Premiere von "Drei Western" Ein schriller Stilmix

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Hörfehler und andere Gesprächsunglücke: René Pollesch führt in der Stuttgarter Türlenstraße seine „Drei Western“ auf.

Kultur: Roland Müller (rm)
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Stuttgart - Auf diesen Regisseur ist Verlass: Pollesch bleibt Pollesch bleibt Pollesch. Wer schon Inszenierungen von ihm gesehen hat, kann deshalb den nächsten Absatz dieses Textes getrost wegzappen. Wer nicht, sollte sich doch kurz diesen "Pollesch für Anfänger" reinziehen.

Pollesch, Vorname René, geboren 1962. Nach seinem Studium der Theaterwissenschaften begann er Ende der neunziger Jahre, das Theater zu revolutionieren. Ja, ausnahmsweise trifft das große Wort zu: Es war eine Revolution, als Pollesch mit allen Konventionen der Bühne brach. In seinen Stücken, die er während des Probenprozesses alle selber schreibt, gibt es keine fortschreitende Handlung, keine festen Rollen und keine abgegrenzten Themen mehr.

Alles strömt, nein, alles jagt, wirbelt und strudelt hier wie irrsinnig in einem popkulturell aufgeschäumten Fluss über die Bühne, die er gerne als kreischend bunten Showzirkus ausstaffiert. Akrobatische Körper werfen sich dann in akrobatische Diskurse über Liebe und Tod im Kapitalismus, weshalb man also viele gelenkige Schauspieler bei philosophischen Leibesübungen sieht, die vergnüglich und erhellend sein können, aber nicht sein müssen. Das ist Pollesch.

Liebe und Tod im Kapitalismus dürfen nicht fehlen


Und nun auch wieder für jene, die an dieser Stelle in den Text zurückzappen: Polleschs siebtes für Stuttgart geschriebenes Stück unterscheidet sich kaum von den sechs anderen Stücken, die er hier schon fürs Schauspielhaus geschrieben und uraufgeführt hat. Auch in den "Drei Western" bedient sich der Theateranarchist wieder der rasanten Montagetechnik von Videoclips, um von einem Szenen- und Dialogschnipsel wieselflink zum anderen zu springen, auch hier stopft er seine unüberschaubar vielen Themen wieder in eine Zentrifuge, die sich dreht und dreht und dann doch – Überraschung – einen zentralen Untersuchungsgegenstand in die Zirkusmanege zu schleudern scheint.

Neben Liebe und Tod im Kapitalismus, die in der Tat nicht fehlen dürfen, ist dieser Gegenstand in den "Drei Western" nun die Kommunikation zwischen Menschen, die sich und ihre Gesellschaft nicht verstehen.




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