Privat oder gesetzlich versichert Für wen lohnt sich ein Wechsel der Krankenversicherung?

Von Harald Czycholl 

Wer privat versichert ist bekommt höhere Leistungen. Dafür werden mit steigendem Alter hohe Beiträge fällig. Ein Wechsel sollte daher gut überlegt sein. Was Sie zum Thema unbedingt wissen sollten.

Manche Beitragszahler denken über den Wechsel zu einer privaten Krankenkasse nach – doch sie fürchten steigende Kosten. Foto: Thomas Reimer - Adobe Stock
Manche Beitragszahler denken über den Wechsel zu einer privaten Krankenkasse nach – doch sie fürchten steigende Kosten. Foto: Thomas Reimer - Adobe Stock

Stuttgart - Chefarztbehandlung und Einzel- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus, dazu die vollständige Übernahme von zahnärztlichen Leistungen: Privatpatient zu sein ist in vielerlei Hinsicht attraktiv. Die Kehrseite sind allerdings die hohen Kosten, die mit zunehmendem Alter weiter ansteigen. Außerdem halten nicht alle Tarife, was sie vordergründig versprechen. Wir klären die wichtigsten Fragen zum Thema.

Für wen ist eine private Krankenversicherung sinnvoll?

Laut Angaben der Stiftung Warentest, die für die November-Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest“ 120 Tarifangebote von 30 Versicherern unter die Lupe genommen hat, ist eine private Krankenversicherung (PKV) vor allem für Beamte empfehlenswert. „Sie müssen nur einen Teil ihrer Heilkosten versichern, bekommen mit der Beihilfe die Unterstützung durch ihren Dienstherrn und brauchen sich kaum Sorgen wegen hoher Beiträge im Alter zu machen“, fasst Stiftung Warentest-Finanzexpertin Cornelia Nowack zusammen. Angestellte, deren Einkommen die Pflichtversicherungsgrenze von derzeit 60 750 Euro pro Jahr (ab 2020 sind es 62 550 Euro) übersteigt und die sich deshalb theoretisch privat versichern könnten, sollten das nur tun, wenn sie eine langfristig sichere und sehr gut bezahlte Stelle haben und von Anfang an Geld für die später höheren Beiträge zur Seite legen können. Wer eine Familie gründen will, sollte zudem bedenken, dass jede Person einen eigenen Vertrag braucht und es keine Familienversicherung wie in der gesetzlichen Krankenkasse gibt. Für alleinstehende Selbstständige mit hohen Einkünften kann die private Krankenversicherung beim Eintritt mit Mitte 30 zwar zunächst günstiger sein als die gesetzliche. Sie ist trotzdem nur für den zu empfehlen, der dauerhaft die nötigen Rücklagen für die höheren Beiträge im Alter bilden kann. Bei stark schwankenden oder ohnehin niedrigen Einkünften ist die private Versicherung zu riskant.

Was sind die Vorteile einer (guten) privaten Krankenversicherung?

Den größten Unterschied zwischen Kassen- und Privatpatient gibt es laut Stiftung Warentest im Krankenhaus. Entscheidend ist dabei weniger die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer, sondern vor allem der Anspruch, sich vom Chefarzt behandeln zu lassen. Aber auch wer zum niedergelassenen Arzt geht profitiert davon, Privatpatient zu sein. Vorteile bei der Terminvergabe darf es zwar offiziell nicht geben, viele Privatpatienten machen aber die Erfahrung, schnell an einen Arzttermin zu kommen. Außerdem übernehmen die privaten Versicherer fast alles, was der Arzt verschreibt – auch rezeptfreie Medikamente, die Kassenpatienten aus eigener Tasche bezahlen müssen. Außerdem sind Ärzte weder bei ihrem Honorar, noch bei den zu verschreibenden Leistungen an Budgets und andere Obergrenzen gebunden. Auch beim Zahnarzt bringt die private Krankenversicherung Vorteile mit sich: Leistungen wie Kronen, Brücken oder Implantate, die Krankenkassen nur anteilig übernehmen, werden von den privaten Versicherern vollständig bezahlt.

Welches sind die besten Tarife?

