Primark zieht ins Milaneo ein Umstrittene Billigmodekette als Zugpferd

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Neben der Billigmodekette Primark solle es 70 weitere Einzelhändler geben, die bisher in Stuttgart nicht vertreten sind. Insgesamt 200 Shops und 20 Gastronomie-Betriebe sollen im Oktober Eröffnung feiern.

Momentan noch Baustelle, bald riesiges Einkaufszentrum: im Oktober eröffnet das Milaneo Foto: Michael Steinert 25 Bilder
Momentan noch Baustelle, bald riesiges Einkaufszentrum: im Oktober eröffnet das Milaneo Foto: Michael Steinert

Stuttgart - Mit so viel Gegenwind haben wir nicht gerechnet“, sagt Andrea Poul. Die Center-Managerin des Einkaufszentrums Milaneo, das im Oktober auf dem A1-Gelände eröffnen wird, ist überrascht über die vielen kritischen Fragen zur Eröffnung der riesigen Mall, die derzeit neben der Stadtbibliothek entsteht.

Bei einer Baustellenführung wurde am Montag ein Verwirrspiel beendet, dessen Ausgang nicht unbedingt zu einem Imagegewinn für das Milaneo beitragen dürfte. Nach langem Hin und Her bestätigte ECE nun doch, dass Primark als sogenannter Ankermieter in das Milaneo ziehen wird. Zuvor hatte ein Sprecher der irischen Billigmodekette dementiert, dass man nach der Filiale in Karlsruhe auch in Stuttgart einen Standort im Milaneo eröffnen werde.

Primark in Stuttgart: Billigmodekette als Zugpferd

Das Geschäftsmodell von Primark lässt sich auf ein Schlagwort reduzieren: billig. Seit dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch vor einem Jahr, in der auch für Primark produziert wurde, steht das Unternehmen stark in der Kritik. Die Primark-Filialen werden vor allem von jungen Kundinnen überrannt, weil die Mode so billig ist, dass man die Textilien nach einigem Tragen entsorgen kann, ohne dass der Geldbeutel zu sehr belastet wurde. Stefan Schußmann, Vermietungs-Manager im Milaneo, sieht Primark nicht ganz so kritisch. „Genauso wie H&M übernehmen Primark und andere sehr wohl Verantwortung für ihre Produktionsstandorte.“

Die schwedische Textilkette H&M, bereits mehrmals in der Stuttgarter Innenstadt vertreten, wird ebenfalls „mit der bisher größten Filiale in Stuttgart“ ins Milaneo ziehen. Neben den in der Königstraße bereits vorhandenen Ketten wie Zara oder Mango sollen auch 70 Konzepte in die Mall kommen, die es in Stuttgart bisher noch nicht gegeben hat. „Die erfolgreiche polnische Kette Reserved wird ebenfalls Mieter wie die Supermarktkette Tegut aus Fulda“, erklärte Stefan Schußmann weiter. Außerdem wird es eine Media-Markt-Filiale im Milaneo geben, einen Apple-Store dagegen nicht. „Apple sucht nach einem Standort in der Innenstadt“, so Schußmann. Angaben zu den Mietpreisen im Milaneo wollte Schußmann nicht machen. Die Mieten variierten je nach Konzept und Lage der Einzelhandelsflächen. Die Laufzeit der Mietverträge betrage in der Regel zehn Jahre.

Neben dem Einzelhandel auch 20 Gastronomie-Betriebe geplant

Neben dem Einzelhandel soll das Milaneo laut ECE auch 20 Gastronomie-Betriebe mit 1000 Sitzplätzen beherbergen. Neben Filialen von McDonald’s, Nordsee oder Dunkin’ Donut sollen auch Stuttgarter Systemgastronomien wie Todi’s und El Chico hier zu finden sein. Große Hoffnungen setzt ECE in die zur Stadtbibliothek gewandte Außenfläche, an der fünf Restaurants mit Sitzplätzen am Mailänder Platz das Viertel beleben sollen. Außerdem setzt die Firma ECE, die auch die Königsbaupassagen am Schlossplatz betreibt, auf eine weitere Food Lounge für Stuttgart. Mit einem solchen Konzept der verschiedenen Gastronomien auf engem Raum hat die Firma die lange kriselnden Königsbaupassagen wiederbelebt.

Einzelhandelexperten sehen das Milaneo dennoch kritisch: „Schon vor der Eröffnung der neuen Einkaufszentren haben wir in Stuttgart 1,8 Quadratmeter Einzelhandel pro Einwohner im Vergleich zu 1,3 Quadratmetern Verkaufsfläche pro Person in München", sagt Heinz Reinboth von der Interessengemeinschaft Königstraße. Reinboth warnt vor einem Überangebot an Verkaufsfläche in Stuttgart, wenn neben dem Milaneo auch noch das Gerber im Gerberviertel und Breuningers Dorotheenquartier eröffnen werden. Dem widerspricht Center-Managerin Andrea Poul: „Wir haben ein Einzugsgebiet, indem drei Millionen Menschen leben. Die genannten Einkaufszentren holen mehr Kaufkraft in die Stadt.“ Während ECE auch immer wieder die Anbindung zur Königstraße betont, sieht Reinboth das Milaneo nicht als Verlängerung der Fußgängerzone. „Dafür ist die Laufdistanz viel zu hoch.“

Ein drohendes Verkehrschaos oberhalb des Bahnhofs will ECE durch die gute Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr umgehen. Außerdem verfügt das Milaneo über zahlreiche Parkplätze im hauseigenen Parkhaus. Am 9. Oktober feiert das Einkaufszentrum Eröffnung. Bis dahin will Center-Managerin Andrea Poul ihre zahlreichen Kritiker besänftigt haben. „Die Einzelhändler aus der Innenstadt sollen uns doch erst einmal besuchen, ehe sie uns kritisieren. Ich führe gerne alle Interessierten über unsere Baustelle, Anruf genügt“, sagt Andrea Poul zum Abschied.

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