Pressenhersteller auf Sparkurs Schuler streicht in Göppingen 300 Stellen

Von Daniel Gräfe 

Künftig produziert Schuler in Deutschland fast nur noch in Erfurt. Die Belegschaft in Göppingen hatte auf einen Verbleib der Produktion gehofft. Deutschlandweit fallen noch mehr Stellen weg.

Schuler stellt unter anderem große Exzenterräder her. Foto: dpa
Schuler stellt unter anderem große Exzenterräder her. Foto: dpa

Göppingen - Der Göppinger Pressenhersteller Schuler streicht deutschlandweit bis 2022 rund 500 Stellen, 350 davon sollen in der Produktion wegfallen. Das teilte der Vorstand der Schuler AG am Montagnachmittag mit. Zwar bleibe Göppingen Unternehmenssitz des Konzerns – doch die Produktion soll bis auf die von Ersatzteilen geschlossen und auf Erfurt konzentriert werden, sagte ein Sprecher unserer Zeitung. Service und Außenmontage blieben in Göppingen erhalten, hieß es. Insgesamt entfielen in Göppingen 300 der derzeit 1300 Stellen.

Über Göppingen hinaus will das Unternehmen auch in Erfurt und an anderen deutschen Standorten die Kapazitäten für Fertigung und Montage reduzieren. Im Gegenzug sollen die Werke in China und Brasilien stärker genutzt werden. Der Stellenabbau solle „so sozialverträglich wie möglich“ gestaltet werden, teilte das Unternehmen mit. Betriebsbedingte Kündigungen seien aber nicht auszuschließen. Schuler gehört zum österreichischen Anlagenbauer Andritz und hatte Ende 2018 konzernweit etwa 6600 Beschäftigte, rund 4200 davon in Deutschland.

Die Sorge in Göppingen ist, wie es mit dem Standort künftig weitergeht

„Für die Belegschaft in Göppingen kommt das Ausmaß der Umstrukturierung überraschend“, sagte Renate Gmoser, die für die IG Metall das Unternehmen betreut. Zwar habe der Vorstand vor einigen Wochen der Belegschaft mitgeteilt, dass es Kostensenkungsmaßnahmen geben würde, aber es habe die Hoffnung gegeben, dass die Produktion nicht geschlossen werde. „Man hat mit einem geringeren Stellenabbau gehofft“, so Gmoser. „Die Enttäuschung wird groß sein und ebenso die Sorge, wie es überhaupt mit dem Standort weitergeht.“

Das bis 2022 ausgerichtete Sparprogramm sei eine Reaktion auf die veränderten Wettbewerbsbedingungen und den gestiegenen Kostendruck, teilte der Pressenhersteller mit. Die Nachfrage unter anderem nach vollautomatisierten Pressenlinien und mechanischen Pressen werde sich noch stärker als schon jetzt auf Südostasien und China konzentrieren. Die internationalen Standorte sollen deshalb künftig gestärkt werden und die Schuler-Gruppe stärker digitalisiert werden.