Praxistipps Grundlagen der Fotografie - Die Blende

Von Julian Wenzel 

Eine Kamera zu verstehen und zu bedienen ist letztlich ganz einfach. Denn ein technisch gutes Bild hängt immer von nur drei Einstellungen ab: Blende, Verschlusszeit und ISO. In dieser Serie erkläre ich die drei Parameter und ihre Wirkung an Beispielen. Dieses Mal: die Blende.

Beim diesem Bild ist die Blende des Objektivs geschlossen; die Blendenlamellen sind eng zusammen und lassen nur wenig Licht durch. Foto: Florian Kontny 7 Bilder
Beim diesem Bild ist die Blende des Objektivs geschlossen; die Blendenlamellen sind eng zusammen und lassen nur wenig Licht durch. Foto: Florian Kontny

„Sonne lacht, Blende 8“. Wahrscheinlich einer der bekanntesten Merksprüche für Fotografen und Kameraleute. Doch was heißt das eigentlich, die Blende auf 8 stellen?

Die Blende ist ein mechanisches Teil, das in jedem Objektiv eingebaut ist. Es reguliert über Lamellen, wie viel Licht durch das Objektiv in die Kamera gelangt. Je weiter die Blende geöffnet ist, desto mehr Licht kann durch die Linse auf den Sensor bzw. Film kommen. Wird die Blende geschlossen, gelangt weniger Licht in die Kamera. Die Blende bestimmt also die Helligkeit eines Bildes.

Doch was bedeutet nun „Blende 8“? Wie weit die Blende geöffnet ist, wird mit einer Zahl angegeben. Je kleiner die Zahl ist, desto weiter ist die Blende geöffnet, desto mehr Licht kommt in die Kamera. Blende 1 steht dabei für eine komplett geöffnete Blende: Auf dem Sensor kommt also die gleiche Menge Licht an, wie vor dem Objektiv vorhanden ist. Üblich für die Angabe der Blende sind dabei die Schreibweisen f/4, 1:4 oder 1/4. Sie alle bedeuten, dass die Blende auf 4 gestellt ist. Aber ist das nun hell oder dunkel?

Bildquelle: KoeppiK - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Die sogenannte Blendenreihe gibt an, dass die durch das Objektiv fallende Lichtmenge sich von Blendenstufe zu Blendenstufe halbiert: 1.4 lässt nur noch die halbe Lichtmenge durch, 2 nur noch ein Viertel des Lichts usw. Deswegen lautet der Merkspruch auch „Sonne lacht, Blende 8“. Die Blende lässt beim Wert 8 nur noch ein Vierundsechzigstel des Lichts zur Kamera durch.

Die Blende regelt neben der Helligkeit auch die Tiefenschärfe

Die Blende hat aber noch eine zweite Auswirkung auf das Bild: sie regelt auch die Tiefenschärfe. Ist die Blende weit geöffnet, wird nur ein sehr kleiner Bereich (manchmal nur wenige Millimeter) scharf im Foto abgebildet. Diese Wirkung sorgt für den beliebten Effekt des verwaschenen Hintergrunds. Bokeh ist dabei der fotografische Fachbegriff, der die Qualität des Unschärfebereichs beschreibt. Ist die Blende geschlossen, wird der Schärfebereich größer. So kann gleichzeitig ein Objekt im Vordergrund wie auch im Hintergrund scharf abgebildet werden. Nebeneffekt ist, dass somit auch weniger Licht durch das Objektiv gelangt.

Bildquelle: cam-eleon.de

Einstellen lässt sich die Blende bei System- und Spiegelreflexkameras im Modus S bzw. Av oder M. Entweder ist dafür ein Bedienrädchen am Gehäuse vorgesehen oder ein Ring am Objektiv selbst. Wie weit sich die Blende bauartbedingt öffnen lässt, hängt vom Objektiv ab. Bei jedem Objektiv ist deshalb die maximale Blendenöffnung angegeben. Bei einem 24- 70mm f/4 Zoomobjektiv ist die maximal einstellbare Blende 4. Bei einem Sigma 50mm f/1.4 liegt die maximal einstellbare Blende bei 1,4. Dieses Objektiv ermöglicht also einen wesentlich kleineren Schärfebereich und lässt mehr Licht in die Kamera. Während Fotoobjektive die Blende übrigens nur in Schritten einstellen lassen, gibt es Videoobjektive, bei denen sich die Blende stufenlos regeln lässt.

