Preispolitik der Brauereien im Kreis Die Halbe für 7,50 Euro? Nicht in Göppingen

Hans-Dieter (links) und Christoph Hilsenbeck setzen in ihrer Lammbrauerei in Gruibingen auf Photovoltaik und eine neue Anlage zur Rückgewinnung von Kohlensäure. Foto: /Staufenpress

Brauereien im Kreis Göppingen kämpfen mit Einkaufspreisen und Energiekosten. Aber dass der halbe Liter Bier am Jahresende 7,50 Euro kosten wird, wie Branchenvertreter jüngst warnten, halten sie für übertrieben.

Funktionäre des Deutschen Brauer-Bunds warnen, dass eine Halbe Bier am Ende des Jahres in der Gastronomie 7,50 Euro kosten könnte. Nur so könnten Brauereien und Gastronomen ihre Mehrkosten auffangen. In einen solchen Alarmismus verfallen die Chefs der beiden großen Brauereien im Landkreis Göppingen nicht: „Das kann ich natürlich nicht bestätigen“, sagt Christoph Kumpf, der Geschäftsführer der Geislinger Kaiserbrauerei. „Das wäre ja uferlos.“ Ins gleiche Horn stößt Hans-Dieter Hilsenbeck von der Gruibinger Lammbrauerei: „Das kann ich mir jetzt so nicht vorstellen.“

 

Hilsenbeck schränkt jedoch ein: „Im High-End- und Diskobereich kann das aber sein.“ Unvermeidlich sei auch, dass die Bierpreise sich – wie alle Lebensmittelpreise – noch oben entwickeln werden: „Dass das Bier teurer wird, ist klar.“ Die Lammbrauerei habe die Preise bereits zum 1. Dezember erhöht, eine weitere Erhöhung sei in absehbarer Zeit aber nicht geplant.

Kaiserbrauerei orientiert sich an der Inflation

Die steht bei der Kaiserbrauerei demnächst an: „Unsere Preise werden im Februar nach oben gehen, in dem Rahmen, den die Inflation notwendig macht, also zwischen sieben und zehn Prozent“, kündigt Kumpf an. Er und auch Hilsenbeck berichten von teils drastischen Anstiegen der Rohstoffe: Gerste und Gerstenmalz seien um 30 bis 40 Prozent teurer geworden, was laut Kumpf aber nichts mit dem Ukrainekrieg zu tun hat. Er habe seine Gerste schon davor bestellt. „Das hängt auch mit der Preisexplosion bei den Düngemitteln zusammen.“

Hilsenbeck rechnet an einem Beispiel vor, wie sich das niederschlägt: Der Rohstoff Malz habe sich um 16 Euro pro Hektoliter verteuert, „ein Plus von 1,60 Euro pro Kiste Bier nur für Malz“. Er macht eine weitere Rechnung auf: Bevor 2002 der Euro eingeführt wurde, habe eine Kiste seines Brunnenbiers 22,50 Mark gekostet, also elf Euro. Für eine Halbe in der Wirtschaft seien damals 2,50 Mark fällig gewesen, also 1,25 Euro. „Heute sind 3,50 bis 4 Euro für ein Bier normal“, sagt er. Im Gegensatz dazu habe sich der Preis für eine Kiste Bier im Handel aber nicht einmal verdoppelt.

Auch Kohlensäure und Natronlauge haben sich verteuert

Doch nicht nur Rohstoffe und Energie sind teurer geworden. Christoph Kumpf zählt andere Dinge auf, die sich ebenfalls verteuert hätten. So zahle er für neue Flaschen mittlerweile den doppelten Preis. Kronkorken seien um 30 Prozent teurer geworden, Flaschenetiketten um 20 bis 30 Prozent. Extrem sei der Anstieg bei der Natronlauge, die Kumpf zum Reinigen der Tanks braucht. Hier schlägt ein Plus von 50 Prozent zu Buche, und das zwischenzeitlich knappe Gut Kohlensäure ist zwar wieder verfügbar, aber mit einem Preisaufschlag von 30 Prozent. „Wir haben das aber nicht alles weitergegeben“, sagt Kumpf. Und er wolle das auch künftig nicht tun. „Das wollen und können wir unseren Kunden nicht zumuten.“ Für den Gruibinger Hilsenbeck ist klar: „Wir müssen uns den Gegebenheiten ein Stück weit anpassen, Energie ist ein großes Thema.“ Seine Brauerei hat bereits damit begonnen, gegenzusteuern. So wurde in eine Photovoltaik-Anlage investiert: „Wir machen unseren Strom schon zu 50 Prozent selbst.“ Zudem hat die Lammbrauerei eine eigene Anlage zur Kohlensäure-Rückgewinnung gebaut, die demnächst in Betrieb gehen kann. „Wir wollen einfach Stück für Stück autark werden“, beschreibt Hilsenbeck seinen Weg, an dessen Ende er allerdings noch lange nicht angekommen ist: „Wir wollen nicht nur klimaneutral, sondern klimapositiv werden.“

Und wie viel wird dann ein halber Liter Bier in der Kneipe demnächst kosten? Da sind sich die Brauer weitgehend einig. Irgendwo zwischen 4 und 4,50 Euro, meint Hilsenbeck, und auch Kumpf sagt: „Ich denke nicht, dass er über 4,50 Euro steigt.“

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