Pritzker-Preis 2022 Diébédo Francis Kéré gewinnt
Er baute Schlingensiefs Operndorf Afrika: Der aus Burkina Faso stammende, in Berlin ansässige Architekt Diébédo Francis Kéré erhält die weltweit höchste Architekturauszeichnung.
Er baute Schlingensiefs Operndorf Afrika: Der aus Burkina Faso stammende, in Berlin ansässige Architekt Diébédo Francis Kéré erhält die weltweit höchste Architekturauszeichnung.
In Burkina Faso baute er das „Operndorf Afrika“ mit dem verstorbenen Regisseur Christoph Schlingensief; in der burkinischen Hauptstadt Ouagadougou soll er das neue Parlamentsgebäude errichten – mit einem terrassierten, öffentlich begehbaren und mit Bäumen und Pflanzen begrünten Dach: Der Architekt Diébédo Francis Kéré erhält den Pritzker-Preis 2022 – die höchste Architekturauszeichnung weltweit, die seit 1979 jährlich in Chicago vergeben wird. Das hat am Dienstag die Hyatt Foundation in Chicago bekannt gegeben.
Der in Berlin ansässige Architekt, der aus dem westafrikanischen Burkina Faso stammt, ist für seine innovativen Entwürfe bekannt, in denen er traditionelle Baumaterialien wie Lehm, Ziegel, Bambus mit moderner Ingenieurtechnik vereint. Seine Bauten sind insbesondere der Kultur der Gemeinschaftlichkeit und der Partizipation verpflichtet, genauso wie der Nachhaltigkeit. Kéré wisse intuitiv, dass es bei Architektur nicht um das Objekt, sondern um das Ziel gehe, nicht um das Produkt, sondern um den Prozess, so die Jury.
Im vergangenen Jahr kam das französische Architekturduo Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal, die als Pioniere für klimagerechtes und soziales Bauen gelten, zu Pritzker-Ehren. Mit dem 51. Preisträger der als „Nobelpreis der Architektur“ gehandelten Auszeichnung setzt der Auslober nun ein weiteres Mal ein deutliches Zeichen für die Bedeutung einer sozial engagierten, ökologischen Architektur.
Nach einer Ausbildung zum Zimmermann studierte Kéré, Jahrgang 1965, Architektur an der TU Berlin und gründete dort 2005 das Studio Kéré Architecture. Noch während seines Studiums hatte er in seinem Heimatdorf Gando mithilfe einheimischer Materialien und Techniken sowie der Beteiligung der Bewohner eine Grundschule gebaut, für die er 2004 den renommierten Aga Khan Award for Architecture erhielt. Kéré realisierte weitere Schulen, Gesundheitszentren, Waisenheime und Pavillons, baute in Mali, Kenia, Uganda, den USA, Großbritannien und Deutschland. Er arbeite, wie er einmal sagte, an der Schnittstelle von Utopie und Pragmatismus und verpflichte sich der gebauten Umwelt auf allen Ebenen.
Kéré lehrte unter anderem in Harvard und Yale, 2017 wurde er auf die Professur Architectural Design and Participation an der Technischen Universität München berufen.
Pritzker-Preis
Auszeichnung
Der Pritzker-Architekturpreis wurde 1979 von Jay A. Pritzker und dessen Ehefrau Cindy ins Leben gerufen. 2015 war der Preis zuletzt nach Deutschland gegangen: an Frei Otto (1925–2015), der posthum geehrt wurde.
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