Neben dem Drei-Zonen-Modell des Landratsamts sind auch Projekte der Gemeinden Urbach und Leutenbach ausgezeichnet worden Foto: Gottfried Stoppel, Landratsamt
Dialekt im Kindergarten, Musik für alle Kinder und ein Drei-Zonen-Modell: Drei Projekte aus dem Rems-Murr-Kreis sorgen landesweit für Aufmerksamkeit.
Der Rems-Murr-Kreis feiert sich – und das nicht ohne Grund. Gleich drei Projekte aus dem Kreis sind beim Staatsanzeiger Award 2026 prämiert worden. Wie das Landratsamt mitteilt, wurden die Gemeinden Leutenbach und Urbach sowie die Kreisverwaltung selbst im Alten Schloss in Stuttgart ausgezeichnet. In einem Wettbewerb mit 194 Einreichungen bundesweit ist das ein beachtlicher Erfolg.
Doch hinter der Erfolgsmeldung steckt mehr als nur kommunaler Stolz. Der Staatsanzeiger Award, seit 2021 vergeben, versteht sich als Bühne für eine Verwaltung im Wandel: weg vom Amtsstuben-Image, hin zu Bürgernähe, Digitalisierung und gesellschaftlicher Teilhabe.
„Schwäbisch im Kindergarten“ begeistert und gewinnt
In Leutenbach überzeugte ausgerechnet der Dialekt. Das Projekt „Schwäbisch im Kindergarten“ holte den ersten Platz in der Kategorie „Bürgermeister in Mission“. Bürgermeister Jürgen Kiesl wird deutlich: „Ich würde mich saumäßig freuen, wenn in vielen Kindergärten und Schulen im Land der Dialekt nach diesem Beispiel gefördert würde.“ Ein Satz, der zwischen Heimatpflege und Bildungsauftrag pendelt.
Mehrere Staatsanzeiger Awards für den Rems-Murr-Kreis: Vertreter von Landratsamt, Urbach und Leutenbach freuen sich. Foto: Landratsamt Rems-Murr
Ebenfalls aus Leutenbach: ein dritter Platz für kostenlose musikalische Bildung für alle Kinder – ein Ansatz, der soziale Teilhabe konkret macht. In Urbach wurde Jugendarbeit gewürdigt: „Politik am Lagerfeuer“ schaffte es ebenfalls aufs Treppchen.
Kreisverwaltung punktet mit innovativem Drei-Zonen-Konzept
Auch die Kreisverwaltung selbst mischt mit. Für ihr „Drei-Zonen-Konzept“ gab es einen dritten Platz in der Kategorie Digitalisierung und Innovation. Dahinter steckt ein Umbau der Verwaltung: weniger Standorte, flexiblere Arbeitsplätze, nachhaltigere Gebäude. Ein Projekt, das auf Fachkräftemangel, Klimaziele und klamme Kassen zugleich reagiert, wie das Landratsamt ausführt.
Landrat Richard Sigel spricht von „Bestätigung“ und „Motivation“. Solche Sätze gehören zum Standardrepertoire politischer Kommunikation. Doch sie verweisen auf ein reales Problem: Verwaltung muss heute mehr können als verwalten.
Kommunen im Wandel: Innovation und Beteiligung im Fokus
Der Staatsanzeiger Award ist dabei mehr als eine regionale Preisverleihung. Er spiegelt einen bundesweiten Trend: Kommunen sollen innovativ sein, experimentieren, Beteiligung ermöglichen. Kategorien wie Bürgerbeteiligung oder soziale Teilhabe zeigen, wohin die Reise gehen soll – zumindest auf dem Papier.
Ob Dialektförderung, Lagerfeuerpolitik oder neue Bürokonzepte tatsächlich strukturelle Probleme lösen, bleibt offen. Sicher ist: Der Wettbewerb setzt Anreize, gute Ideen sichtbar zu machen. Und er liefert Geschichten, die sich gut erzählen lassen – auch im Rems-Murr-Kreis.