Pragmatische Lösung für Böblinger Dauerstreit Der Schießlärm bekommt einen Dämpfer

Im Wald bei Böblingen sind zwei offene Schießbahnen der US-Streitkräfte seit 1994 eine Belastung für die Bevölkerung. Foto: factum/Granville
Im Wald bei Böblingen sind zwei offene Schießbahnen der US-Streitkräfte seit 1994 eine Belastung für die Bevölkerung. Foto: factum/Granville

Der Krach vom Übungsplatz der US-Streitkräfte soll um die Hälfte reduziert werden: mit einer Mauer, die aus mit Erde befüllten Drahtkörben und Faltwänden besteht. Im August wird derzusätzliche Schallschutz installiert.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)
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Böblingen - Mitte August soll an den Schießständen der US-Streitkräfte bei der Böblinger Panzerkaserne ein neuer Schallschutz angebracht werden. Wie die Pressestelle der US Army Europe mitteilt, ist eine Mauer aus mit Erde befüllten Metallkörben geplant, die dreimal so hoch ist wie der Erdwall, der momentan noch die Anlage auf südlicher Seite begrenzt. Außerdem werden Faltwände am Ende der beiden noch offenen Schießbahnen installiert. „Es ist das Ziel, den Schießlärm mit relativ schnell finanzierbaren und umsetzbaren Einzelmaßnahmen zu reduzieren und die betroffenen Anwohner so zu entlasten“, teilt die Pressestelle mit. Damit soll das bis ins Wohngebiet Rauher Kapf und nach Schönaich hörbare Geballere unter die zulässige Grenze von 60 Dezibel gedrückt werden. „Wenn wir Glück haben, funktioniert es ordentlich“, sagt Böblingens Oberbürgermeister Wolfgang Lützner (CDU), „dann haben wir viel erreicht.“

Seit mehr als 20 Jahren wird gestritten

Immerhin wird bereits seit mehr als 20 Jahren über die von den beiden Schießständen ausgehende Lärmbelästigung diskutiert. Entstanden ist die pragmatische Idee in der Arbeitsgruppe Schießlärm, der unter anderem Vertreter des Verteidigungsministeriums, die Ratshauschefs von Böblingen und Schönaich sowie der Brigadegeneral Markus Laubenthal, der als Stabschef für die US Army arbeitet, angehören. Der Deutsche kümmert sich seit eineinhalb Jahren für die Amerikaner um das strittige Thema und hat im vergangenen Oktober eine „finanzierbare und schnell umsetzbare Lösung“ angekündigt. Die Kosten für die neue Mauer und die Faltwände in Höhe von knapp 90 000 Euro übernehmen komplett das Hauptquartier der Army in Wiesbaden und das Spezialeinsatzkräftekommando für Europa in Stuttgart.

„Wir sind sehr optimistisch, dass wir unseren Frieden finden werden, was den Schießlärm anbelangt“, sagt Ulrich Durst von der rund 150 Mitglieder zählenden Bürgerinitiative Rauher Kapf. Das Wohngebiet liegt nur wenige Hundert Meter von den Schießständen entfernt. Zumal die Wirkung des neuen Schallschutzes auch genau überprüft wird. Seit 17. März wird von Mitarbeitern der Immissionsmessstelle der Bundeswehr der Ist-Zustand aufgenommen. Am Montag, 23. Mai, enden diese Langzeitmessungen, die eine breite statistische Datenbasis für einen Vergleich liefern sollen. Denn nach den Bauarbeiten werden die Mikrofone dann ein zweites Mal aufgebaut. „Damit ist für uns die Sicherheit gegeben, dass die Baumaßnahmen die Dezibelzahl tatsächlich auf ein erträgliches Maß mindern“, sagt Ulrich Durst.

Fast täglich Schießübungen

Im Jahr 1994 sind die beiden Schießbahnen, die nun einen Dämpfer bekommen sollen, eröffnet worden. Während die damals schon bestehenden Bahnen eins bis drei zum Schallschutz mit einer Decke ausgestattet wurden, blieben die neuen Anlagen offen. Sieben Jahre später wurde per Gutachten festgestellt, dass der durch die dortigen Schießübungen entstehende Lärm sämtliche zulässigen Werte überschreitet. Fast täglich trainieren dort die US-Soldaten für ihre weltweiten Einsätze. Mit dem Bau einer Kassettendecke für mindestens drei Millionen Euro sollte Abhilfe geschaffen werden – aber stattdessen folgte ein Streit übers Geld. Die Amerikaner forderten eine deutsche Beteiligung, weil die Siedlung erst nach der Kaserne angelegt wurde. Die Deutschen pochten auf das Verursacherprinzip.

Dass die nun gefundene Lösung wie ein Provisorium wirkt, liegt allerdings auch an der ungewissen Zukunft der Schießanlage. Nach wie vor gebe es die Überlegung, einige der in Böblingen stationierten Einheiten, die die Bahnen zu Übungszwecken nutzen, an andere Standorte zu verlegen, bestätigt die Pressestelle der US Army. Dabei würde es sich dann ebenfalls um eine Form von Schallschutz handeln. „Die Entscheidung hierüber ist jedoch noch nicht gefallen“, teilen die Amerikaner mit. Mit den im November anstehenden Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten ist damit auch nicht so schnell zu rechnen. Immerhin werde die Baumaßnahme „unabhängig von der noch nicht abgeschlossenen Überprüfung der Truppenstationierung durchgeführt“, versichert die Pressestelle.

Wolfgang Lützner hält jedes Mittel, das die Lärmbelastung senkt, für sinnvoll. Sollten Erdmauer und Faltwände funktionieren, „kann man den nächsten Schritt überlegen“, sagt der Oberbürgermeister.




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