Pritzker-Preis 2021 Architekturduo Lacaton & Vassal gewinnt

Das Sozialwohnbau-Projekt Grand Parc Bordeaux illustriert, wie sich hässliche Plattenbauten in attraktiven Wohnraum verwandeln können. Fassade und Wohnungen wurden  mit Wintergärten aufgewertet. Foto: Pritzker Prize/Philippe Ruault 19 Bilder
Das Sozialwohnbau-Projekt Grand Parc Bordeaux illustriert, wie sich hässliche Plattenbauten in attraktiven Wohnraum verwandeln können. Fassade und Wohnungen wurden mit Wintergärten aufgewertet. Foto: Pritzker Prize/Philippe Ruault

Diese Würdigung hat Signalwirkung: Das Pariser Architektenduo Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal erhält den renommierten Pritzker-Preis 2021.

Kultur: Ulla Hanselmann (uh)
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Chicago - Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal erhalten den Pritzker-Preis 2021 – die höchste Architekturauszeichnung weltweit, die seit 1979 jährlich in Chicago vergeben wird. Das hat am Dienstag die Hyatt Foundation bekannt gegeben.

Die Würdigung hat Signalwirkung: Die Pariser Architekten gelten als Pioniere für klimagerechtes und soziales Bauen; ihre Maxime lautet: Umbau statt Neubau. Sie demonstrieren, wie sich etwa marode Sozialwohnungstürme aus den Sechzigern mit einfachen Mitteln, etwa durch vorgesetzte Wintergärten, in zeitgemäßen, hellen und günstigen Wohnraum verwandeln lassen, wie beim Grand Parc Bordeaux. Ihre Arbeit reflektiere den „demokratischen Geist der Architektur“, urteilte die Jury unter dem Vorsitz von Alejandro Aravena aus Chile. Sie sei radikal in ihrer Zartheit und mutig durch ihre Subtilität, die einen respektvollen und dennoch unkomplizierten Umgang mit der gebauten Umwelt in Einklang bringe.

International renommiert

Die 1955 im französischen Saint-Pardoux geborene Lacaton und der 1954 im marokkanischen Casablanca geborene Vassal hatten sich beim Studium in Bordeaux kennengelernt und 1987 in Paris ein Architektur-Büro eröffnet. Gemeinsam haben sie an mehr als dreißig Projekten in Europa und Afrika gearbeitet – zu den bekanntesten gehört der Aus- und Umbau des Ausstellungsgebäudes Palais de Tokyo in Paris. Beide lehren immer wieder an verschiedenen Universitäten, auch in Deutschland.

Das Duo hat in seiner Arbeit vor allem einen Vorsatz: nichts abreißen. „Es gibt zu viele Demolierungen von existierenden Gebäuden, die nicht alt sind, noch ein Leben vor sich haben und noch nicht ausrangiert sind“, hatte Lacaton in einem Interview gesagt. „Wir glauben, dass das eine zu große Verschwendung von Materialien ist. Wenn wir genau hinschauen, wenn wir die Dinge mit frischem Blick sehen, gibt es immer etwas Positives, was man aus einer bestehenden Situation mitnehmen kann.“ Damit ist ihre Architekturhaltung richtungsweisend für die immer vehementer eingeforderte Nachhaltigkeit beim Bauen.

Ihre Projekte beginnen Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal stets mit der Wertschätzung des Bestehenden, auch wenn es sich um seriellen Wohnungsbau aus der Nachkriegszeit handelt, zudem beziehen sie Bewohnerinnen und Bewohner in Sanierungen mit ein.

Vielfach ausgezeichnet

Zu den bekanntesten Projekten des Büros Lacaton & Vassal Architectes zählen etwa die École Nationale Supérieure d’Architecture in Nantes, das Kunstsammlungs-Projekt FRAC Nord-Pas de Calais in Dunkerque, der Grand Parc Bordeaux, das Wohnhochhaus Tour Bois le Prêtre in Paris sowie das Wohnhaus Cap Ferret in Cap Ferret.

Lacaton & Vassal, die schon länger für den Pritzker-Preis gehandelt wurden, haben im vergangenen Jahr für ihr Lebenswerk den großen BDA-Preis 2020 erhalten; ein Jahr zuvor wurden sie für das Sozialbauprojekt in Bordeaux, das sie mit zwei weiteren Planungsbüros umsetzten, mit dem Mies van der Rohe Award geehrt, dem bedeutendsten europäischen Architekturpreis.

Bislang nur sechs Architektinnen geehrt

Im vergangenen Jahr ging die gern als Nobelpreis der Architektur titulierte Auszeichnung aus Chicago an Yvonne Farrell und Shelley McNamara aus Irland; zählt man nun Anne Lacaton hinzu, erreichten bisher lediglich sechs Architektinnen die höchsten Architekturweihen. Der Pritzker-Architekturpreis wurde 1979 von Jay A. Pritzker und dessen Ehefrau Cindy ins Leben gerufen. 2015 war der Preis zuletzt nach Deutschland gegangen: an Frei Otto (1925-2015), der posthum geehrt wurde.




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