Preise für Strom und Gas EnBW-Manager rechnet mit teurer Energiewende ab
Der Finanzvorstand des drittgrößten deutschen Energiekonzerns EnBW sieht die Energiewende in Gefahr. Was der Konzern von der Politik jetzt fordert.
Der Finanzvorstand des drittgrößten deutschen Energiekonzerns EnBW sieht die Energiewende in Gefahr. Was der Konzern von der Politik jetzt fordert.
Der stellvertretende EnBW-Vorstandsvorsitzende und Finanzvorstand Thomas Kusterer fordert von der Bundesregierung, dringend die Weichen in der Energiepolitik zu stellen und schnell das Kraftwerkssicherheitsgesetz zu beschließen. „Wir brauchen dringend politische Entscheidungen“, sagte der Manager am Freitag bei der Vorstellung von Unternehmenszahlen in Stuttgart. Für den nachhaltigen Umbau des Energiesystems brauche es klare und verlässliche Rahmenbedingungen.
Seit Jahren warten Energiekonzerne auf Ausschreibungen für wasserstofffähige Gaskraftwerke, die künftig als Back-ups dann Strom liefern sollen, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. „Wir brauchen diese Kraftwerke mehr denn je“, mahnte Kusterer. Bis 2030 will die Bundesregierung laut Koalitionsvertrag den Bau von Gaskraftwerken mit einer Kapazität von 20 Gigawatt vorantreiben. Es besteht Handlungsbedarf: Bis 2038 sollen in Deutschland alle Kohlekraftwerke vom Netz gehen.
„Als EnBW befinden wir uns in einer Phase historisch hoher Investitionen“, erläuterte Kusterer. So habe der Konzern allein in den ersten sechs Monaten des Jahres mehr als drei Milliarden Euro investiert – 25 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2024. „Bis 2030 planen wir, bis zu 50 Milliarden Euro zu investieren“, sagte der Vorstand weiter.
Um das zu stemmen, fordert Kusterer einen Kurswechsel in der Energiewende. Die Ziele seien richtig, aber Deutschland habe die Versorgungssicherheit und die Bezahlbarkeit aus den Augen verloren: „Wir brauchen dringend mehr Kostenbewusstsein.“ Andernfalls bröckle die Akzeptanz in der Gesellschaft, die Energiewende als Ganzes sei gefährdet.
Kusterer verweist auf eine von der EnBW in Auftrag gegebene Studie des Thinktanks Aurora Energy Research, laut der der Umbau der Energieinfrastruktur bis zu 700 Milliarden Euro weniger kosten könnte, als die Bundesnetzagentur annimmt. Das liege unter anderem daran, dass der Stromverbrauch nicht so stark steige wie angenommen. Die Netze müssten ausgebaut werden, aber nicht so stark wie gedacht.
Den 5,5 Millionen Kundinnen und Kunden der EnBW kann der Finanzvorstand keine Hoffnung auf baldige Entlastungen beim Strom und Gas machen. Auf absehbare Zeit erwartet der EnBW-Manager wegen der hohen Netzausbau-Kosten eher steigende Preise. Dabei ächzen jetzt schon viele Verbraucher unter den Energiekosten.
Verena Blocher vom Vergleichsportal Verivox konstatiert: „Die Energiepreise sind nach wie vor deutlich höher als vor Beginn der Energiekrise und belasten viele Haushalte.“ Ihren Angaben zufolge liegt der durchschnittliche Gaspreis für Haushalte in Deutschland im August 2025 rund 78 Prozent höher als im August 2021. Der Strompreis ist demnach rund 15 Prozent höher.
In der Landeshauptstadt Stuttgart liegt das günstigste Neukundenangebot für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden (kWh) Strom aktuell bei rund 1201 Euro brutto – mit einjähriger Laufzeit und Preisgarantie (inklusive Grundpreis und Neukundenbonus). Das günstigste Angebot ohne Neukundenbonus liegt bei rund 1392 Euro.
Tiefer in die Tasche greifen muss der Beispielhaushalt bei der EnBW: Das günstigste Neukundenangebot liegt hier derzeit bei rund 1210 Euro – inklusive Neukundenbonus. „Dieser wird aber nur ausgezahlt, wenn der angegebene Stromzähler in den letzten sechs Monaten nicht von der EnBW beliefert wurde“, sagt die Verivox-Sprecherin. Ohne Neukundenbonus liege das günstigste EnBW-Angebot bei rund 1552 Euro. Die gleiche Menge Strom kostet im Strom-Grundversorgungstarif der EnBW rund 1842 Euro.
Und wie sieht es in Stuttgart aus beim Gas? Hier liegt das günstigste Neukundenangebot für ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20 000 kWh aktuell bei rund 1797 Euro brutto – inklusive Grundpreis und Neukundenbonus. Das günstigste Angebot ohne Neukundenbonus liegt bei rund 1929 Euro.
Auch hier ist die EnBW teurer: Das günstigste Neukundenangebot liegt derzeit bei rund 2174 Euro – inklusive Neukundenbonus. Ohne die Prämie liegt das günstigste Angebot bei rund 2394 Euro. Die gleiche Menge Gas kostet im Gas-Grundversorgungstarif der EnBW rund 2978 Euro.