Filmakademie ausgezeichnet Studenten-Oscar geht nach Ludwigsburg

Szene aus „Tala’vision“: Die Kinderdarstellerin  Aesha Balasem als  Tala Foto: Filmakademie Baden-Württemberg 3 Bilder
Szene aus „Tala’vision“: Die Kinderdarstellerin Aesha Balasem als Tala Foto: Filmakademie Baden-Württemberg

Durch die Augen eines Mädchens betrachtet Murad Abu Eisheh den Syrienkrieg und das Wüten des IS in seinem Film „Tala’vision“, der nun aus Los Angeles einen Studenten-Oscar bekommen hat.

Kultur: Bernd Haasis (ha)
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Ludwigsburg/Stuttgart - Der halbstündige Spielfilm „Tala’vision“ von Murad Abu Eisheh von der Filmakademie Baden-Württemberg hat den Studenten-Oscar in Gold gewonnen in der Kategorie Narrative (International Film Schools). Die Preise werden alljährlich von der Academy of Motion Pictures, Arts and Sciences in Los Angeles unter Nachwuchsregisseuren aus aller Welt vergeben. Der Preis geht bereits zum siebten Mal nach Ludwigsburg; die Hochschule steht damit über die Jahre hinweg mit an der Spitze.

Der gebürtige Jordanier Murad Abu Eisheh, Jahrgang 1992, erzählt in „Tala’vision“ mit seiner Crew von einem Mädchen im von IS-Terroristen besetzten Teil Syriens, das vor dem Fernseher kein Fußballspiel verpasst – bis der IS Fernseher verbietet. Sie verkleidet sich als Junge und sucht Ersatz auf der Straße. Gedreht wurde der Film in Jordanien innerhalb von sechs Wochen mit syrischen Flüchtlingen als Schauspieler. Die Kamera bleibt konsequent auf Augenhöhe mit Tala, die Zuschauer erleben alles aus der Sicht des Kindes.

Die Crew arbeitet gemeinsam am nächsten Projekt

Eisheh wurde in Amman geboren. 2014 schloss er dort ein Bachelorstudium in Kommunikationsdesign an der German Jordanian University ab. 2017 nahm er sein Filmregie-Studium an der Filmakademie in Ludwigsburg auf. Der Ausgangspunkt für Eishehs Film „Tala“ war eine kleine Zeitungsmeldung aus dem Jahr 2014, der IS habe Muslimen die Fernsehnutzung verboten. „In meiner Kindheit war der Fernseher das Zentrum meiner Welt“, sagt er. „Welche destruktiven Ausmaße ein solch simpler Akt auf das Leben von tausenden von Kindern haben könnte, ließ mich über Jahre nicht mehr los.“ Der Siegerfilm ist noch bis zum 29. Oktober in der ARD Mediathek abzurufen.

Der Regisseur Joachim Lang, Professor an der Filmakademie, hat für die Studierenden SWR-Förderung aus dem Topf „Junges Programm“ organisiert und ist nun begeistert: .„An der Filmakademie bilden sich ja oft solche Crews, und es ist eine tolle Leistung, wie sie das beim Dreh in Jordanien hinbekommen haben“, sagt er. Das Team sei bereits am nächsten Projekt – über einen Ägypter, der eine Geschlechtsumwandlung durchläuft.




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