Preise für zwei Schulen im Rems-Murr-Kreis Schüler beweisen: Ozonschicht über Backnang ist intakt

Die MINT-AG der Max-Eyth-Realschule aus Backnang wertet ihre Ergebnisse aus. Mit einem Wetterballon testeten die Schüler, ob die Ozonschicht über der Stadt intakt ist. Foto: Gottfried Stoppel

Eine AG der Backnanger Max-Eyth-Realschule und die Klasse 9b der Kolping-Realschule in Fellbach waren unter den Finalisten des Naturwissenschaftspreises “NANU?!“ des Landes-Kultusministeriums. Für ihre Projekte haben sich die Schülerinnen und Schüler richtig ins Zeug gelegt.

Volontäre: Isabell Erb (erb)

Es ist der 30. April, 8.03 Uhr. Der Sportplatz der Backnanger Max-Eyth-Realschule ist für die Uhrzeit ungewöhnlich voll. In der Mitte des Platzes stehen – zusammen mit ihrer Lehrerin Saskia Forster – sieben Schüler in Laborkitteln. Auf einer Zuschauerbank haben etwa 100 weitere Schüler Platz genommen. Sie schauen alle auf einen 15 Meter großen Wetterballon, der sich in der Mitte des Platzes langsam füllt und in die Höhe steigt.

 

An der Schnur des Ballons hängt eine selbst gebaute Sonde, an der unter anderem zwei Kameras, zwei sogenannte GPS-Tracker, mit denen man die Position bestimmen kann, und ein Fallschirm angebracht sind. Auch ein Holzgestell mit kleinen Reagenzgläsern ist dort befestigt, sie sind unter anderem mit Tomatensaft befüllt.

Der Ballon fliegt los

Die Lehrerin leitet einen Countdown ein: „10, 9, 8 ...“ Der Ballon fliegt los, und die Schüler jubeln. Ziemlich genau zwei Stunden später und in 36 613 Metern Höhe wird er sein Ziel erreichen: die Ozonschicht.

Der fliegende Ballon ist Teil eines Schulprojekts, für das die Backnanger Max-Eyth-Realschule den vierten Preis des Naturwissenschaftswettbewerbs NANU?! gewonnen hat. Das Landesministerium für Kultus, Jugend und Sport zeichnete hierfür kürzlich zehn Projekte von Realschulen aus, die naturwissenschaftlichen Fragestellungen nachgehen. 40 Realschulen aus dem ganzen Land hatten sich für den Preis beworben.

Im Projekt der Max-Eyth-Realschule ging es etwa darum, ob die Ozonschicht über Backnang noch intakt ist. Umgesetzt hat die MINT-AG das Projekt unter der Leitung der Chemie-, Technik- und Biologie-Lehrerin Saskia Forster. Die Abkürzung MINT steht für „Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik“. Die 27-Jährige hat die Arbeitsgemeinschaft zu Beginn des Schuljahres übernommen und das Projekt gemeinsam mit den sieben Teilnehmerinnen und Teilnehmern vorbereitet.

Aufgebaut ist das Projekt wie ein wissenschaftliches Experiment: Die Schüler recherchieren, was Ozon ist und wie es sich nachweisen lässt. Sie besorgen den Ballon, basteln die Styroporsonde und bereiten die Experimente vor, zu denen auch der Tomaten- und der Karottensaft gehört. Sie drucken eine kleine Büste des Schulnamensgebers Max Eyth mit einem 3-D-Drucker, den sie an das Holzgestell anbringen. Damit der Wetterballon überhaupt starten darf, müssen sie bei der Flugbehörde eine Genehmigung beantragen. Insgesamt kostet das Projekt rund 2000 Euro. Etwa die Hälfte davon entfällt auf die 4100 Liter Helium, mit dem die AG den Ballon zum Steigen bringt.

Finanziell unterstützt wird das Projekt von den Unternehmen Greenox und Klumpp aus der Region. „Ohne die Sponsoren hätten wir das Projekt nicht umsetzen können“, erzählt Forster. Die Aufregung vor dem Start des Ballons ist dementsprechend groß gewesen. „Wir hatten genau diesen einen Versuch“, berichtet die Lehrerin.

Die Schüler waren aufgeregt

Auch die Schüler waren aufgeregt. „Wir waren an dem Tag schon um 6 Uhr da, sogar vor dem Schulleiter“, erzählt Niklas stolz. „Ich habe ständig die Wettervorhersage kontrolliert, weil ich unbedingt wollte, dass es funktioniert“, fügt Giulia hinzu. Aber alles klappt reibungslos. Nachdem der Ballon in der Stratosphäre wie geplant geplatzt war, landete er in einem Straßengraben. „Wir haben sofort geschaut, ob unsere Experimente noch leben“, erzählt Giulia. Und tatsächlich: Die Reagenzgläser waren noch heil. Der Tomatensaft hatte sich entfärbt. Die Ozonschicht über Backnang ist also intakt.

Was hat den Schülern am besten gefallen? „Das Tollste war, die Bilder aus der Stratosphäre zu sehen“, erzählt die 15-jährige Elisa. „Also mir hat das ganze Projekt Spaß gemacht“, sagt Giulia. „Wir haben sehr viel gelernt, vor allem, wie man sich richtig organisiert und im Team arbeitet.“

Neben der Max-Eyth-Realschule wurde auch die Kolping-Realschule aus Fellbach mit dem NANU?!-Preis ausgezeichnet – ebenfalls mit dem vierten Platz. Die Schülerinnen und Schüler der 9b haben in ihrem Chemieunterricht aus Frittieröl Biodiesel hergestellt. „Wir haben das Öl dafür mit einem Katalysator filtriert und geschaut, welche chemischen Stoffe man braucht, damit daraus Diesel wird“, erklärt Lucas Hofmeister. „Das hat nicht auf Anhieb geklappt, wir mussten es mit verschiedenen Stoffen probieren“, erzählt der 15-Jährige. Am Ende habe es aber super geklappt, der Biodiesel habe sich wie gewünscht entzündet.

Solche Projekt sind im Unterricht selten

„Das Ziel des Projekts war, das Bewusstsein der Schüler für das Thema Nachhaltigkeit zu schärfen“, erzählt die Rektorin Anette Bantel, die die erkrankte Chemielehrerin vertritt. Das Schöne sei gewesen, dass die Lehrerin selbst nicht gewusst habe, ob das Experiment funktioniere. Solche Projekte seien im Unterricht selten, weil der Ausgang bei Experimenten aus Lehrbüchern natürlich schon im Voraus klar sei. Lucas schließt sich dem an: „Mir hat gefallen, dass es so unterschiedliche Wege gibt, Dinge umzusetzen. Es macht Spaß, sich zu überlegen, wie man das Problem lösen kann.“

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