Private Initiative an Stuttgarter Hochschule Professoren verschenken Geld an bedürftige Studierende

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Der Corona-bedingte Wegfall von Jobs bringt viele Studierende in finanzielle Not. An der Stuttgarter Hochschule der Medien hat eine Gruppe von Professoren kurzerhand Geld gesammelt – und verschenkt es als Einmalgabe.

Hinter der stylishen Fassade der Medienhochschule verbirgt sich mancher Student in Not. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Hinter der stylishen Fassade der Medienhochschule verbirgt sich mancher Student in Not. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Viele Studierende hat die Corona-Pandemie in akute Geldnot geworfen: Job weg, und jetzt? An der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart ist für einige von ihnen jetzt Rettung in Sicht. Zusammen mit einigen Mitstreitern hat Udo Mildenberger, Professor für BWL und Dekan der Fakultät Information und Kommunikation, einen Hilfsfonds ins Leben gerufen: „Butter und Brot – für Studis in Not“. Die Initiative sei eher zufällig entstanden, räumt er ein. Im Rahmen einer Evaluation, die sich vor allem um Fachinhalte, Methodik, Technik gedreht hat, habe man die Studierenden auch nach ihrem häuslichen Umfeld und ihrer finanziellen Situation gefragt. „Ursprünglich war das von uns nur eine Frage, die zum Abrunden gedacht war“, berichtet Mildenberger. Doch die Erhebung brachte für die Professoren Überraschendes zutage: „Von rund 500 Studierenden haben 15 bis 20 Prozent gesagt, dass sie jetzt oder demnächst große finanzielle Schwierigkeiten haben.“ In diesem Umfang habe er das nicht vermutet, räumt der Professor ein. Und schritt gleich zur Tat.

Einmalzahlung in Höhe von 500 Euro

Beim virtuellen Fakultätstreffen habe er die Idee vorgebracht, „ob wir das nicht einfach privat aufziehen: als Hilfsfonds für unsere Studis“. Die Reaktionen seien unterschiedlich ausgefallen. „Ein Teil fand’s großartig, ein Teil verhalten, ein Teil sagte: Ich kann das grad nicht“, so Mildenberger. Jetzt machten ein Dutzend mit, und auch einige Praxispartner habe man mit ins Boot geholt. Die Idee: jeder Studierende, der durch die Corona-Pandemie in schwere Not geraten ist, kann eine einmalige Zuwendung in Höhe von 500 Euro erhalten, um die Krise besser zu meistern. Als Geschenk wohlgemerkt, nicht als Darlehen. Allerdings richtet sich das Angebot ausschließlich an Studierende aus den Studiengängen Informationsdesign, Informationswissenschaften, Online-Medien-Management oder Wirtschaftsinformatik und digitale Medien. „Wir fördern nur Studierende aus unserer Fakultät“, sagt Mildenberger. Die Rede ist von insgesamt knapp 1200 Studierenden. Die Notfälle unter ihnen können nun einen Antrag stellen, in dem sie ihre finanzielle Situation glaubhaft darlegen, ebenso Studienerfolg sowie Studien-Engagement.

Viele Erstakademiker schrecken vor Krediten zurück

Die ersten 14 Anträge seien bereits eingegangen, berichtet der Dekan. Darunter der einer Studentin, die als Nebenjob in der Gastronomie gearbeitet hatte und nun vom Ersparten lebt, das nach zwei Monaten aufgebraucht sei. „Nun weiß sie nicht, wie sie ihr Leben weiter finanzieren soll“, so Mildenberger. „Wir haben häufig Erstakademiker – viele schrecken extrem davor zurück, einen Kredit aufzunehmen.“ Einem weiteren Antragsteller sei der Job als Werkstudent weggebrochen. Mit dem Geld hatte er zudem seine arbeitslose Mutter unterstützt. „Nun weiß er nicht mehr, wie er’s auf die Reihe bringen soll“, sagt Mildenberger. Über diese und die weiteren Anträge entscheidet eine Kommission aus der Reihe der stiftenden Professoren – natürlich unter strikter Wahrung der Privatsphäre. Für die Organisation, Abwicklung und Auszahlung habe man den Förderverein der HdM gewinnen können. „Uns fehlt dafür jegliche Erfahrung“, räumt der BWL-Professor ein.

„Wir sammeln 14 Tage lang – und entscheiden dann in der Auswahlrunde“, so Mildenberger. Es könnte gut sein, dass alle Antragsteller zum Zug kommen. Denn der professorale Aufruf zum Geldspenden scheint effizient gewesen zu sein: 10 000 Euro sind im Topf. „Sollten deutlich mehr Anträge als Geld da sein, dann werden wir aktiv auf unsere Praxispartner zugehen.“ Profilneurose will sich der Prof aber nicht nachsagen lassen: „Mir ging’s nur darum, schnell und pragmatisch ein Hilfsangebot zu machen.“




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