Preis für Innenarchitektur Sindelfinger Restaurant gehört zu den schönsten im Land

Im Restaurant Wolfgangs dreht sich alles um Holz und grüne Farbe. Foto: Sandra Wolf Fotografie

Das Hotel Erikson ist für die Renovierung seines Lokals mit einem Preis für Innenarchitektur ausgezeichnet worden. Was ist besonders im Wolfgangs?

Böblingen: Leonie Schüler (lem)

Warum sucht man ein Restaurant auf? Nun, vor allem natürlich, um möglichst gut zu essen. Wenn dann aber noch das Ambiente schön oder sogar außergewöhnlich ist, schmeckt es gleich noch einmal so gut. Das Hotel Erikson kann sich seit Kurzem damit rühmen, zu den „50 schönsten Restaurants, Hotels und Bars 2025“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu gehören. In Sindelfingen gefiel der Fachjury, die einmal im Jahr Hotel- und Restauranträume mit besonderem Design prämiert, das neu gestaltete Speisezimmer Wolfgangs besonders gut.

 

Peter und Sabine Kramer, die das Hotel in Erikson in dritter Generation führen, urlaubten an Pfingsten selbst in einem Familienhotel im Allgäu, als sie von der Auszeichnung erfuhren. „Das war eine schöne Überraschung“, sagt Sabine Kramer. Sie und ihr Mann lieben das neu gestaltete Lokal sowieso über alles – dass auch Fachleute aus der Architekturbranche daran Gefallen finden, freut die beiden besonders.

Nicht mehr zeitgemäß

Das Hauptrestaurant des Hotels Erikson trägt den Namen Stüble und ist genau das: eine gemütliche, kleine Stube mit viel Holz und Schnitzereien. „Wie im Schwarzwald“, sagt Peter Kramer. Da dort aber nur sieben Tische Platz finden, wurde immer schon der Nebenraum, in dem morgens die Hotelgäste frühstücken, auch für das Restaurant genutzt. Zuletzt war jener Raum 2008 renoviert worden. Dessen Ambiente war aber aus heutiger Sicht nicht mehr zeitgemäß: Viele Braun-, Rot- und Terracotta-Töne machten ihn düster, außerdem wirkte er ohne Strukturelemente „wie eine Halle“, wie Sabine Kramer es beschreibt. Manche Gäste hätten sich nur ungern dort hingesetzt.

Peter und Sabine Kramer führen das Hotel Erikson in Sindelfingen. Foto: Sandra Wolf Fotografie

2023 beschloss das Hotelier-Ehepaar, diesen Raum, der bis dahin gar keinen eigenen Namen besessen hatte, zu renovieren. Weil während der Umbauzeit Peter Kramers Vater Wolfgang starb, nannten sie ihn ihm zu Ehren: Wolfgangs. „Es ist aber kein eigenständiges Restaurant, sondern gehört zum Stüble dazu“, betont Peter Kramer. Für die innenarchitektonische Gestaltung beauftragte er das Architekturbüro Buerohauser mit Sitz in Altensteig im Landkreis Calw. Die Innenarchitektin Natalie Ziesemer setzte um, was den Kramers vorschwebte.

„Angelehnt an das Stüble wollten wir viel Holz“, erklärt Peter Kramer, der sich als Jagdpächter in Darmsheim mit Natur und Wald sehr verbunden fühlt. Außerdem wollten sie den Raum stärker untergliedern sowie Stauraum für den Frühstücksservice schaffen. Wo früher vier blanke Säulen mitten im Raum standen, strukturieren nun abgerundete Bögen die Übergänge zwischen den verschiedenen Raumteilen. Sitzbänke schaffen Gemütlichkeit, Buffets die gewünschte Lagerfläche. Hölzerne Lamellenwände, die von einer Schreinerei aus dem Schwarzwald stammen, lockern den Raum auf und schaffen heimelige Ecken. „Das war uns wichtig, damit unsere Gäste nicht auf dem Präsentierteller, sondern etwas zurückgezogener sitzen können“, sagt Sabine Kramer.

So sah der Frühstücksraum vor der Renovierung aus. Foto: Hotel Erikson

Skandinavisches Flair in mintgrün

Besonders markant ist der mintgrüne Farbton der Säulen, der hinten im Raum immer dunkler wird bis hin zu einer tannengrün eingefassten Designtapete, die großflächige Blätter zeigt. Die Stühle sind teils holzfarben, teils dunkelgrün. Den Kramers gefällt das skandinavische Flair, das besonders der helle Mintton vermittelt. „Manche Gäste sagen: Das hätten wir in Paris oder New York erwartet, aber nicht in Sindelfingen“, sagt der Hotelier.

Hat es das Ehepaar viel Überwindung gekostet, den Raum so grundlegend umzugestalten? Peter Kramer schüttelt den Kopf. „Die Entscheidung ist uns nicht schwergefallen.“ Auch zwei Jahre nach Fertigstellung habe er sich noch nicht satt gesehen. „Mir gefällt’s immer noch extrem gut.“ Neben der schönen Optik sei der Raum auch für den Restaurantbetrieb sehr praktikabel, die Architektin habe alles gut durchdacht. Die Mitarbeiter hätten eine angenehme, moderne Arbeitsumgebung. Kurzum: Die investierten 350 000 Euro haben sich gelohnt.

Das merken die Kramers auch dann, wenn manche Gäste bei einer Reservierung nun explizit darum bitten, einen Tisch im Wolfgangs zu bekommen. Bei der geplanten Renovierung der Lobby im nächsten Jahr, sagt Sabine Kramer, könne es durchaus sein, dass das skandinavische Flair auch dort einzieht.

Der Preis und das Hotel

Auszeichnung
Der Callwey Verlag veröffentlicht jährlich ein Buch mit den „50 schönsten Restaurants, Hotels und Bars“, die von einer Fachjury ausgewählt werden. Der erste Preis ging 2025 an das Hotel Telegraphenamt in Berlin.

Hotel Erikson
Peter Kramers Großeltern hatten Mitte der 1950er-Jahre an der Hanns-Martin-Schleyer-Straße in Sindelfingen eine Gaststätte errichtet. Sie wurde 1989 abgerissen und an Ort und Stelle das Hotel Erikson erbaut, das 1991 in Betrieb ging. 1999 wurde es erweitert. Es gibt 93 Zimmer und sechs Veranstaltungsräume.

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