Premiere bei der Filmschau Baden-Württemberg Was ein Stuttgarter als Massai-Krieger erlebt hat

Von Uwe Bogen 

Wie lebt man ohne Segnungen der Zivilisation? Was lernt man von Nomaden, die keinen Alkohol trinken und kein Handy kennen? Der Stuttgarter Benjamin Eicher hat drei Monate als Massai-Krieger gelebt. Sein Film darüber feierte jetzt Premiere.

Benjamin Eicher (Zweiter von rechts), der Autor und Hauptdarsteller des Films „Der weiße Massai-Krieger“ mit  seinen Produzenten  Timo Joh Mayer (links), Heike Ellwanger und Ekrem  Engizek. Foto: Andy Werner 15 Bilder
Benjamin Eicher (Zweiter von rechts), der Autor und Hauptdarsteller des Films „Der weiße Massai-Krieger“ mit seinen Produzenten Timo Joh Mayer (links), Heike Ellwanger und Ekrem Engizek. Foto: Andy Werner

Stuttgart - Bei weiß und Massai denken die meisten an große Liebe in fremder Welt, an den Herz-Schmerz-Kassenkinoknaller von 2005. Die gebürtige Stuttgarterin Nina Hoss hat darin jene Afrika-Touristin gespielt, die den erotischen Reizen, ja der unbezähmbaren Wildheit des stolzen Kriegers Lketinga erliegt, aber dann doch mit der Tochter vor den strengen Ritualen und vor einem Leben flieht, in dem Frauen nur als Untergebene vorgesehen sind.

Jetzt gibt es erneut einen Stuttgarter, der weiß ist und Massai war. Etwa 30 Filme hat Benjamin Eicher bereits gedreht. Mitgründer der Firma Los Banditos ist er, die mit Musikvideos etwa für Afrob und Samy Deluxe sowie mit Street-Gangster-Streifen erfolgreich geworden ist. Immer stand er hinter der Kamera. Seine Filme tragen so schöne Titel wie „ Dei Mudder sei Gesicht“ oder „Schaffe, schaffe Scheiße baua“. Für eine Dokumentation aus Afrika hat „Benjo“, wie er von seinen Freunden genannt wird, den Platz gewechselt und sich für drei Monate Massai-Kriegern in Kenia angeschlossen und ein Kamerateam dabei mitgenommen.

Aufnahmen einer grandiosen Naturlandschaft

Der 45-Jährige wollte dahinter kommen, ob ein Leben im Einklang mit der Natur und fernab von den Segnungen der Zivilisation glücklicher macht und was er dabei für sich als Europäer lernen kann. Sein Film heißt „Der weiße Massai-Krieger“, was angesichts der Verwechslungsgefahr mit dem ganz ähnlichen Titel des Spielfilms nicht ganz glücklich ist. Bevor der Film im Januar in den Kinos startet, hat Benjamin Eicher Premiere im Metropol-Kino bei der Filmschau Baden-Württemberg gefeiert – samt After-Show-Party im Cavos.

Ein äußerst sehenswerter Film mit Aufnahmen einer grandioser Naturlandschaft ist entstanden. Die Faszination der Wildtiere ist groß. Ganz nah kam der weiße Praktikant der stolzen Massai-Kriegern diesen. Das Nomadenvolk jagt keine Giraffen, Elefanten oder Flusspferde, weder zur Ernährung, noch zum Verkauf nach Europa. Massais schützen Wildtiere vor Wilderern, sind aber bei Schafen, die sie in Herden halten und von denen sie sich ernähren, nicht gerade zimperlich. Zu den Aufgaben des Aushilfs-Massais gehört es, das Blut eines soeben geschlachteten Schafes zu trinken. Der Filmemacher hat sich dazu überwunden. Im Kinosaal schauen an dieser Stelle viele Zuschauer weg. Dass der Stamm nach uralter Tradition auch das Entfernen der Vorhaut verlangt – bei einer öffentlichen Beschneidungszeremonie ohne Betäubung –, ist etwas, was dem Stuttgarter aber dann doch erspart geblieben ist. Krieger sind die Massais eigentlich nicht mehr. Sie sind nicht im Krieg, sie wollen in Frieden mit Wildtieren und der Natur leben.

Was Benjamin Eicher von den Massais gelernt hat

Für die Universal Studios war Benjamin Eicher in Kenia unterwegs. Wieder einmal wollte er für seine Auftraggeber aus Kalifornien einen Naturfilm drehen. Im Matira Buschchamp lernten er einen Massai kennen – viele von ihnen arbeiten inzwischen für Touristen und leben davon. Dieser führte ihn zu Kriegern, die mit ihren Herden durch die Steppen ziehen und zum Überleben oft ihre Schlafstatt wechseln. Benjamin Eicher bemalte sich wie die Massais, trug ihre Kleidung, schlief wie sie auf dem harten Boden, machte mit beim Sprungtanz, suchte nach einem Fallenfund die Wilderer, sah, wie Kinder beschnitten werden.

Als es nach Stuttgart zurückging, war einiges anders für ihn. „Von den Massais habe ich vor allem gelernt“, sagt er, „dass man im Augenblick leben und keine Angst vor der Zukunft haben sollte.“ Sein Film „Der weiße Massai-Krieger“ ist zu gut, um zum Blockbuster zu werden. Eine kleine, interessierte Zielgruppe wird heutzutage ohnehin immer wichtiger. In der Nische gelingt der Erfolg schneller. Dank der finanziellen Unterstützung der Stuttgarterin Heike Ellwanger, die lange in Südafrika gelebt hat und mit ihrer Stiftung Menschen in Townships hilft, kommt der Film im Januar in die Kinos.

Kenia lockt viele Touristen zum Abenteuerurlaub

Unter den begeisterten Gästen der Premiere: der Stuttgarter Dirk Freiland, der mit 50 Jahren den Ironman auf Hawaii gepackt hat, der Hamburger Speaker Stephan Jung, ein Zukunfts- und Trendexperte, Filmemacher Robin K. Bieber, Julien Williams, Blogger und Model aus Frankfurt, Philipp Hagebölling von der Agentur Innovations Heroes, Schönheitschirurg Christian Fitz, Cavos-Wirt Hiki Shikano und viele andere.

Kenia ist weit weg von uns, lockt viele Touristen aber zum Abenteuerurlaub. Der Mythos Massai und die Faszination der Wildtiere in einer verkehrstechnisch unverbauten Natur spielen dabei eine große Rolle. Eichers Film mit eindringlichen Erzähltexten zeigt viel mehr, als Urlauber sehen können. Und der Film bewirkt vor allem eines: Man denkt über sein eigenes Leben nach. Brauchen wir zu unserem Glück nicht viel weniger, als wir denken? Verlieren wir in der Luxus-Überfülle der Annehmlichkeiten nicht oft aus den Augen, was wirklich zählt? Zum Augenöffnen sollte man sich unbedingt diese Doku anschauen.




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