Pressestimmen zum VfB Stuttgart „Dietrich ging, wie er geherrscht hat: unbelehrbar“

Von  

Der Rücktritt des VfB-Präsidenten Wolfgang Dietrich hat die deutschen Medien beschäftigt – ebenso wie die Frage, ob jetzt Jürgen Klinsmann kommt.

Abgang: Wolfgang Dietrich Foto: Baumann
Abgang: Wolfgang Dietrich Foto: Baumann

Stuttgart - Die turbulenten Tage beim VfB Stuttgart sind auch über die baden-württembergische Landesgrenze hinaus das große Fußball-Thema gewesen. Nun benötigt der Zweitligist jemanden, der den Club wieder vereint. Die Pressestimmen zum Rücktritt von Wolfgang Dietrich.

„Kicker“: Wolfgang Dietrich ging, wie er geherrscht hat: unnachgiebig, unversöhnlich, unbelehrbar, uneinsichtig. Allein die Tatsache, dass der Stuttgarter Präsident seinen Rücktritt als Erstes per Facebook und damit die vereinseigenen Kanäle ignorierend verkündet hat, ist der letzte Federstrich für ein Selbstporträt eines Mannes, der vor allem sich selbst im Sinn hat. Auch in seinen letzten Worten schwingt keine glaubhaft wirkende Selbstkritik mit. Tenor: Ich habe mein Bestes versucht, schuld waren die anderen.

„Die Zeit“: Der Chef des VfB ist über das WLAN-Kabel gestolpert. So lacht man nun im Fußballland über Stuttgart, denn Wolfgang Dietrich, der Präsident und Aufsichtsratschef, ist zurückgetreten, nachdem auf der Mitgliederversammlung am Sonntag eine Abstimmung über seine Abwahl nicht möglich gewesen war. (...) Die wahren Gründe für Dietrichs Scheitern nach nicht mal drei Jahren sind natürlich andere. Erstens seine schwache Bilanz: Im Mai stieg der VfB trotz großer Ziele und Investments ab. Erneut mussten, wie schon unter seinen Vorgängern, mehrere Trainer und sportliche Führungskräfte nach kurzer Zeit gehen. (...) Zweitens hinterlässt Dietrich eine vergiftete Atmosphäre. Der ehemalige S21-Sprecher konnte nicht gut mit internen Kritikern umgehen, deren Zahl stetig wuchs. Sie bemängelten nicht zuletzt einen sicher einmaligen und einmalig unwürdigen Vorgang im deutschen Profifußball: Gemäß einer Kicker-Recherche verdienen sein Sohn, aber auch, zumindest mittelbar, der Unternehmer Dietrich selbst am sportlichen Erfolg des Konkurrenten Union Berlin. Pikanterweise stieg der VfB gegen genau diesen Verein ab.

Auf gutem Weg, den HSV abzulösen

„Süddeutsche Zeitung“: Zugemutet wurde den Mitgliedern, vereinfacht gesagt, dass der VfB wieder auf gutem Weg ist, den HSV als kabarettistisch ergiebigsten Club im Land abzulösen. (...) Für die einen war Dietrich der Macher, unbequem vielleicht, aber voller Tatendrang – für die anderen ein eitler Herrscher, der in alter Macherdenke zu viel Macht beim Ex-Sportchef Michael Reschke konzentriert hatte und seine Verbindungen zum Unternehmen Quatrex, das Kredite an Fußballclubs vergibt, nicht wirklich plausibel gemacht hatte.

„Frankfurter Allgemeine“: Wie viel Porzellan beim wirtschaftlich trotz allem stabilen VfB schon zerschlagen war, zeigte auch der knapp und nüchtern bemessene Dank des Vereins nach Dietrichs Abgang. Die Stuttgarter, in den vergangenen Jahren an ein Kommen und Gehen diverser VfB-Präsidenten gewöhnt, müssen nun jemanden finden, der den Verein für Bewegungsspiele wieder vereint. So zerrissen wie sich die Schwaben am Sonntag und Montag zeigten, haben sie andere deutsche Clubs mit hohem Chaospotenzial wie den Hamburger SV und früher den FC Schalke 04 locker überholt.

Keiner kann sich Klinsmann in den Weg stellen

„Südwestpresse“: Wo Wolfgang Dietrich ist, da ist Ärger. Dieser Satz greift zu kurz, um den gebürtigen Remstäler zu beschreiben. Dietrich ist ein freundlicher, geselliger Mensch. Kein Polarisierender – auf den ersten Blick. In den vergangenen Jahren allerdings wirkte der 70-Jährige vor allem dort, wo es wehtut. Von 2010 bis 2015 als das in Stuttgarter Halbhöhen- und Kessellage ungeliebte Gesicht des Bahnprojekts Stuttgart 21. Danach, von Oktober 2016 an, als ehrenamtlicher Präsident des kriselnden VfB Stuttgart. „Spalter, Spalter“, schmetterten ihm die Fans schon bei der Wahl entgegen.

„Bild“: Jetzt ist der Weg frei für Klinsmann! Der größte Sohn des Clubs hatte schon im Winter über eine Rückkehr nach Stuttgart mit Präsident Dietrich gesprochen. Der Plan scheiterte – auch, weil Klinsmann und Aufsichtsrat Wilfried Porth von Mercedes nicht gut miteinander können sollen. (...) Wenn Klinsmann seine Bereitschaft erklärt, den VfB zu führen, wird sich ihm niemand mehr in den Weg stellen können.