Premiere Friedrichsbau-Varieté Zeitreise in ein pulsierendes Stuttgart

Von Tilman Baur 

Eine Revue im Friedrichsbau-Varieté will das positive Lebensgefühl der Goldenen Zwanziger in die Gegenwart transportieren. Die Show „1925 – Die 20er-Jahre Revue“ ist noch bis Februar 2020 auf dem Pragsattel zu sehen.

Nicht nur optisch wird das Publikum in die Goldenen 20er entführt Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth 8 Bilder
Nicht nur optisch wird das Publikum in die Goldenen 20er entführt Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Die 1920er-Jahre gelten als Jahrzehnt des Aufbruchs: Eine neue gesellschaftliche Freiheit verband sich mit einer aufblühenden Wirtschaft, gefeiert wurde viel und ausschweifend. So zumindest vermitteln es TV-Erfolgsserien wie Babylon Berlin, und auch die neue Show „1925 – Die 20er-Jahre Revue“ im Friedrichsbau Varieté, die noch bis 23. Februar 2020 zu sehen sein wird. Die Revue zelebriert die Goldenen Zwanziger als hedonistisches Spektakel. Rauschende Feste gab es laut Varieté-Geschäftsführer Timo Steinhauer nämlich nicht nur im oft zitierten Berlin, sondern auch in Stuttgart, das mit dem Friedrichsbau Theater, dem im Jahr 1900 gegründeten Vorgänger des heutigen Varietés, bereits damals eines der führenden Häuser Deutschlands vorweisen konnte.

Den Titel „1925“ habe man bewusst gewählt, erklärt Steinhauer: schließlich sei im Jahr 1925 das Jahrzehnt voll in Fahrt gekommen. Außerdem feierte das Friedrichsbau Theater damals 25-jähriges Jubiläum – genau wie das 1994 gegründete Friedrichsbau Varieté in diesem Jahr. „Stuttgart war lebensfroh, glamourös und energiegeladen. Dieses positive Lebensgefühl der Zeit wollten wir auf die Bühne bringen“, so Steinhauer. Der Geschäftsführer hat sich im Vorfeld im Stadtarchiv kundig gemacht und Erstaunliches zu Tage gefördert: so hatte die weltbekannte Tänzerin Josephine Baker damals im angeblich weltoffeneren München Tanzverbot, im Friedrichsbau Theater konnte sie hingegen problemlos auftreten.

Hosenträger, Kniebundhosen und Paillettenkostüme

Die Show verlässt sich musikalisch nicht allein auf den damals tonangebenden Swing, sondern ergänzt die Einlagen mit modernen Beats. Zu sehen sind unter anderem ein klassisches Revue-Ballett, eine Jonglier-Nummer mit Fußball, eine Balancier-Einlage mit sechs aufeinandergestapelten Stühlen und eine Hand-auf-Hand-Akrobatik. Ein besonderes akrobatisches Highlight bietet Tänzerin Ulrike Storch, die auf dem Rücken liegend gleich mehrere Gegenstände mit Händen und Füßen kunstvoll in der Luft balanciert, und das mit perfekt frisierter Wasserwelle.

Überhaupt tragen Frisuren und Kostüme viel zur Zeitreise bei. Männer jagen in hohen Kniebundhosen über die Bühne, tragen Hosenträger, Fliegen und elegante Fracks. Bei den Frauen reicht das Spektrum von bodenlangen Abendkleidern bis hin zu knappen, gold-funkelnden Paillettenkostümen, wie sie die Mitglieder des Revue-Balletts Vegas Showgirls zur Schau stellen. Ein bekanntes Gesicht für Varieté-Fans ist Conférencier Ferkel Johnson, der bereits in der Vergangenheit durch Shows wie „Circus, Circus“ oder „Burlesque Affairs“ geführt hat und die Zuschauer von „1925“ unter anderem durch die Rezitation von Tucholsky-Gedichten in das geheimnisvolle Jahrzehnt eintauchen lässt.

Johnson und Ulrike Storch sind die beiden Deutschen im international besetzten Ensemble von Regisseur Ralph Sun. So gibt es Teller-Artisten aus Italien, einen Jongleur aus Argentinien, eine Luftakrobatin aus der Ukraine und Showgirls aus Großbritannien. Aus Russland stammt die Sängerin Anna Cabaret. Ihre Stimme transportiere den speziellen Sound der damaligen Zeit besonders authentisch, findet Timo Steinhauer, weil sie sinnlich sei, aber auch frech. Wie immer gibt es auch bei „1925“ viele Specials, unter anderem Nachmittagsvorstellungen für Familien mit vergünstigten Ticketpreisen.

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