Für Beamte gibt es zwei von der Stiftung Warentest mit „sehr gut“ bewertete Tarife, nämlich den BV20, BV30 der Concordia und die Tarifkombination AB 20E, AB 30, SB 2/20E, SB 2/30, ZB 20E, ZB 30 der LVM. Sie kosten für 35-jährige gesunde Neukunden mit 50 Prozent Beihilfeanspruch 209 beziehungsweise 232 Euro im Monat. Für Selbstständige gibt es kein Angebot mit dem Urteil „sehr gut“. Am besten abgeschnitten hat hier der nur für Freiberufler zugängliche Tarif Exklusiv 2, Pro 043v der Signal Iduna. Gesunde 35-jährige Neukunden zahlen hier 457 Euro im Monat bei einem jährlichen Selbstbehalt von 960 Euro. Der einzige mit „sehr gut“ bewertete Tarif für Angestellte steht ausschließlich Kunden aus Niedersachsen und Bremen offen. Es ist der VKA+u, KHPnu, KHUnu, KTG-A6 der Provinzial Hannover mit 431 Euro Monatsbeitrag bei einem jährlichen Selbstbehalt von 450 Euro.

Was kann man tun, wenn die Beiträge steigen?

Die hohen Kosten in Verbindung mit oft happigen Beitragssteigerungen sind der wunde Punkt, wenn man privat krankenversichert ist. In gewissem Umfang sind Beitragserhöhungen zur Kostendeckung normal, durchschnittlich sind es etwa drei Prozent pro Jahr. In den vergangenen Jahren verteuerten sich einzelne Tarife allerdings um mehr als zehn Prozent. „Mit der Zeit sind solche Beitragssteigerungen für die Versicherten ziemlich heftig“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. So kann ein älterer, leistungsstarker Tarif monatlich 1000 Euro Prämie kosten. Versicherte haben allerdings Möglichkeiten, den Beitrag zu senken. Am einfachsten ist es, die Selbstbeteiligung an den Krankheitskosten zu erhöhen. Um abzuschätzen, ob sich das Angebot lohnt, teilt man den Selbstbehalt durch zwölf und addiert ihn auf den monatlichen Beitrag. Eine deutliche Ersparnis gegenüber dem alten Beitrag rechtfertigt eine Erhöhung. Zu hoch sollte der Selbstbehalt aber nicht sein, Experten empfehlen maximal 1000 Euro.

Kann man einfach den Anbieter wechseln?

Es ist selten sinnvoll, seinen Vertrag zu kündigen, um zu einer anderen Versicherung zu wechseln. Denn schließlich ist man seit dem ursprünglichen Vertragsabschluss älter geworden, was für sich genommen schon zu höheren Beiträgen führt. Hinzu kommt eine neue Gesundheitsprüfung. Besser ist ein Tarifwechsel innerhalb der gleichen Versicherungsgesellschaft. Das kann sich durchaus lohnen. „Der Preis hängt nicht nur von den Leistungen ab, sondern auch von der Gesundheit der in dem Tarif Versicherten“, sagt Stiftung-Warentest-Expertin Nowack. Allerdings ist ein Tarifwechsel häufig kompliziert und unübersichtlich. Sinnvoll ist es daher, sich unabhängig beraten zu lassen. Am wichtigsten ist es, genau darauf zu achten, wo es beim neuen Tarif Leistungseinschränkungen gibt. So kann ein Tarif mit Zweibettzimmer gewählt oder eine Krankentagegeldversicherung gestrichen werden. Bietet der neue Tarif bessere Leistungen, steht eine erneute Gesundheitsprüfung an, allerdings ausschließlich für diese Mehrleistungen.

Was hat es mit den Sozialtarifen der PKV auf sich?

Wenn alle Stricke reißen und sich privat Versicherte den Beitrag nicht mehr leisten können, können sie in die Sozialtarife der PKV wechseln. Der Standardtarif bietet ähnliche Leistungen wie die gesetzlichen Krankenkassen. Weil die Altersrückstellungen für den Beitrag genutzt werden, ist er mit im Schnitt knapp 300 Euro im Monat vergleichsweise günstig. Offen steht er allerdings nur Versicherten über 55 Jahren, die bereits vor 2009 in der PKV versichert waren. Für die übrigen Versicherten gibt es noch den Basistarif, der ebenfalls ein ähnliches Leistungsniveau wie die gesetzliche Krankenkasse hat. Hier werden allerdings um die 700 Euro im Monat fällig.