Preiserhöhungen in Böblingen Ein Freibad ist mehr als ein Schwimmbad

Das Freibad ist ein Treffpunkt, gerade für junge Menschen. Foto: Stefanie Schlecht

Wenn Jugendliche für den Eintritt ins Freibad prozentual am meisten belastet werden und dies beklagen, haben sie einen Punkt. Ihr Einwand ist wichtig, findet unser Redakteur.

Böblingen: Martin Dudenhöffer (dud)

Kaum ein Ort ist so stark mit Sommergefühlen verknüpft wie das Freibad. Voller Nostalgie erinnern wir uns sicher alle, wie es sich angefühlt hat, bei heißen Temperaturen ins hellblau-schimmernde kühle Nass zu springen und am Kiosk Pommes zu essen. Das alles ist auch im Böblinger Freibad erlebbar. Nur müssen die Besucher dafür ab Mai etwas tiefer in die Tasche greifen. Der Gemeinderat hat am Mittwoch entschieden, die Tarife mit Start der Freibadsaison im Mai zu erhöhen. Weitere Steigerungen folgen.

 

Bei Mitgliedern des Jugendgemeinderats hat dieser Beschluss für Unmut gesorgt. Denn sie werden als Teil der Ermäßigten bis 2030 prozentual am meisten zur Kasse gebeten. Entsprechend groß war der Frust bei der Altersgruppe, die sich von der Politik ohnehin zu wenig beachtet sieht. Die Warnung, dass höhere Preise einige von den Freizeitangeboten ausschließen könnten, ist nachvollziehbar. Sie ist auch wichtig. Wenn eine Gruppe belastet wird, die aufgrund der fehlenden Lobby ohnehin einen schweren Stand, sollte diese laut werden. Das haben die Jugendlichen getan.

In ihrer Rolle als jugendliches, soziales Korrektiv erinnern sie Politik daran, dass die Stadtbevölkerung nicht nur aus Gutverdienern, sondern auch aus Menschen bestehen, für die Teilhabe an gesellschaftlichen Aktivitäten auch von 50 Cent pro Schwimmbadbesuch abhängen kann. In der Diskussion zu berücksichtigen ist aber auch, dass es bereits städtische Programme gibt, die Menschen mit geringem Einkommen oder jene, die von Transferleistungen leben, finanziell entgegenkommen.

Vierbeiner haben es in Böblingen gut: Sie zahlen am Saisonende keinen Eintritt. Foto: Stefanie Schlecht

Diese Emotionen dürfen allerdings auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Euros auch bei der öffentlichen Hand längst nicht mehr so locker sitzen. Die Städte haben aktuell wenig finanziellen Spielraum. Weder Böblingen, noch Sindelfingen. Trotzdem hat sich die Daimlerstadt diese Woche mit seinem Schwimmbad und dem lieben Geld befasst. Nach jahrelangem Hin- und Her steht nach vergleichsweise sehr kurzer Beratung fest: Das Sindelfinger Badezentrum – für viele wegen der Holzdachkonstruktion ein architektonisches Schmuckstück – wird abgerissen und neu gebaut. Die Kosten: Rund 90 Millionen Euro. Und bei diesem Betrag wird es angesichts der üblichen Kostensteigerungen im Bauwesen sicher nicht bleiben.

Wenn OB Markus Kleemann sagt: „Jedes dritte kommunale Bad bundesweit ist von der Schließung bedroht. Wir jedoch wollen trotz der sehr angespannten finanziellen Lage ein Hallenbad bieten. Das ist nicht selbstverständlich“, zeigt es, den Verantwortlichen ist es ernst, für Bäder Geld auszugeben. Wenn dadurch Kinder schwimmen lernen, Sportler ihre Bahnen ziehen und Jugendliche Badespaß erleben können, ist es der Stadt diesen schwindelerregenden Betrag wert. Deshalb sollten wir alle es zu schätzen wissen, wenn Kommunen Verluste abfangen oder große Geldbeträge in die städtischen Bäder investieren.

Die kommenden Haushaltsjahre werden keine leichten sein: Wo einer profitiert, muss der andere verzichten. Ob ein teures Schwimmbad oder bezahlbare Eintrittspreise für alle – letztlich sind Investitionen künftig nur möglich, wenn Kommunen finanziell besser ausgestattet sind. Um das zu erreichen, hilft es wohl nur, den Druck auf politische Entscheidungsträger ganz oben zu erhöhen. Und wir Bürgerinnen und Bürger sollten vor der Wahl zu prüfen, wer wen finanziell belastet und wer wen schont. Die Böblinger Jugendlichen erinnern uns aber, dass Sparmaßnahmen nicht ohne soziale Folgen bleiben. Im Falle des Schwimmbads geht es für junge Menschen nicht nur um einen Ort zum Schwimmen, sondern um Begegnungen und ein Stück ihrer Jugend.

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