Premiere des Mercedes-Benz EQS Mercedes tritt mit Doppelspitze an

Der elektrische Mercedes-Benz EQS ist laut Daimler so windschnittig wie kein anderes Serienauto. Weitere Bilder und Informationen zum Auto finden Sie in unserer Bildergalerie. Foto: Daimler

Daimler hat die elektrische Luxuslimousine Mercedes-Benz EQS erstmals unverhüllt gezeigt. Mit diesem Spitzenmodell will Mercedes-Benz neue Kunden gewinnen – doch wie viele werden der S-Klasse untreu werden?

Stuttgart - Die Präsentation eines Spitzenmodells von Mercedes-Benz wird normalerweise als pompöses Event inszeniert. Die Weltpremiere des neuen Mercedes-Benz EQS findet dagegen wegen der Coronapandemie rein digital statt. Daimler-Chef Ola Källenius hebt in einem Video hervor, wie wichtig dieser Wagen für die Marke mit dem Stern ist. „Dieses Auto ist wahrhaft ein Wendepunkt. Es markiert den Beginn einer neuen Ära bei Mercedes-Benz“, sagt Källenius. Denn der EQS ist nach Angaben des Daimler-Chefs der erste Mercedes, der von Grund auf als Elektrofahrzeug konzipiert worden sei. Der EQS ist das erste Modell, das eine speziell für E-Autos entwickelte Plattform nutzt. „Und er ist nicht nur irgendein Fahrzeug. Er ist eine vollelektrische Luxuslimousine auf S-Klasse-Niveau“, betont Källenius.

 

Beim Design des Stromers geht der Autobauer neue Wege

Damit kann Mercedes-Benz binnen kurzer Zeit gleich zwei neue Spitzenmodelle ins Rennen schicken. Denn die jüngste Generation der S-Klasse, die traditionell seit langer Zeit die meistverkaufte Luxuslimousine der Welt ist, hat erst im vergangenen September Weltpremiere gefeiert. Källenius bezeichnet den EQS als „Zwilling“ der S-Klasse, allerdings gibt es neben vielen Gemeinsamkeiten auch erhebliche Unterschiede zwischen der S-Klasse, die es mit Verbrennungsmotor sowie als Plug-in-Hybrid gibt, und dem vollelektrischen EQS.

Ganz neue Wege beschreitet die Marke mit dem Stern beim Design des Stromers, dessen bogenförmige Linienführung deutlich sportlicher aussieht als bei der S-Klasse. Ola Källenius begründet diese neue Form in einer Telefonkonferenz mit Journalisten mit den besonderen Anforderungen des Elektroantriebs. „Der EQS sieht anders aus, weil er eine andere Antriebstechnik hat“, erläutert der Daimler-Chef. Die Aerodynamik spielt für die Reichweite eines Elektroautos eine große Rolle. Die neue Luxuslimousine ist laut Källenius das stromlinienförmigste Serienfahrzeug der Welt und schafft mit einer Batterieladung eine Reichweite von bis zu 770 Kilometern. Zu dieser hohen Reichweite soll unter anderem auch eine neue Zellchemie mit höherer Energiedichte beitragen.

Den Riesenbildschirm gibt es nur gegen Aufpreis

Der EQS bietet viele Innovationen, die es auch in der S-Klasse gibt, wie etwa eine Hinterachslenkung, die dem mehr als fünf Meter langen Wagen einen Wendekreis ermöglicht, der mit Kompaktwagen vergleichbar sei. Als besonderes technisches Highlight des Stromers hebt der Daimler-Chef den „MBUX Hyperscreen“ hervor, ein 141 Zentimeter breites Bildschirmband, das sich praktisch von Tür zu Tür spannt und in dem mehrere Displays nahtlos ineinander übergehen. Diese Ausstattung ist allerdings nicht serienmäßig, sondern kostet einen Aufpreis. Källenius schätzt jedoch, dass mehr als die Hälfte der Kunden diese Innovation wählen werden. Auch die Mercedes-Vertriebschefin Britta Seeger sagte in einer Telefonkonferenz, dass sie mit einer hohen Nachfrage nach dem Riesenbildschirm rechne.

Wie viel für diese Sonderausstattung gezahlt werden muss, gilt noch als Betriebsgeheimnis, ebenso wie die gesamte Preisliste für den EQS. Diese soll laut Källenius wie bei neuen Modellen üblich erst mit dem offiziellen Verkaufsstart Mitte Juni veröffentlicht werden. Britta Seeger berichtete bereits von einem „hohen Interesse“ von Kunden. Zielgruppe sind nach Angaben der Vertriebschefin vor allem Geschäftskunden. Der EQS soll im Sommer zunächst in Europa und den USA zu den Händlern kommen, China soll dann Anfang nächsten Jahres folgen. Källenius wollte sich noch nicht festlegen, ob China wie bei der S-Klasse auch beim neuen Spitzenstromer zum wichtigsten Markt wird.

Mit dem EQS sollen neue Kunden erobert werden

Der Daimler-Chef rechnet damit, dass mit dem EQS neue Kunden erobert werden können, die bisher bei Konkurrenten kauften. Den Namen Tesla nahm er dabei allerdings nicht in den Mund. Källenius räumte allerdings auch ein, dass er auch mit einer gewissen Kannibalisierung mit der S-Klasse rechne, was den Absatz des traditionellen Spitzenmodells bremsen könnte. Weil der EQS ebenso wie S-Klasse in der im vergangenen Herbst eingeweihten neuen Factory 56 in Sindelfingen produziert wird, könne man sehr flexibel auf die Entwicklung der Nachfrage nach beiden Modellen reagieren, sagte Källenius.

Die neue S-Klasse ist nach Angaben des Autobauers stark gefragt. Deshalb wurde nach Angaben einer Sprecherin des Unternehmens mit dem Betriebsrat die Einführung einer Nachtschicht vereinbart – voraussichtlich bis Ende 2021. Der Absatz lag im ersten Quartal um 17 Prozent über dem Vorjahresniveau.

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