Werk von Lilli Meyer als Teil einer Wanderausstellung zu sehen sein.




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