Eine neuartige Damentoilette soll bei Großveranstaltungen wie jetzt erstmals beim Deutschen Wandertag lange Schlangen vor dem Klowagen verhindern helfen. Ein klares Muss?

Rems-Murr: Sascha Schmierer (sas)

Wenn echte Kerle ihr Wasser lassen, rücken sie im Zweifelsfall auch mal ein wenig enger zusammen – und üben an der Pinkelrinne im Klowagen den Schulterschluss. Das kleine Geschäft ist trotz fehlender Privatsphäre in der Regel schnell erledigt, weiter geht’s mit Bier, Wein und Gesang – aufs Händewaschen wird von vielen Herren der Schöpfung großzügig verzichtet.

Bei der Damenwelt sieht das oft anders aus. Weil für die weibliche Notdurft oft nur einige wenige Kabinen zur Verfügung stehen, reicht die Schlange vor der Pipi-Box bei Großveranstaltungen oft übers halbe Festgelände – zumal der Klogang beim schönen Geschlecht ein wenig länger dauert als die Reihenverrichtung am Männer-Pissoir.

Für den Besuch im Klowagen braucht es im Schnitt drei Minuten

Das hat zumindest die Firma Lapee errechnet, die beim Toilettengang mit einem mobilen Frauenurinal in knalligem Pink für eine echte Revolution auf dem Feld der Harnentsorgung sorgen will. Wenn man so will, hat das dänische Start-up die Vision, endlich auch den Frauen bessere sanitäre Bedingungen zu bieten – sei es nun bei einem Volksfest oder einem Musikfestival.

Dass mit der Idee auch gutes Geld verdient sein kann, ist für die Erfinder, zwei an königlichen Akademie in Kopenhagen ausgebildete Jungarchitekten, sozusagen nur ein Nebeneffekt. Sechsmal so teuer wie eines der blauen Dixie-Klohäuschen ist das stapelbare Pipi-Rondell in der Anschaffung, sagt Joachim Kurrle aus Fellbach. Der auf den Verleih von Festzelten spezialisierte Unternehmer hat sich dennoch ein Lapee liefern lassen: „Wir wollen am Puls der Zeit sein – und etwas dafür tun, dass die Frauen nicht mehr hinter die Friedhofsmauer müssen.“

In Süddeutschland ist Lapee bisher nirgends im Programm

Beim Eröffnungsabend des Deutschen Wandertags am Donnerstag war der pinke Pinkelbrunnen am Rand des Festgeländes auf dem Guntram-Palm Platz aufgestellt, zumindest für Süddeutschland ein Novum. In Berlin haben die innovativen Pipi-Boxen bereits für Aufsehen gesorgt, südlich der Mainlinie hat sie bisher aber noch kein Veranstalter im Programm. Kurrle und sein Sohn Jaques wollen Lapee über den Sommer bei der von den Stadtwerken veranstalteten Konzertreihe „Live im Park“ einsetzen – und natürlich auch Erfahrungen sammeln, wie die ursprünglich fürs Roskilde-Festival entwickelte Neuheit bei den Damen ankommt. Ungewöhnlich ist der Klogang ohne feste Kabine für die Benutzerinnen schon – zumal es zwar Sichtkontakt zum Kopf der fröhlich plätschernden Nachbarin, aber kein Toilettenpapier gibt. Nur ein mit Plakaten behängter Bauzaun hält neugierige Blicke ab – da kann frau schon auf die Idee kommen, lieber wie gewohnt in der Schlange vor dem Toilettenwagen zu warten als Experimente zu wagen. „Die Reaktionen sind geteilt. Junges Publikum findet die Lösung gut, ältere Frauen tun sich schwer damit“, hat Kurrle bei der Premiere beobachtet. Dass über fehlende Hygiene teilweise die Nase gerümpft wird, ficht ihn nicht an. „Fürs große Geschäft ist Lapee nicht gedacht. Und hinterm Busch gibt’s auch kein Klopapier“, sagt er.

Ob es auf der pinken Pipi-Box wirklich schneller geht, ist zu bezweifeln. Satte drei Minuten veranschlagen die Lapee-Erfinder für die Benutzung einer klassischen Klowagen-Kabine. Im Pinkelbrunnen soll das Wasserlassen in gerade mal 30 Sekunden erledigt sein – einen Spiegel fürs Zeit kostende Nachziehen des Lippenstifts gibt’s nicht.