Premiere im Studio Theater „Mario und der Zauberer“ auf der Bühne

Ganz in Schwarz: der Zauberer Cipolla Foto: Studio Theater/Stephan Haase

Das Stuttgarter Studio Theater bringt Thomas Manns Erzählung „Mario und der Zauberer“ auf die Bühne – es ist ja leider so aktuell wie lang nicht mehr. Aber gelingt es auch?

Kultur: Tim Schleider (schl)

Vor 150 Jahren wurde Thomas Mann geboren: Es ist bemerkenswert, vor allem aber bezeichnend für unsere aktuelle Lage, wie stark sich das Interesse im Jubiläumsjahr gerade auf die politische Haltung und Botschaft des Dichters konzentriert – auf den Verteidiger der Weimarer Republik in den 1920er-Jahren, auf den Exilanten in der Nazi-Zeit, der versucht, vom Ausland aus den Deutschen ins Gewissen zu reden. Jahrzehntelang galt Thomas Mann im Kontrast zu seinem Bruder Heinrich noch als der schöngeistige, verwagnerte Ästhet, der Homo Unpoliticus, der eher zufällig im Ausland landete. Diese Deutung war schon immer Unsinn; inzwischen liest man seine Romane, Briefe, seine Essays und Reden aus den 20er- und 30er-Jahren zum Glück genauer und weniger politisch voreingenommen.

 

Das passt zum Haus

Staunen kann man zum Beispiel immer nur aufs Neue über die Klarheit der Analyse, die Qualität der künstlerischen Verdichtung und die Bestimmtheit der politischen Aussage in seiner Novelle „Mario und der Zauberer“, 1930 veröffentlicht im Rückblick auf einen Sommerurlaub 1926 im damals ja bereits faschistisch regierten Italien. Es passt perfekt zur engagierten Haltung des Stuttgarter Studio Theaters, diese Geschichte auf ihre kleine, feine Bühne zu bringen – in einer natürlich eingedampften Textfassung der Ko-Intendantin Daniele Urban, die auch die Regie übernommen hat.

Sebastian Schäfer und Galina Freund als Thomas und Katia Mann berichten also von ihren beunruhigenden Erlebnissen im Hotel und am Strand, wo sie sich im Kleinen des Ferienalltags plötzlich den Auswirkungen nationalistischer Xenophobie im Großen der Politik ausgesetzt sehen. Und sie besuchen gemeinsam mit Felix Jeiter als Kellner Mario die Spätvorstellung des Zauberers Cipolla, dessen magische Qualitäten vor allem in perfider Suggestion bestehen: Was, so seine zentrale Frage, sei denn schon das kleine armselige persönliche Wollen angesichts der Kraft und Macht des Befehls?

Die Sprache ist hier ein Problem

Achim Hall hat als Cipolla einen starken Auftritt, kommt er doch im Gegensatz zu den hellen Tönen der sonstigen Kostüme und des Bühnenbilds (Leah Lichtwitz) ganz im italienischen Faschisten-Schwarz. Großartig gespielt ist die zentrale Szene der Hypnose, in der er Mario dazu bringt, in ihm, dem Verführer, die lang ersehnte Freundin zu sehen.

Insgesamt ist der gut einstündige Abend aber eher eckig als rund geraten. Die Übergänge zwischen den Szenen schleifen, vor allem fremdeln die Spieler immer mal wieder mit der gerade in dieser Novelle so bewusst distinguiert gehaltenen Sprache Manns; vieles wirkt da eher aufgesagt als authentisch berichtet. Die Botschaft sitzt aber in jedem Fall, der Gewinn für den Zuschauer ist klar, der Beifall darum herzlich.

Termine: Vorerst zehn weitere Vorstellungen bis Ende Juni; www.studiotheater.de

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