Primafila Kleine Küche in ganz großem Stil

Von Barbara Grüssinger 

Nach mehr als einem Jahr Pause hat das italienische Restaurant neu eröffnet –  statt im Fernsehturm befindet es sich jetzt im Stuttgarter Westen.

Franco Arcidiacono (links) und Luigi Aracri führen das neue Primafila. Foto: achim zweygarth
Franco Arcidiacono (links) und Luigi Aracri führen das neue Primafila. Foto: achim zweygarth

Stuttgart - Elf Jahre ist das italienische Ristorante Primafila im Fernsehturm zu Hause gewesen. Dann hat Chef Luigi Aracri, der auch die Restaurants Fellini und La Commedia führt, im Dezember 2009 sein Lokal wegen der Renovierung des Fernsehturms geschlossen. Bereits damals hat er die Eröffnung einer Trattoria in der Augustenstraße angekündigt, wo er ein Haus gekauft hatte - Anfang August dieses Jahres ist es so weit gewesen.

Primafila steht in leuchtend roten Buchstaben über der Fensterfront, die den Blick in das Lokal freigibt. Dass der Name geblieben ist, liegt an Franco Arcidiacono, den sich Aracri mit ins Boot geholt hat. Schon im Fernsehturm hatte das 39-jährige Familienmitglied im Service des Restaurants mit angepackt. "Ich habe das Lokal geliebt wie meine Frau, deshalb sollte der Name bleiben." Zum ersten Mal leitet der Süditaliener jetzt ein Restaurant.

Eleganter als erwartet präsentiert sich das Lokal - für eine Trattoria ist es eindeutig zu schick. Die warmen Bordeauxtöne der Wände harmonieren mit dem dunkelbraunen Lederbezug der Stühle, die reduzierte Form der massiven Holztische nimmt ihnen die rustikale Note. "Das ist ein bisschen die moderne Art der Trattoria", sagt Arcidiacono. Es sei elegant, aber schlicht - er untertreibt. Bescheiden ist er auch, was die Speisekarte angeht: es sei die einfache Küche seiner Heimat Kalabrien, ein bisschen Pasta, ein bisschen Pizza.

Genuss für Auge und Gaumen

Was das neue Küchenteam allerdings zaubert, sieht durch liebevolles Arrangement nicht nur gut aus, sondern schmeckt auch hervorragend. Mittagsmenü, Wochenkarte und Standardkarte gibt es im neuen Primafila. Wir starten mit gemischtem Salat (4,50 Euro) und gegrilltem Oktopus (8,50 Euro) - beides ein Volltreffer.

Der Salat ist knackig, die hauchdünnen Fenchelscheiben sind eine überraschende und leckere Komponente. Auch die Oktopusvariation ist ein Geschmackserlebnis - in Kombination mit einer erfrischenden Minz-Pesto-Vinaigrette besonders aromatisch. Ebenso überzeugen uns die Scaloppine di vitello al limone (19,50 Euro) und der gebratene Seeteufel (22,50 Euro). Das Kalbfleisch ist zart; die Begleitung schwärmt von der sämigen, aber leichten Soße. Ein Genuss ist der Fisch, der mit mediterranem Gemüse und Rosmarinkartoffeln serviert wird. Der Händler kommt aus Italien verrät der Kellner - Arcidiacono höchstpersönlich. Seine Kollegin hilft freundlich bei der Wahl des Weines, zu groß ist die umfangreiche Karte. Der rote Nebbiolo (9,50 Euro) ist nicht billig, aber den Preis wert.

Zum Abschluss wählen wir eine Panna cotta und ein Tiramisu (je 5 Euro) und sind nach den köstlichen Vorgängern ein wenig enttäuscht. Optisch tadellos erscheinen die beiden Klassiker geschmacklich fad, das Sahnedessert hätte süßer sein dürfen, das Tiramisu hätte einen Schuss Espresso mehr vertragen. Trotzdem kommt die von Arcidiacono erwähnte "nur kleine Küche" ganz groß daher.

 


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Primafila Augustenstraße 70, Telefon 34228877. Geöffnet montags bis freitags von 11.30 bis 14.30 Uhr und von 17.30 bis 23Uhr, samstags und sonntags von 17.30 bis 23Uhr. Die Trattoria hat einen Außenbereich. Informationen bald unter www.primafila.de.

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