Praxistipps Grundlagen der Fotografie - Der ISO-Wert

Von Julian Wenzel 

Eine Kamera zu verstehen und zu bedienen ist letztlich ganz einfach. Denn ein technisch gutes Bild hängt immer von nur drei Einstellungen ab: Blende, Verschlusszeit und ISO. In dieser Serie erkläre ich die drei Parameter und ihre Wirkung an Beispielen. Dieses Mal: der ISO-Wert.

Belichtungsreihe bei gleicher Blende und Verschlusszeit mit steigendem ISO-Wert. Foto: Florian Kontny 6 Bilder
Belichtungsreihe bei gleicher Blende und Verschlusszeit mit steigendem ISO-Wert. Foto: Florian Kontny

Der ISO-Wert ist so etwas wie der Diener für Blende und Verschlusszeit. Wann immer das Bild durch die Einstellungen der beiden Parameter zu hell oder dunkel gerät, kann der ISO-Wert eingreifen und korrigieren. Er steuert nämlich die Empfindlichkeit des Bildsensors. Je empfindlicher der Sensor eingestellt ist, desto heller wird das Bild.

Die Empfindlichkeit wird mit dem sogenannten ISO-Wert angegeben. Ausgangszahl ist dabei 100. Verdoppelt man den ISO-Wert (z.B. von 200 auf 400), so wird das Bild auch doppelt so hell. Heutzutage kann man bei digitalen Sensoren den ISO-Wert mit wenig Aufwand im Menü ändern.

In der analogen Fotografie hat hingegen jeder Film einen festen ISO-Wert. Möchte man also die Empfindlichkeit des Films ändern, muss dieser gewechselt werden. Das ist aufwendig, zeitraubend und einschränkend. Ein großer Vorteil digitaler Kameras.

Nebeneffekt: Bildrauschen

Der ISO ist aber keine Allzweckwaffe, die beliebig gebraucht werden kann. Je höher der ISO-Wert gestellt wird, desto mehr Bildrauschen wird später im Bild zu sehen sein. Teilweise kommen auch noch Farbfehler hinzu und der Kontrast nimmt ab. Warum? Obwohl die gleiche Lichtmenge auf den Sensor trifft, wird das Bild bei einem höheren ISO-Wert heller. Dafür muss der Sensor aus der vorhandenen Lichtmenge mehr Informationen ziehen, was zu eben solchen Bildfehlern führt.

Ab welchem ISO-Wert Bildfehler auftauchen, hängt von der Sensorgröße und -qualität ab. Moderne Vollformatsensoren wie in der Sony Alpha 7s II oder der Nikon D810 können hervorragende Bildqualität bis ISO 6.400 liefern. Um auf Nummer sicher zu gehen und zu wissen, wie weit man den ISO bei der eigenen Kamera ohne gravierende Bildverluste einstellen kann, sollte man mit der Kamera einige Testbilder mit unterschiedlichem ISO schießen. Danach hat man schnell ein Gefühl, was noch zumutbar ist.

Man sollte sich auf jeden Fall nicht von den durch die Hersteller angegebenen maximal möglichen ISO-Werten blenden lassen. Ein Wert von 102.400 liest sich toll, nutzt aber meist recht wenig. Um die maximale Bildqualität zu erhalten, sollte deswegen immer darauf geachtet werden, dass der ISO immer möglichst nah an 100 ist (einige (Video-)Kameras haben einen höheren nativen ISO-Wert; dieser sollte dann nach Möglichkeit immer erreicht werden).

Der ISO-Wert anhand von Beispielsituationen erklärt

Sportfotografie

Sportfotografie bedeutet von Haus aus kurze Verschlusszeiten und somit weniger Licht. Wenn dann noch eine dunkle Hallenbeleuchtung dazukommt, ist ein hoher ISO-Wert vorprogrammiert. Denn die vorgegebene kurze Verschlusszeit und die meist durch das Objektiv limitierte Blende lassen nur noch wenig Licht am Sensor ankommen. Ein erhöhter ISO-Wert ist dann die Folge – Werte überhalb von 1.600 sind keine Seltenheit.

Mein Tipp bei Sportfotografie ist, Verschlusszeit und Blende manuell vorzugeben und den ISO-Wert automatisch durch die Kamera anpassen zu lassen. Dabei kann schrittweise versucht werden die Verschlusszeit zu verlängern, um die maximale Belichtungszeit herauszufinden, die noch immer scharfe Aufnahmen ermöglicht und dennoch das Bildrauschen durch zu hohe ISO-Werte zu verringern.

Nachtfotografie

Nachts ist Licht Mangelware. Das macht die Nachtfotografie so schwierig. Objektive mit großer Blendenöffnung und langen Verschlusszeiten können da helfen. Doch wenn kein Stativ zur Hand ist oder sich das Objekt bewegt, kommt man um hohe ISO-Werte nicht herum. Hier hilft es entweder eine Kamera mit entsprechend gutem Bildsensor zu haben oder sich mit dem Bildrauschen als gestalterisches Element anzufreunden.

Gerade in der Schwarz-Weiß-Fotografie kann es ein durchaus stimmungsvoller Effekt sein. Bei der Astrofotografie sind hohe ISO-Werte auch nicht zu vermeiden. Um keine Sternspuren (denn bei Belichtungszeiten von mehreren Minuten wird man auf dem Bild sehen, dass sich unsere Erde bewegt) aufzunehmen, für die auch ISO 100 funktioniert, braucht es für scharfe Himmelsbilder oft hohe ISO-Werte.