Florian Henning Setzen ist beim Landespreis für Heimatforschung geehrt worden. Er hat sich den Grafen von Rechberg gewidmet. Aber der 51-Jährige sitzt nicht nur im stillen Kämmerlein.

Rems-Murr: Simone Käser (sk)

Genau genommen ist ein Grundschulfreund daran schuld, dass Florian Henning Setzen nicht genug kriegen kann von historischem Wissen aller Art. In Kindertagen erzählte ihm besagter Freund von einer Ruine in der Region Schwäbisch Gmünd/Waldstetten im Ostalbkreis, in der Florian Henning Setzen aufgewachsen ist. Es ging um die Kaiserberge Hohenstaufen, Rechberg und Stuifen. Eine markante Dreiergruppe, deren Bezeichnung Kaiserberge daher rührt, dass der Hohenstaufen die Stammburg des Königs- und Kaisergeschlechts der Staufer trug.

Die Überreste der Burg auf dem Rechberg sind noch zu sehen

Die Überreste der Burg sind noch zu sehen. Und auch auf dem Rechberg zeugt eine Burgruine davon, wie die Herren von Rechberg einst mit direktem Blick zum Hohenstaufen gelebt haben. „Da ist auf jedem Hügel etwas Historisches zu finden. Mein Freund aus der Grundschule erzählte mir damals davon, dass es auf den Bergen eine Ruine geben würde, in der es Gold und Zauberkräfte gibt. Ich habe ihm nicht geglaubt, bis ich eine Karte gefunden habe, in der die Ruine tatsächlich eingezeichnet war. Ab da war mein Forschergeist für alle Zeiten geweckt“, erzählt Florian Henning Setzen.

Florian Henning Setzen beschäftigt sich gerne mit Historischem

Eben dieser „unbändige Forschergeist“, wie ihn der 51-Jährige selbst nennt, und die Ruine der Herren von Rechberg haben Florian Henning Setzen nun den zweiten Platz beim Landespreis für Heimatforschung eingebracht. Der Fellbacher hat dafür das Stammbüchlein der Grafen und Herren von Rechberg – ein im Privatbesitz der Familie der Grafen von Rechberg befindliches, bislang unveröffentlichtes Werk – transkribiert, kommentiert und in den historischen Zusammenhang gestellt. „Andere gehen Fische angeln. Ich dagegen angle lieber geschichtliche Infos und Tatsachen für die Heimatforschung. Von den Grafen von Rechberg gab es bislang kaum etwas. Das wollte ich ändern und meine Arbeit digital für alle zugänglich machen“, erklärt Florian Henning Setzen.

Das Stadtarchiv in Gmünd hat die Publikation der Fleißarbeit organisiert und finanziert. „Die aktuelle Leiterin des Kreisarchivs Valeska Martin war während der Phase, als die Publikation aus dem Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd heraus organisiert wurde, eine treibende Kraft bei der Projektumsetzung. Ich habe ihr viel zu verdanken“, sagt Florian Henning Setzen, der im Broterwerb Dozent an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg ist. Die geschichtliche Forschung betreibt er quasi in seiner Freizeit und nicht beruflich, das war auch ein Kriterium dafür, beim Landespreis für Heimatforschung teilnehmen zu können. Davor war der Familienvater, der seit 15 Jahren in Fellbach wohnt, lange in Reutlingen tätig. „In Fellbach fühlen wir uns sehr wohl. Und auch wenn es vielleicht anders klingt, ich sitze nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern wir gehen auch raus, treiben Sport oder gehen zum Fellbacher Herbst.“

Schon den Jugendförderpreis erhalten

Aber wenn Zeit übrig ist, dann beugt sich der frisch gekürte Preisträger dann doch gerne wieder über ein altes Dokument, dem er neue Erkenntnisse entlocken kann. Bereits in den 1990er Jahren hat er einen Jugendförderpreis erhalten. „Das begeistert mich einfach, Dinge aus alten Zeiten aufzudecken und in Form von Ruinen sogar anfassen zu können. Es ist sehr vielfältig, und es gibt immer ganz unterschiedliche Zugänge. Man muss vernetzt sein und lernt viel über Menschen“, sagt der 51-Jährige, der sich – man glaubt es kaum – neben stressigem Alltag und aufwendigem Forscherhobby nun auch noch zur Promotion angemeldet hat.

Auf die Idee zu seiner Arbeit zu den Grafen und Herren von Rechberg hat ihn die Tatsache gebracht, dass es dazu keine Quellen, also viel zu wenig Infos gab. Von der Stauferzeit bis zum Ende des Alten Reichs hatte die Familie von Rechberg vielfältige Herrschaften, Burgen und Rechte im süddeutschen Sprachraum inne. Diese wurden 1643 vom rechbergischen Vogt der Herrschaft Waldstetten, dem Gmünder Bürger Johann Frey, in der ältesten bekannten Hauschronik der Rechberger beschrieben. „Und die ist wie damals üblich verfasst. Es geht um Ruhm und Ehre, da werden auch mal Sachen erfunden. Dieses bislang unveröffentlichte Büchlein habe ich transkribiert und im Vorwort eine Quellenkritik geschrieben“, sagt Setzen.

Die Publikation von Florian Henning Setzen ist kostenlos als Online-Publikation zugänglich unter https://phsg.bsz-bw.de/frontdoor/index/index/docId/136