Prinz-Reuß-Verfahren in Stuttgart Alle reden vom Blackout – dann geht im Gerichtssaal der Strom aus

Ein 58 Jahre alter Mann aus Horb soll zum militärischen Arm der Bewegung um Prinz Reuß gezählt haben. Foto: dpa/Bernd Weißbrod (Archiv)

Ein 58-Jähriger aus Horb soll an militärischen Umsturzplänen der „Reichsbürger“-Gruppe um Prinz Reuß beteiligt gewesen sein. In seiner Aussage klingt das anders: Er habe kranken und alten Menschen helfen wollen, wenn es zum Blackout komme.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Da müssen selbst die Angeklagten im Hochsicherheitssaal des Oberlandesgerichts in Stammheim schmunzeln: Seit mehreren Stunden berichtet einer der neun Männer, was seine Rolle nach dem großen Blackout der für 2022 vorhergesagt war, gewesen wäre. Dann macht es um 13.58 Uhr „Klack!“ und im Saal geht das Licht aus.

 

Das Horrorszenario der „Reichsbürger“, dass nun Chaos ausbrechen würde, bleibt aus. Doch die Lüftung kann mit Notstromaggregat nicht betrieben werden, deswegen ist am Montag kurz nach dem Stromausfall in Stammheim Schluss in dem Prozess.

Bis zur Unterbrechung hat ein 58-Jähriger aus Horb (Kreis Freudenstadt) ausgesagt, wie er in der Zeit der Coronapandemie und danach zu den „Reichsbürgern“ fand. Im Zentrum standen am zweiten Tag seiner Aussage Treffen, bei denen der Zusammenbruch, der sogenannte Blackout, in Deutschland und das Vorgehen danach besprochen wurde sowie die Aufgaben, die der Dachdeckermeister dann hätte übernehmen sollen. Wieder und wieder betont er, dass es ihm nur darum gegangen sei, beim „Blackout“ Alte und Kranke zu versorgen, also eher humanitäre Hilfe zu leisten. Zu Waffen habe er nicht greifen wollen.

In die Szene zu kommen beziehungsweise mit wichtigen Schlüsselfiguren zu sprechen, das sei nicht so einfach gewesen. Der erste Kontakt war einfach – auf Demos gegen de Corona-Schutzmaßnahmen hatte der Dachdeckermeister Kontakte geknüpft. Dann wollte er jedoch den Kopf des ganzen treffen, Heinrich XIII. Prinz Reuß. Ein Mitangeklagter wies ihn an, eine Verschwiegenheitserklärung aufzusetzen. Erst, als er eine Version unterschrieb, in der der Geheimnisverrat mit der Todesstrafe bewehrt war, wurde das Schriftstück akzeptiert.

Den großen Anführer Prinz Reuß, der im Falle eines Zusammenbruchs des Staates mit Putin und Trump einen Friedensvertrag hätte aushandeln dürfen, traf er nicht. Aber den früheren Oberstleutnant der Bundeswehr, Rüdiger von Pescatore, der nun mit dem Prinzen in Frankfurt vor Gericht steht.

Man habe sich auf 14 Tage ohne Strom, fließend Wasser und Lebensmittelversorgung eingestellt und sich deswegen zuhause Vorräte angelegt. Dann, so hieß es im Narrativ, das der Horber erfuhr, hätte die Allianz übernommen – ein Zusammenschluss aus rund 17 Staaten, darunter Amerika, Russland und China. Laut Anklage wäre seine Rolle gewesen, eine „Heimatschutzkompanie“ zu führen. Aber mit Militär habe er nichts am Hut gehabt. Und nicht nur das habe ihn zweifeln lassen: Am Tag X ging es in Deutschland weiter, kein Stromausfall, nichts. Da habe er sich nach und nach aus allen Chatgruppen – auch aus der namens „Plattfüße“, in der man schon die Konfektionsgröße für Uniformen angeben musste – abgemeldet und versucht, sein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. „Man hat uns angelogen“, sagte er.

Das Verfahren wird am Mittwoch, 9. Oktober fortgesetzt.

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