Pride Month Herrenberg feiert Christopher Street Day
Bunt ging es am Samstag auf dem Marktplatz zu. Junge Menschen mit Regenbogenfahnen dominierten die Szenerie anlässlich des ersten Herrenberger CSD.
Bunt ging es am Samstag auf dem Marktplatz zu. Junge Menschen mit Regenbogenfahnen dominierten die Szenerie anlässlich des ersten Herrenberger CSD.
Es war keine dieser riesigen, schillernden und lauten Partyparaden wie in Berlin, Köln oder Stuttgart. Aber die jugendlichen Organisatoren und die zahlreichen Teilnehmenden der stationären Kundgebung, die zwischen Straßengalerie und Kunsthandwerkermarkt stattfand, setzten ein deutliches Zeichen. Auf queere Menschen, also zum Beispiel Transsexuelle oder Homosexuelle, die in und um Herrenberg leben, aufmerksam zu machen, für ihre Rechte einzutreten und diese zu unterstützen, ist ihnen ein echtes Anliegen.
Auch Herrenbergs Oberbürgermeister Thomas Sprißler nutzte zum Auftakt der Veranstaltung die kleine Bühne auf den Stufen vor dem Rathaus, um dem 14-köpfigen Organisationsteam sein Lob auszusprechen, dass vom Stadtjugendring (SJR) in Kooperation mit dem Jugendhaus begleitet wurde. „Wissen vermitteln und Vorurteile abbauen“ sei der richtige und ein guter Weg, den die Projektgruppe „Pride Month“ im Rahmen des Herrenberger Modells der Jugendbeteiligung für den Aktionstag eingeschlagen habe, lobte der Rathauschef. Zum ersten Mal, so bekannte er, stellte er sich dabei mit dem Zusatz „meine Pronomen sind er/ihm“ vor. In der queeren Community zeigt diese Form der Pronomen-Nennung, welchem Geschlecht sich die Person zugehörig fühlt.
Im Anschluss an sein Grußwort hisste er an einem der vier Fahnenmasten oberhalb des Marktplatzes die Fortschritts-Regenbogenflagge. Bei dieser wird die auch „Pride-Flagge“ genannte Fahne um einen Keil mit den Farben der Trans-Pride-Flagge sowie Braun und Schwarz ergänzt, um so transgeschlechtlichen Menschen sowie queere Schwarze und anderen „People of Colour“ mehr Sichtbarkeit zu verleihen.
Neben Redebeiträgen unterhielt die Band „An einem Dienstag“ sowie DJane Elly Steiner das Publikum. Außerdem gaben einige Dragqueens mit Auftritten Einblicke in ihre Welt. Wer mehr über das queere Leben erfahren wollte, konnte dies auch am Stand der AIDS-Hilfe Tübingen-Reutlingen oder bei der Ausstellung „Queer, wie was?“ in den „Chamäleon Spaces“ im Nufringer Tor tun.
Dass der Christopher Street Day aber nicht nur ein Festtag für nicht-heterosexuelle Menschen ist, sondern auch eine politische Dimension hat, wurde immer wieder deutlich. So blickte unter anderem Thomas Sprißler auf die Entstehung in der gleichnamigen Straße in New York am 28. Juni 1969 zurück. Dort hatten gewalttätige Polizeirazzien gegen trans- und homosexuelle Menschen zu tagelangen Straßenschlachten geführt. Ab 1970 wurde dort am Jahrestag mit einer Parade daran erinnert. Was längst zu einer weltweiten Bewegung geworden ist.
Aber auch aktuelle Ereignisse wie der Anschlag auf den queeren Osloer Club, die zahlreichen Festnahmen bei der Pride-Parade in Istanbul, aber auch die Entscheidung des höchsten US-Gerichts, das Abtreibungsrecht zu kippen, und die Pläne der deutschen Regierung, das Transsexuellengesetz zu reformieren, kamen in Herrenberg zur Sprache.
„Ich bin voll beeindruckt, und es rührt mich“, sagte eine strahlende Helene Schächtele, die beim SJR für die Jugendbeteiligung zuständig ist. „Wir haben echt nicht mit so vielen gerechnet“, zeigte sie sich von der Resonanz positiv überrascht. Die CSD-Gruppe, so berichtete Schächtele, sei die „diverseste Beteiligungsgruppe, die wir haben“. Hier engagieren sich sowohl queere als auch nicht-queere Jugendliche. „Die jüngste Generation hat die meisten Barrieren bereits überwunden“, lautet ihr Eindruck.