Privatmuseum in Mettingen Schätze eines Handwerkerlebens
Reinhold Miller hat drei Meisterausbildungen absolviert und jahrzehntelang als Handwerker gearbeitet. In seinem Museum zeigt er besondere Exponate aus dieser Zeit.
Reinhold Miller hat drei Meisterausbildungen absolviert und jahrzehntelang als Handwerker gearbeitet. In seinem Museum zeigt er besondere Exponate aus dieser Zeit.
Reinhold Miller weist auf drei Urkunden an der Wand in seinem Museum in der Schenkenbergstraße in Esslingen-Mettingen. „Das sind meine Meisterbriefe“, sagt der fast 87-Jährige. Den ersten machte er 1971 als Klempner, den zweiten 1974 als Gas- und Wasserinstallateur und den dritten 1975 für das Zentralheizungs- und Lüftungsbauer. „Ich war schon immer wissbegierig“, sagt er über seine Motivation und fügt stolz hinzu: „Im November bekomme ich meinen dritten Goldenen.“ Ein außergewöhnliches Jubiläum: Es gäbe wohl kaum einen zweiten, dem so viele Goldene Meisterbriefe überreicht würden. Noch heute hilft der 87-Jährige seinem Sohn, der seinen Handwerksbetrieb weiterführt und in dessen Haus das Museum Heimatverein Esslingen seit Gründung 2012 untergebracht ist. Die Stadt habe damals abgewunken, als er es im alten Bahnhof von Mettingen einrichten wollte. „Jetzt fällt er zusammen“, meint Miller, Vorsitzender des Vereins, bedauernd.
Auf 120 Quadratmetern Fläche stellt er aus, was er im Laufe der vergangenen 30 Jahre zusammengetragen hat. Als Handwerker ist er viel herumgekommen, renovierte Bäder und rettete für die Nachwelt, was entsorgt werden sollte. So auch eine weiß geflieste Badewanne, die, mit floralem Muster verziert, an den Jugendstil erinnert. „Die stammt von einer Villa aus Esslingen, so um 1910“, sagt Miller. Anderes wurde ihm angetragen; seine Sammelleidenschaft habe sich bis nach Stuttgart herumgesprochen. So stamme Elsa, eine Schaufensterpuppe, von einem befreundeten Dekorateur. Ihre Hand ruht lässig auf einem Staubsaugergriff, gleich im ersten Ausstellungsraum, der als Küche eingerichtet ist.
„Das ist ein Herd für Flüchtlinge, so haben sie ihn vom Staat nach dem Zweiten Weltkrieg bekommen, damit sie heizen und kochen konnten“, erklärt er ein Exponat. In der Regel habe damals eine komplette Familie in einem Raum gelebt. Er steht vor dem Fenster, daneben ein großer Herd aus Urgroßmutters Zeiten, bestückt mit Töpfen, in den Regalen darüber Kaffeemühlen, Tassen, Springerlemodel, ein Esstisch mit Eckbank und Stühlen, ein Herrgottswinkel darüber. Der Fundus ist fast unerschöpflich. Drei Stunden könnte er leicht eine Führung bestreiten, meint der Sammler, wenn er all die Gegenstände mit Historie und Histörchen erklären würde.
Wissbegierig versucht der Laie zu erforschen, was es mit den gesammelten Gegenständen aus Alltag und Handwerk einst auf sich hatte. Sie stammen augenscheinlich überwiegend aus dem vergangenen Jahrhundert. Oft kommt ein Aha-Effekt beim Besucher auf. Ist das schwarze Telefon mit der Wählscheibe nicht ein Modell, wie es die Großeltern benutzten, das beigefarbene eines aus den 80er Jahren?
Oder der komplette Friseursalon aus einer Geschäftsaufgabe in Echterdingen mit Ascher in der Armlehne. 50er, 60er oder gar 70er-Jahre? Fest dagegen steht das Datum des Backtrogs von 1886. Er stammt aus dem Mettinger Backhäusle. „Der ist aus einem Stamm und hat noch keinen Riss, das ist erstaunlich“, meint Miller. Wahrscheinlich sei der Baum dafür bei Neumond gefällt worden und deshalb so haltbar, vermutet er. Er steht im hinteren Teil des Museums im ehemaligen Stall des Hauses wie auch ein Kummet für Ochsen. Der stammt von ungefähr 1750.
Gleich im Raum daneben hat Miller eine Flaschnerwerkstatt eingerichtet – mit Exponaten aus seiner eigenen. Schlagschere, Blech- und Abkantschmiede, fachmännisch erklärt er alles. Und darüber an der Wand hängt eines seiner Meisterstücke, das für das Klempnerhandwerk.
Führungen
Roland Miller gibt auf Anfrage Führungen in seinem Museum in der Mettinger Schenkenbergstraße. Er ist telefonisch unter 07 11 / 30 52 88 34 erreichbar (Anrufbeantworter).
Heimatstube
Ein weiteres Museum gibt es im Esslinger Stadtteil Liebersbronn. Die Heimatstube vom Berg ist ein ehrenamtlich geführtes Ortsteilmuseum des Fördervereins „Wir vom Berg“. Im Dachgeschoss des Alten Schulhauses in Esslingen-Liebersbronn. Es gibt Einblicke in das Leben und Arbeiten der Bewohner und Bewohnerinnen von Hegensberg, Liebersbronn, Kimmichsweiler und Oberhof vor mehr als 100 Jahren. Die Ausstellung kann nach einer vorherigen Terminvereinbarung besichtigt werden. Kontakt per E-Mail unter: info@heimatstubevomberg.de