Vier Studenten der Stuttgarter Hochschule der Medien haben einen Film über Leben und Sterben im Degerlocher Hospiz St. Martin gedreht – und damit den Landesmedienpreis gewonnen.

Stuttgart - Uns hat das Thema gereizt – wir wussten nicht, was auf uns zukommt“, sagt Thomas Münzner. „Wir wussten nur, das Thema ist schwierig“, ergänzt Dang Quang Nguyen. Die beiden Studenten der Medienhochschule haben gemeinsam mit ihren Kommilitonen Stefan Häußler und Elisabeth Pirsch einen Film über das Hospiz Sankt Martin in Degerloch gedreht. Das Ergebnis der rund fünf Monate langen Arbeit ist ein 14-minütiges Video: „Leben bis zuletzt“. Es zeigt die Arbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen mit Sterbenden und Trauernden. Der Film wurde von der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg mit dem Landesmedienpreis ausgezeichnet.

 

Die größte Erleichterung sei jedoch das positive Feedback vom Hospiz gewesen, sagt Thomas Münzner. Denn dort habe man den Film zum ersten Mal präsentiert. „Wir sind sehr vorsichtig rangegangen, wir haben sofort gemerkt, wir sind in einem ganz sensiblen Bereich,“ berichtet Münzner über die ersten Drehvorbereitungen.

In ruhigen, eindringlichen Bildern dokumentieren die Studenten der Medienwirtschaft das Leben und Arbeiten rund um und mit den Sterbenden in dem architektonisch ansprechenden Neubau an der Degerlocher Jahnstraße. Sie zeigen den stillen, ganz eigenen Rhythmus in der Einrichtung, der sich stark abhebt von der Außenwelt an der stark befahrenen Straße. „Wir haben gemerkt, wie viel die Pfleger leisten“, sagt Münzner. Auch Ehrenamtliche und Trauernde kommen zu Wort. „Hospiz“, sagt eine Mitarbeiterin, als sie gerade ein Bett frisch bezieht, „ist nicht tieftraurig – es ist Leben, es ist Lachen, es ist eigentlich eine Lebensschule“.

Das Konzept für den Film hat das studentische Team mit dem betreuenden Professor Eckhard Wendling und der Hospiz-Gesamtleiterin Angelika Daiker erarbeitet – den roten Faden, die Schwerpunkte. „Auch ich hatte Schwellenangst“, räumt Wendling ein, „aber die Mitarbeiter nehmen einem die Angst“. Die Idee zum Thema sei durch seinen Kontakt zum Stadtdekan Christian Hermes entstanden, berichtet Wendling. Aber ihm war klar, dass so ein Thema keinem Studenten verordnet werden kann: „Das geht nur, wenn wir Leute finden, die das machen wollen.“

Die Kamera bleibt diskret

Das studentische Filmteam wollte. Und es machte dabei sehr viele neue Erfahrungen. „Man muss die Fragen so stellen, dass die Leute etwas erzählen, aber dass man ihnen auch nicht zu nahe tritt“, sagt Münzner. Die Kamera bleibt diskret. Dennoch gelingt es dem Filmteam, die emotionale Distanz zu überwinden. Behutsam nähert sich der Film auch einer Sterbenden. Zeigt, wie ihre Hände eingerieben werden. Und zeigt die alte Frau lachend, voller Leben. Dass auch an der Schwelle zum Tod Platz für Humor ist, überraschte die Studenten. Als die Frau fünf Tage nach dem Dreh starb, habe sie das in besonderer Weise berührt. „Die war noch so lebendig“, sagt Münzner.

Auch Geduld wurde den Studenten abverlangt. „Wir haben immer auf den richtigen Drehmoment gewartet“, sagt Nguyen. Klar, dass die Arbeit im Hospiz Vorrang hatte. „Aber es war auch ein Glück“, sagt Münzner rückblickend. „Man weiß ja nicht, was für O-Töne kommen.“

Über das Ergebnis der Dokumentation ist man auch im Hospiz „total zufrieden“, wie Angelika Daiker sagt. Das Filmteam habe sehr einfühlsam gearbeitet: „Das war für uns ein Geschenk“. Auch von der reichen und vielfältigen Arbeit im Hospiz habe es „atmosphärisch ganz viel eingefangen“. Aber die Hospizleiterin räumt auch ein: „Es war von vornherein klar, dass beide Seiten was davon haben“, sagt Angelika Daiker.

Hospiz ist froh über den Imagefilm

Die Studenten haben auch menschlich viel dazugelernt – „man denkt über den Tod ganz anders nach“, sagt Münzner. Und das Hospiz hat endlich einen vernünftigen Imagefilm. „Wir haben ihn auf unsere Startseite gestellt“, sagt Daiker. Für die Studenten war es Ehrensache, dass sie die Hälfte ihres Preisgeldes – insgesamt 1300 Euro - dem Hospiz gespendet haben.