Praxistest Darf's ein bisschen mehr sein?

Von Reimund Abel 

Frisch und flott, schick und schwungvoll, kess und clever: im Alltags-Check kann der Smart Forfour überzeugen. Wenn nur der hohe Verbrauch nicht wäre.

Deutlich flotter gezeichnet als der Vorgänger: Smart Forfour. Der Innenraum bietet erstaunlich viel Platz, das zweifarbige Design bringt gute Laune ins Innere.  Foto: Hersteller
Deutlich flotter gezeichnet als der Vorgänger: Smart Forfour. Der Innenraum bietet erstaunlich viel Platz, das zweifarbige Design bringt gute Laune ins Innere. Foto: Hersteller

Außen: Dem Vorgänger war wenig Glück beschieden, vom neuen Forfour sollen deutlich mehr Einheiten über die Straßen rollen. Die moderne Karosserie wirkt schick und charmant, die Ähnlichkeit zum Zweisitzer Fortwo ist deutlich - und beabsichtigt. Im Design grenzt er vom Renault Twingo, mit dem er sich die Technik teilt, ausreichend ab. Von vorn betrachtet soll er nach Überzeugung der Entwickler seinem Besitzer ein freundliches Gesicht aus Kühlergrill und Lichtern zeigen. Mit 3,49 Meter Außenlänge ist der Smart kürzer als mancher Konkurrent. Die Übersichtlichkeit nach vorn und hinten ist sehr gut.

Innen: Smart hat den Forfour mit einer fröhlichen Farbgestaltung in Orange und Schwarz hübsch gemacht, das gefällt uns. Erstaunlich auch, was die Techniker auf so wenig Platz untergebracht haben. Vier erwachsene Passagiere fühlen sich kommod untergebracht, weit öffnende Türen vorn und hinten erleichtern den Einstieg. Der Arbeitsplatz des Fahrers ist gut gestaltet, auch der Touchscreen überzeugt mit kurzen Reaktionszeiten. Im Kofferraum (185 bis 975 Liter Fassungsvermögen) kann ein Wochenendeinkauf untergebracht werden, wenn die Rücklehnen umgelegt werden, was in Windeseile zu erledigen ist.

Fahren: Mit 90 PS Leistung (bei 5500 U/min) und einem Drehmoment von 135 Nm bei 2500 U/min ist der Smart ausreichend motorisiert. Allerdings ist das Geräusch des im Heck eingebauten Aggregats für Hinterbänkler deutlich zu hören. Vor allem, wenn es wie in Stuttgart bergauf geht und der Dreizylinder kräftig gefordert wird. Dann muss eifrig das Fünfganggetriebe betätigt werden, was jedoch leichtgängig vonstattengeht. Wer es eilig hat, erreicht nach nur 10,4 Sekunden Tempo 100, bei einer Spitze von 155 km/h ist Schluss. Selbst jenseits der Autobahn-Richtgeschwindigkeit von 130 km/h liegt der Smart ruhig auf der Straße. Richtig Spaß macht er vor allem, wenn es kurvig wird. Und der Wendekreis von nur 8,65 Meter nimmt Stadtfahrten auch in engen Gässchen den Schrecken.

Verbrauch: Der Bordcomputer errechnete über die gesamte Testdauer von 14 Tagen einen Durchschnittsverbrauch von 7,4 Litern auf 100 Kilometern. Zugutehalten sollte man dem kleinen Kerl, dass er fast ausschließlich im Stadtverkehr eingesetzt wurde, häufiger mit vier Personen besetzt und viel Stop-and-go zu bewältigen war. Dennoch ist der Wert für ein Auto dieser Klasse deutlich zu hoch, denn er ist ja gerade für den Stadtbetrieb prädestiniert. Da leert sich der 28-Liter-Tank zu schnell.

Konkurrenz: Im Segment der Kleinwagen tummeln sich viele Anbieter. Der Forfour wird mit dem 90-PS-Aggregat in der Ausstattungslinie Passion ab 13 930 Euro verkauft. Der Klon Renault Twingo ist sein wichtigster Konkurrent. Für den Franzosen spricht der günstigere Preis (mit 90 PS ab 10 990 Euro), für den Smart die flottere Aufmachung. Der Opel Karl, seit Juni im Handel, punktet wie der Smart mit ordentlich Platz im Innenraum. Er startet bei einem Preis von lediglich 9500 Euro, dann fehlen aber viele Ausstattungsdetails. Volkswagen hat mit dem Up ebenfalls einen Stadtflitzer im Angebot, der in der einfachsten Ausstattung für 9975 Euro zu haben ist, dann jedoch vergleichsweise nackt daherkommt. Konkurrenzfähig bestückt, klettert die Rechnung beim Up deutlich über die Marke von 15 000 Euro.

Fazit: Der Smart Forfour ist eine Belebung im hart umkämpften Kleinwagen­segment. Als Pluspunkte kann er die tolle Wendigkeit, pfiffige Details, die hochwer­tige ­Verarbeitung, eine gute Sicherheits­ausstattung und eine freche Aufmachung für sich ver­buchen. Negativ zu bewerten ist, dass der fesche Flitzer schlechte Trinksitten an den Tag legt und teurer als mancher Wettbewerber ist.