Preis für Waiblinger Autorin Kurzgeschichte in einfacher Sprache

Sie hat ein Faible fürs Schreiben: Dafür wurde Beate Fischer ausgezeichnet. Foto: Gottfried Stoppel

Beate Fischer, Projektleiterin des Büros für Leichte Sprache der Diakonie Stetten, erhält den Literaturpreis der Lebenshilfe Berlin. Ihr prämierter Text weist einige Besonderheiten auf.

Rems-Murr: Simone Käser (sk)

Verschiedene Stationen, mehrere Jobs, zahlreiche Fort- und Weiterbildungen und bloß kein Stillstand: Beate Fischer braucht Abwechslung in ihrem Leben. Und doch zieht sich bei alldem eine Komponente durch wie ein roter Faden – die Beschäftigung mit Texten und das Schreiben. „Handlungen ausdenken, die Fantasie schweifen lassen und mir Dinge von der Seele schreiben, dass ist so wichtig für mich. Ich habe quasi schon immer geschrieben, oft Kurzgeschichten.“

 

Nach drei Stunden war die Geschichte fertig

Für eine solche ist die 56-Jährige nun ausgezeichnet worden, und zwar mit dem Literaturpreis der Lebenshilfe Berlin. Diese veranstaltet jährlich den Wettbewerb „Die Kunst der Einfachheit“ für Texte in sogenannter einfacher Sprache. Beate Fischer erfuhr kurz vor dem Einsendeschluss davon und nahm kurz entschlossen teil. Mit Erfolg: Ihre Kurzgeschichte „Alles neu“, die die freiberufliche Lektorin in nur drei Stunden aufs Papier brachte, erzielte den dritten Preis. „Eigentlich habe ich bei dem Wettbewerb ganz privat mitgemacht, aber als ich dann in der Diakonie Stetten davon erzählt habe, fanden die das erwähnenswert, weil ich ja im Büro für Leichte Sprache arbeite“, sagt Beate Fischer und fügt hinzu, wie sehr sie sich über die Auszeichnung gefreut habe. „Das war einfach komplett unerwartet, und ich war total baff“, sagt die Frau aus Waiblingen-Beinstein – die genau wie ihr Mann und ihr Bruder schon mehrere Jahrzehnte lang bei der Diakonie Stetten beschäftigt ist.

In der Geschichte ist auch Erlebtes verarbeitet

Dass sie dort in der Verwaltung, aber auch schon in einer Wohngruppe gearbeitet hat, macht sich in der prämierten Kurzgeschichte, die mit 23 anderen zu einer Textsammlung zusammengefasst wurde, bemerkbar. „Ich erzähle nicht eine direkte Erfahrung, aber es lassen sich mehrere erlebte Episoden darin wieder finden“, sagt Beate Fischer.

Doch worum geht’s eigentlich? Das gewohnte Zuhause verlassen, neu anfangen, sich mehr zutrauen – das kann Angst machen und manchmal vielleicht auch Wut. Doch die Protagonistin Julia hat keine Wahl. Als das Wohnheim, in dem die junge Frau mit Behinderung wohnt, renoviert werden soll, wird ihr attestiert, dass sie fit genug sei, künftig in einer ambulant betreuten WG zu wohnen. „Stell dir vor: du könntest viel mehr selbst entscheiden, du könntest viel mehr machen, was du möchtest“, heißt es in der Geschichte. Aber eigentlich will Julia das gar nicht. Dann verliert sie auch noch ihren Job. Wie sie es schafft, trotzdem wieder positiv zu denken, erzählt Beate Fischer einfühlsam und so, dass keiner sofort merkt, dass sich der Text von „normaler“ Literatur unterscheidet. Einzig die kurzen Sätze könnten auffallen. „Das fällt mir leicht, ich neige nicht zu Schachtelsätzen“, sagt sie und erklärt, dass einfache Sprache komplizierter sein dürfe: Für sie gibt es im Gegensatz zur leichten Sprache nur Richtlinien.

Die 56-Jährige, die auch als Schreibpädagogin kreative Schreibwerkstätten anbietet, würde sich wünschen, dass es mehr Texte in einfacher Sprache gäbe. „Es gibt nur wenige Verlage. Einer übersetzt Klassiker, das ist toll. Davon profitieren nicht nur Behinderte, sondern auch Menschen mit wenig Sprachkenntnissen oder auch Demente.“

Der prämierte Text „Alles neu“ kann gelesen und gehört werden: https://bit.ly/3dtfbRZ

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