Premiere von Disneys „Aladdin“ in Stuttgart Der rote Teppich kann nicht fliegen

Von Uwe Bogen 

Mit einem Farbenrausch begeistert das Disney-Musical „Aladdin“ im Apollo-Theater. Groß war der Jubel in der ersten von vielleicht 1001 Nächten. Wem erfüllt die Wunderlampe Wünsche? Wir haben uns bei Premierenpromis umgehört.

Die Hauptdarsteller von Disneys Musical „Aladdin“ nach dem Schlussapplaus backstage mit prominenten Gästen. Foto: Stage Entertainment / Ben Pakalski 20 Bilder
Die Hauptdarsteller von Disneys Musical „Aladdin“ nach dem Schlussapplaus backstage mit prominenten Gästen. Foto: Stage Entertainment / Ben Pakalski

Stuttgart - Auf in den Frühling, volle Wucht voraus! Dank „Aladdin“ begrüßt das Stage-Apollo-Theater die Zeit der erwachenden und sprießenden Natur knallig bunt und strahlend schön. Musicalfans können sich auf eine spektakuläre Opulenz an Kulissen und Kostümen freuen. Diese Entertainment-Wonnen reißen sogar Nicht-Musical-Fans mit, wie das Beispiel Max Mutzke zeigt.

Im Leben des Soulman aus dem Schwarzwald gibt es eine Zeit vor Erleuchtung dank Wunderlampe und eine danach. Bevor der Popstar das fetzige Märchen aus der Orientteppichabteilung des Großkaufhauses Disney in Hamburg besuchte, war er eher Musicalhasser gewesen. Er dachte, dies Genre ist nix für ihn. Dann sah er „Aladdin“, war geflasht vom Liebesschweben auf dem fliegenden Teppich und auch von der Musik, ging mit den Kindern noch mal rein und rühmt nun Unterhaltung mit Powerkraft.

Dschinni ruft: „Der Fokus liegt auf Hokus-Pokus“

Zumindest der rote Teppich kann nicht fliegen, wie sich bei der ersten von möglicherweise 1001 Nächten im SI-Centrum gezeigt hat. Nun heißt’s hier: Wünsch dir was! Was wünschen sich die Premierenpromis? Wünscht sich Bestsellerautorin Gaby Hauptmann eine Superquote für ihren TV-Talk, der am 11. Mai im SWR-Fernsehen auf dem früheren Sendeplatz von Frank Elstner (auch er war bei „Aladdin“) startet? Nein, ihr Wunsch ist ein anderer. „Ich wünsche mir“, sagt sie , „dass sich alle gewalttätigen Menschen sofort in Luft auflösen.“

Wusch! Als sie diese weisen Worte spricht, eilen keine Nebelschwaden herbei, um was zu verschlucken. Viel Qualm ist auf der Bühne zu sehen, aus dem Flaschengeist Dschinni steigt, herrlich überdreht gespielt von Maximilian Mann. Der „schöne Max“, wie man ihn nennt, war als Hauptmann im „Glöckner“ ein Großer. Bei „Aladdin“ wird er mit rasiertem Kopf zum Megastar. Aberwitzig berserkert er rum, sagt Sätze wie „Der Fokus liegt auf Hokuspokus“, treibt als Publikumsliebling die Handlung durchgeknallt voran, als werde zwischendurch die Musicalparodie „Aladdin und die Wunderschlampe“ gegeben.

„Max ist mein Glatzenbruder“, sagt Weltmeister Frank Stäbler

Nach jahrhundertelangem Flaschenknast will Dschinni nun die Freiheit finden. Die Rolle ist „total anstrengend“, sagt der „schöne Max“, „macht aber tierisch Spaß und lohnt sich angesichts der Begeisterung“. Im Saal sitzt einer, der ihm nacheifert – optisch voll. Der dreifache Ringer-Weltmeister Frank Stäbler zeigt sich neuerdings oben frei und trägt einen Dschinni-Bart, nur noch keine Pumphosen wie in Agrabah. „Max ist mein Glatzenbruder“, freut sich der Musberger. Seine Wünsche: „Gesundheit für meine Family und mich – alles andere hol ich aus eigener Kraft.“ Sein stärkster Muskel ist der Wille.

Was sich Timo Hildebrand wünscht

Um was VfB-Kapitän Christian Gentner die Lampe bittet, darf sein Geheimnis bleiben. Wünsche sollen sich nicht erfüllen, wenn man sie verrät. Und wir alle wollen, dass der VfB in der ersten Liga bleibt! Der frühere Nationaltorwart Timo Hildebrand hat seine Profizeit hinter sich, weshalb er offen reden kann. „Mein größter Wunsch wäre, dass die Menschen rücksichtsvoll miteinander, den Tieren und dem Planeten gegenüber umgehen“, sagt er. TV-Moderatorin Tatjana Geßler wünscht, „dass wir den Schülern, die grad für unsere Umwelt auf die Straße gehen, endlich zuhören und handeln“. Außerdem dabei: Sängerin Patricia Kelly, Schauspieler Hardy Krüger jr., Moderator Ralph Morgenstern, Travestie-Lady Frl. Wommy Wonder, DJane Alegra Cole, Künstlerin Iris Caren von Württemberg, Filmproduzent Robin K. Bieber, Schauspielerin Astrid Fünderich, der Blogger Patrick Mikolaj vom Unnützen Stuttgartwissen, TV-Koch Frank Oehler, Stuttgarts Ballettintendant Tamas Detrich, Thomas Schumacher, der Präsident Disney Theatrical Productions, und viele andere. Der frühere Spitzenturner und heutige Musiker Lucas Fischer, der die Hymne für die Kunstturn-WM 2019 in Stuttgart singt, träumt davon, „dass wir die kleinen Dinge schätzen lernen und Größenwahn ablegen“.

Das Disney-Musical „Frozen“ kommt nach Deutschland

Die Stage Entertainment wünscht, dass „Aladdin“ auch in Stuttgart einschlägt. In Hamburg durfte der Straßenjunge fast drei Jahre lang an der Lampe reiben. „Wir glauben, dass die Show auch in Stuttgart dieses Potenzial hat“, sagt Sprecher Matthias Pusch. Ein weiteres Disney-Musical folgt. Der aktuelle Broadwayhit „Frozen“ kommt nach Deutschland, bestätigt Pusch – erst nach Hamburg. Zum Warmlaufen? In Stuttgart drehen Musicals stets noch mehr auf, wie bei „ Aladdin“ mit noch mehr Pyrotechnik und noch heftigeren Farbexplosionen als im Norden. Ach, ist das ein Frühling!

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