Preisgekrönte Idee lässt Raum für Fantasie

Von "Strohgäu Extra" 

Ditzingen Mit ihrer Firma "Kinderzimmerei" haben Innenarchitektinnen den Existenzgründerpreis erhalten. Von Franziska Kleiner

Ditzingen Mit ihrer Firma "Kinderzimmerei" haben Innenarchitektinnen den Existenzgründerpreis erhalten. Von Franziska Kleiner

Ein Kinderzimmer aus dem Katalog bestellen - das ist nicht jedermanns Sache. Meist soll das Zimmer individuellen Ansprüchen genügen, soll zu den Eltern passen und doch auch das Kind in seiner Fantasie und Kreativität fördern. Aber sollen Eltern teuer ein Zimmer einrichten, aus dem das Kind schon in wenigen Monaten wieder herausgewachsen ist? Und welche Farbe sollen die Wände haben? Beruhigende Warmtöne oder doch lieber nüchterne, kühle Farben? In dieser Situation wissen Katharina Holzer und Eva Friedrich Rat. Die Innenarchitektinnen haben sich nach dem Diplom 2008 mit einem kleinen Unternehmen namens "kinderzimmerei" selbstständig gemacht. Vor wenigen Wochen haben sie den mit 5000 Euro dotierten Preis. "Die beste Geschäftsidee im Ländle" gewonnen. Gestiftet wird der Preis von Swabian Network und der Verkaufshilfe Unternehmensgruppe.

Für die Absolventen der Stuttgarter Hochschule für Technik war wichtig, dass sie mit dem Preis unter anderem Gespräche mit Werbestrategen gewonnen haben, um ihre Geschäftsidee vermarkten zu können. Die ersten Kunden machten sie allein auf sich aufmerksam: Die Ditzingerin Katharina Holzer hatte den Firmenschriftzug auf ihr Auto gebannt. Die Leistungen der Kinderzimmerei werden in bezahlbaren Angebotsmodulen angeboten. Schließlich haben sich die beiden vorgenommen, mit den Klischees aufzuräumen, mit denen Innenarchitekten immer noch zu kämpfen hätten: "Innenarchitekten sind teuer und ein Normalsterblicher traut sich nicht ran, weil er keine goldene Decke haben will", formuliert es die 27-jährige Holzer.

Das Klischee, Innenarchitekten geben teuer etwas vor, was der Bewohner später nicht haben wolle, stimme nicht. Um die Wünsche ihrer Kunden zu erfahren, haben die 27-Jährige und ihre ein Jahr ältere Geschäftspartnerin einen Fragebogen entworfen. In diesem werden Farbvorstellungen ebenso abgefragt wie der Einrichtungsstil und der Grundriss des Kinderzimmers. Wenn es die Eltern nicht wünschen, ist deshalb kein Vor-Ort-Termin notwendig. Die beiden wollen jeden Eindruck vermeiden, sich oder ihre Ideen aufzwingen zu wollen.

Bisher haben die beiden Studienkollegen vor allem Kinderzimmer von Privatkunden eingerichtet; allerdings könnten sie sich auch vorstellen, Kindergärten einzurichten. Doch damit nicht genug: "Viele Banken oder Autohäuser haben eine Kinderecke. Und wenn sich das Kind wohlfühlt, kommen auch die Eltern gern", überlegt Friedrich. Deshalb haben die beiden auch ein Spielzeug kreiert, das die Kinder nutzen können, gleichzeitig aber von den Unternehmen etwa mit Spielgeld oder mit Autoteilen ausgestaltet werden kann. An der Gestaltung mit Accessoires ist den beiden Innenarchitektinnen ohnehin gelegen, lassen sich diese doch eher den Modeerscheinungen anpassen wie das Möbelstück oder die Tapete. Ein Bett soll sowohl ein Schiff als auch ein Fliegender Teppich sein dürfen: "Kinder wollen keine Bühne, die fix und fertig ist. Sie brauchen einen Raum, der Raum bietet", sagt Friedrich.

"Der Raum ist der dritte Erzieher", fügt Holzer an. Die Erwachsenen, haben sie erkannt, seien häufig verunsichert und deshalb bisweilen unkreativ - manchmal bedürfe es da jedoch nur einiger Gestaltungsbeispiele als Denkanstoß: "Bilder erzeugen neue Bilder", wissen die Innenarchitekten.

Weiteres unter www.kinderzimmerei.de