Denkendorfer Restaurant Farbig, aber nicht zu viel – Preis für Innenarchitektur
Farbig, aber nicht bunt, gemütlich, aber nicht behäbig – so kommt das Lokal „La Visione“ im Gewerbegebiet Denkendorf daher – und wurde dafür ausgezeichnet.
Farbig, aber nicht bunt, gemütlich, aber nicht behäbig – so kommt das Lokal „La Visione“ im Gewerbegebiet Denkendorf daher – und wurde dafür ausgezeichnet.
Warm und kühl, rau und weich – die Liste der Gegensatzpaare ließe sich noch vielfach verlängern. Schon beim Betreten des italienischen Restaurants „La Visione“ in Denkendorf wird klar: Hier beginnt etwas Neues. Man muss sich schon die Augen reiben und staunt, mitten im Gewerbegebiet neben Autohaus, Tankstelle und Tauchsportcenter auf solch exklusive Innenausstattung zu treffen.
Möglich gemacht hat dies die Firma Object Carpet, die das Lokal in ihrer Firmenzentrale im Gewerbegebiet Lichtäcker, das näher bei Ostfildern-Nellingen als bei Denkendorf liegt, angesiedelt hat. Dieser Mut zu Visionen, den das Büro Ippolito Fleitz Group Identity Architects Stuttgart erdacht und umgesetzt hat, ist nun belohnt worden mit dem Deutschen Innenarchitekturpreis 2023.
Wer sich dem Firmengelände von Object Carpet, genannt Object Campus-City of Visions, nähert, trifft am 2020 fertiggestellten Stammsitz beim Blick auf die Geschäftsräume auf eine großzügige und offene Formensprache. Seit 1972 beliefert das Unternehmen, das Showrooms in Hamburg, Frankfurt und Berlin unterhält, insbesondere Gewerbekunden wie Hotels und Firmenzentralen mit seinen Teppichböden und Teppichen weltweit. Das am Stammsitz integrierte Restaurant kommt dagegen mit vergleichsweise wenig Fläche für die 60 Sitzplätze aus, weitere 60 auf der Terrasse, und bietet sich als intimer Rückzugsort, als Mitarbeitertreff, Co-Working Space und als Bar an. Teppiche auf dem Boden und an den Wänden schlucken Schall, gedimmtes Licht lädt zum Rübergleiten in den Freizeitmodus ein, und die entspannten Klänge aus den Lautsprechern verstärken diesen angenehmen Effekt. Mit Blick auf Materialwahl, Licht- und Farbkonzept spricht der Stuttgarter Innenarchitekt und Projektdirektor Markus Schmidt von einem Patchwork, das „La Visione“ geprägt hat. „Für den Teppichhersteller Object Carpet verweben wir an diesem Ort viele Dinge: Teppiche und Textilien sind im Raum omnipräsent, sodass dieser als ‚Brand Exhibition“ funktioniert. Die begleitende Farb- und Materialwelt macht es aber auch zu einem echten ‚Italiener’. Und zu einer Weinbar. Und zum Mitarbeiterrestaurant.“
Für verschiedene Anlässe bietet das Lokal verschiedene kleinere Aufenthaltsbereiche an. Einer gemütlichen Loungegruppe am Fenster steht ein wuchtiger, hoher Tisch gegenüber, der von gepolsterten Barhockern umringt wird. Ähnlich wie über dem benachbarten Buffettresen schwebt auch hier eine stattliche Batterie an Trinkgläsern über dem Ensemble. Großblättrige Grünpflanzen kontrastieren die technischen Elemente der Einrichtung, und ihre organischen Formen schaffen spielerisch eine Verbindung zum wohnlich-behaglichen Look.
Die Lust am Farbenspiel zeigt sich mit maisgelben Wandfliesen und schilfgrünen Wänden, die mit den lachsrosafarbenen Deckenelementen und den etwas dunkler abgetönten Sitzgelegenheiten harmonieren. Und der freche Sixtieslook am Boden beweist, dass sogar ein schwarz-pink melierter Teppichboden eine Augenweide sein kann. Und immer wieder gliedern Trennwände aus Rauchglas den lang gezogenen Gastraum, dessen Atmosphäre sich je nach Intensität der Beleuchtung, die während des Tagesablaufs variiert, verändern kann. Das breite Fensterband zur Küche erlaubt Blickkontakt in den Produktionsbereich und zeigt damit eine Spielart des beliebten Frontcookings.
Wer Intimität sucht, ist in der kleinen Weinbar am Ende des Raumes richtig, wo die guten Tropfen hinter verdunkelten Scheiben auf Verkostung warten. Highlight ist neben der Teppichcollage eine überraschend komponierte und an der Decke befestigte Installation aus Lochblechen und Lichtbändern, die hier die Blicke auf sich zieht.