Praktische Forschung in Sindelfingen Raumluftuntersuchungen am Gymnasium Unterrieden

Statt Schülern saßen Pappkartons im Musiksaal, der für Forschungszwecke umfunktioniert wurde Foto: Gymnasium Unterrieden
Statt Schülern saßen Pappkartons im Musiksaal, der für Forschungszwecke umfunktioniert wurde Foto: Gymnasium Unterrieden

Die Sindelfinger Schule war Teil eines besonderen Projekts, das in Pandemie-Zeiten einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag leisten soll: Wie können Luftreinigungssysteme gegen Corona-Viren helfen?

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Sindelfingen - Eine ganz besondere Klasse war zwischen dem 10. und 16. März im Musiksaal am Gymnasium Unterrieden Sindelfingen zugegen, die vielfach verwunderte Blicke auf sich gezogen haben dürfte: 25 Pappkisten nahmen den Platz der Schülerinnen und Schüler ein, liebevoll mit dem Konterfei von Kindern bemalt. Die Wissenschaftler zeigen Liebe zum Detail und Humor, wenngleich der Hintergrund in Zeiten einer Pandemie ein ernster ist.

Im Auftrag der Stadt Sindelfingen führten Torben Rathje und Maurizio Calandri vom Institut für Gebäudeenergetik, Thermotechnik und Energiespeicherung (IGTE) der Universität Stuttgart Raumluftmessungen durch. Hiermit soll untersucht werden, welchen Beitrag Luftreinigungs- und Lüftungsgeräte leisten können, um die Ausbreitung von Viren, aktuell vor allem das Coronavirus, im Klassenzimmer zu verringern.

Die Pappkartons könnten hierbei über die Komplexität des Versuchsaufbaus hinwegtäuschen, doch spätestens, wenn man einen Blick auf die vielen Luft- und Gasschläuche, Messgeräte und Sensoren wirft, wird deutlich, dass hier intensiv wissenschaftlich geforscht wird.

„Die Kartons sind nicht zufällig ausgewählt, sondern haben eine Oberfläche von genau 1,8 Quadratmetern, was der Körperoberfläche einer durchschnittlichen Person entspricht“, erklärt Torben Rathje vom IGTE der Universität Stuttgart. Im Inneren der Kartons befindet sich zudem eine 75 Watt Glühbirne, um auch die Wärmeabstrahlung eines menschlichen Körpers zu simulieren.

Das IGTE will mit dem Versuchsaufbau untersuchen, wie sich das Virus ausgehend von einem infizierten Schüler ausbreiten könnte. Dazu wird ein „Spreader“, der das Gas Schwefelhexafluorid (SF6) verströmt, an verschiedenen Orten im Klassenzimmer platziert und dann gemessen, wie sich dieses in einem geschlossenen Raum ausbreitet.

Um realen Bedingungen näherzukommen ist direkt unter dem SF6-Auslass zusätzlich ein Aerosolgenerator installiert, denn Aerosole fungieren bekanntlich als Träger der Viren. Durch Gas- und Partikelsensoren an mehreren Stellen im Klassenzimmer kann man somit die Ausbreitung von Gas und Aerosol nachvollziehen und somit wertvolle Informationen über die potenziellen Ausbreitungswege eines Virus gewinnen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler interessiert dabei vor allem die Frage, welchen Beitrag Lüftungsanlagen, beziehungsweise kombinierte Luftreinigungs- und Lüftungsgeräte zur Eindämmung eines Virus wie dem Coronavirus leisten können.

Neben Professor Konstantinos Stergiaropoulos vom Institut für Gebäudeenergetik, Thermotechnik und Energiespeicherung und Ulrich Vogt vom Institut für Feuerungs- und Kraftwerkstechnik sind mehrere wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie studentische Hilfskräfte der beiden Institute an diesem Projekt beteiligt.




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