Doch auf welchen Wert stellt man die Blende in verschiedenen Situationen ein? Die folgenden Beispiele werden Antworten geben.

Die Blende anhand von Beispielsituationen erklärt

1. Landschaftsaufnahmen

Bei Landschaftsaufnahmen sollen große Bereiche scharf aufgenommen werden. Sowohl der Berg als auch der Baum davor sollen im Fokus sein. Dafür ist es wichtig abzublenden. Werte zwischen 8 und 11 sind deswegen als Blendeneinstellung sinnvoll. Auch wenn viele Objektive eine Blende von 22 oder sogar 32 ermöglichen, sollte diese nur in Ausnahmefällen genutzt werden. Denn durch einen physikalischen Effekt – der sogenannten Beugungsunschärfe – werden Bilder mit hoher Blende verwaschener. Der Effekt wirkt sich zwar meist eher gering aus. Für optimale Bildqualität empfehle ich jedoch, auch bei Landschaftsaufnahmen nie über Blende 16 zu gehen.

2. Detail-/ Makroaufnahmen

Um Details vom Hintergrund abzuheben, empfiehlt es sich die Blende weit zu öffnen, um den Schärfebereich möglichst klein zu halten. Hierfür rate ich, wenn es das Objektiv zulässt, einen Wert zwischen 1,4 und 2 einzustellen. Je mehr Details des Objekts zusätzlich sichtbar werden sollen, desto mehr kann abgeblendet werden.

3. Portraits

Besonders bei nahen Portraits ist der am häufigsten gewünschte Effekt: „der Hintergrund muss verschwimmen“. Um das zu erreichen, sollte die Blende maximal geöffnet werden. Dadurch ergibt sich aber ein so schmales Schärfefeld, dass der Fokus sehr exakt gesetzt werden muss. Übrigens immer auf dem vordersten Auge, um den Blick des Betrachters ins Bild zu ziehen. Das erfordert ein bisschen Übung – oder einen Autofokus der Augen erkennt, wie bei der neuen Sony Alpha 9. Bei Gruppenportraits besteht hingegen die Schwierigkeit, dass mehrere Gesichter scharf gestellt werden müssen.

Meist stehen die Leute nicht exakt in einer Linie nebeneinander, vielleicht sogar bewusst hintereinander. Um dennoch alle Personen scharf zu fotografieren, muss die Blende geschlossen werden. Stehen die Personen nebeneinander reicht oft schon der Blendenwert 2, um alle scharf aufzunehmen. Wenn mehrere Personen hintereinanderstehen, muss weiter abgeblendet werden (zwischen 5,6 und 8). Mein Tipp: nie auf die vorderste oder hinterste Person fokussieren, sondern dazwischen. Dadurch erreicht man, dass alle Personen ausreichend scharf sind.

Ein Sonderfall sind Portraits, bei denen die Umgebung eine wichtige Rolle spielt. Hier kann die Blende oft noch weiter geschlossen werden, um auch Vorder- und Hintergrund des Portraitierten scharf im Bild zu zeigen.

4. Nachtaufnahmen

Wie ich zu Beginn erklärt habe, fällt mehr Licht durch das Objektiv, je weiter die Blende geöffnet ist. Besonders bei Nachtfotografie ist das oft wünschenswert. Nicht jedes Motiv erlaubt es aber auch wirklich mit Blende 1,4 zu arbeiten. Hier ist es wichtig für sich zu entscheiden, welche Tiefenschärfe gewünscht ist. Oftmals erzielt das Bild mit einer etwas geschlosseneren Blende eine bessere Wirkung.

Das Ergebnis ist zwar ein dunkleres Bild, aber vielleicht mit einer passenderen Wirkung. Schließlich lässt sich die Helligkeit zusätzlich mit den Parametern Verschlusszeit und ISO beeinflussen. Bei Nachtaufnahmen ist also ein Kompromiss zwischen notwendiger Tiefenschärfe und Helligkeit zu finden. Besonders bei unscharfen Lichtquellen macht sich auch die Qualität eines Objektives bemerkbar Je mehr Blendenlamellen verbaut wurden, desto runder erscheinen die Lichtquellen.

Tipp zum Schluss: Ein nettes Tool, zum Ausprobieren des Zusammenspiels aus Blende, Verschlusszeit und ISO, findet sich übrigens aus der Website cam-eleon.de. Dort können die Auswirkungen der Parameter interaktiv ausprobiert werden.