Eine Liebesgeschichte erzählt von Kraft und Leidenschaft der Musik: Andreas Kloos inszeniert das Musical „Once“ an der Esslinger Landesbühne. Das Ensemble ist seine eigene Band.

Die Story erinnert ein bisschen an den Erfolgsfilm „La La Land“. Aber sie ist nicht abgekupfert, höchstens umgekehrt, denn „Once“ von John Carney kam bereits 2007 in die Kinos, neun Jahre früher. 2012 folgte Enda Walshs Musical-Bearbeitung, die Andreas Kloos jetzt an der Esslinger Landesbühne inszeniert. Am Freitag ist Premiere.

 

Ach so, die Story. Vielleicht sollte man vorher fragen, was „once“ eigentlich bedeutet. Klar, einmal. Aber auch einst. Beides trifft auf „Once“ irgendwie zu. Aber der Regisseur versteht das Wort in erster Linie im Sinne von „auf einmal“ oder „plötzlich“. Plötzlich passiert etwas im Leben dieses verdammt guten Straßenmusikers, der mitten in Dublin Irish Folk spielt – und kein Mensch hört zu. Trotz der tollen Musik. Doch plötzlich – hört jemand zu. Eine junge Frau, sympathisch, sehr musikalisch und nicht von hier. Sondern aus Tschechien. Eine Pianistin mit einem kaputten Staubsauger. Was für die Story sehr wichtig ist, denn der Dubliner Straßenbarde hält sich über Wasser mit Jobs bei seinem Vater, der einen Elektroladen hat.

Als die beiden das erste Mal miteinander musizieren, bricht wieder die Plötzlichkeit herein: ein magischer Moment, der sie mit einem Schlag eine große Verbundenheit in der Musik fühlen lässt, obwohl sie sich kaum kennen. Natürlich bleibt es nicht bei Träumen vom großen Durchbruch und gemeinsamer Karriere. Aber – „once“ bedeutet nun mal auch „einst“. Die Vergangenheit schlägt zurück. Er hat alle seine Lieder für seine Ex geschrieben. Sie hat eine zweijährige Tochter und einen Ehemann in Tschechien. In beiden Beziehungen ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Der Raum für die neue Liebe wird eng. „Es ist keine typische Boy-meets-Girl-Geschichte“, sagt Kloos, „denn es gibt kein typisches Happy End.“ Anders als im wirklichen Leben: Hauptdarstellerin und Hauptdarsteller des Films wurden privat ein Paar.

Irish Folk ist der Sound zu „Once“

Für die Produktionsdramaturgin Melina Hüttner steht das bittersüße offene Ende des Stücks trotz allem für „große Hoffnung, große Sehnsucht“. Und die drücken sich aus „in der Kraft der Musik“, sagt Kloos. „Sie ist das, worum es in dieser Liebesgeschichte wirklich geht.“ Jede Liebe, so auch seine persönliche Erfahrung, hat ihren eigenen Sound. Das Musical „Once“ hat seinen besonders eigenen Sound, nämlich Irish Folk mit ein paar Einsprengseln tschechischer Folklore. Nicht nur das unterscheide das Stück „von einem Musical, wie man es erwartet“, sagt Kloos. Auch mit opulenter Bühnenausstattung habe „Once“ nichts zu schaffen. Bereits der Film sei, in Anlehnung an die Dogma-Ästhetik, mit betont kargen und einfachen Mitteln gedreht. Dieser Stil lasse sich auf dem Theater zwar nicht nachbilden, die Inszenierung sei aber vom Schauspiel her entwickelt, sagt der Regisseur, nicht von der Show.

Esther Bätschmanns Bühnenbild zeigt denn auch, den Figuren der Handlung entsprechend, eine „Kein-Geld-haben-Welt“: nicht als „konkreten Ort“, so der Regisseur, sondern als „Reflexionsraum“, der von den Schauspielerinnen und Schauspielern erst als Ort definiert wird. Der zentrale Schau- und (Hör-)platz aber ist die Musik. Deshalb ist das Ensemble seine eigene Band. Jede Darstellerin, jeder Darsteller singt und spielt – eine Rolle und ein Instrument. „So etwas geht nur in Esslingen“, lobt Kloos die Musikalität der Truppe. Und damit auch wirklich jede künstlerische Arbeitsteilung aufgehoben ist, bekommen die beiden musikalischen Gäste – ein Schlagzeuger und eine Geigerin – und der musikalische Leiter Leander Mangelsdorf ebenfalls kleine Schauspielrollen.

Termine Die Premiere ist am Freitag, 13. Dezember, um 19.30 Uhr im Esslinger Schauspielhaus. Die nächsten Termine sind am 20. und 31. Dezember, 18. und am 22. und 25. Januar.